Seelenlolly: Not

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Viele Namen hast du!

Hunger! Krieg! Zerstörung! Gewalt! Armut! Krankheit! Verfolgung! Hass! Einsamkeit! Sucht! … 

Überall kannst du lauern.

Gut getarnt, hinter sauberen Vorhängen der Vorstadt oder offensichtlich, wie in den Slums unserer Metropolen. In trügerischem Frieden oder im Krieg. Du bist in jedem Land zuhause. In jeder Stadt. Du kennst uns alle. Mensch und Tier.

Ein Parasit bist du! Hockst überall!

Bringst Trauer und Tod. Angst und Verzweiflung.

Vielleicht sitzt du auch mir schon im Nacken. Vielleicht bist du im Haus neben an. Und ich ahne dich nicht kommen. 

Vielleicht bist du auch weit weg.

Und doch bist du immer da. Irgendwo. Nah und fern. Oft suchst du dir die Schwächsten der Schwachen. Die Hungernden. Die Verstoßenen. Die Flüchtenden…

Oft frage ich mich :
Bin ich wirklich stark genug dir beherzt entgegenzutreten?  Habe ich den Mut, dir mit Barmherzigkeit, Liebe und Menschlichkeit den Kampf anzusagen? Meinen kleinen Teil dazu beizutragen, dich zu mildern? Habe ich den Mut, dich nicht dann mit Hass und Angst zu füttern, wenn du deine dünnen Finger auch einmal nach meinem Leben ausstreckst?

Ja! Möchte ich schreien! Aber doch weiß ich es nicht immer.

Oft bist du so groß und ich nur so klein.

Manchmal scheint alles was ich kann, wie ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Doch dann, ganz unverhofft, folgt mir ein Lächeln. Ein Blick, eine Geste, die mir zeigen, dass deine Macht nicht immer nur grenzenlos ist.

Polly

Anker

Mein Beitrag zum ersten Wort 2016 für das Txt*-Projekt von Dominik. Macht doch auch mit!

Stille.

Nichts mehr wie es war.

Je mehr ich nach dir greife, desto mehr verschlingt dich ein zäher Strom aus Sehnsucht und Verzweiflung.

Du Schwimmst mit der Zeit davon.

Auf dem Floß aus Kummer und Schmerz tragen dich meine Tränen immer weiter fort von mir.

Dein Steuermann ist Angst vor der Zukunft.  

Mir lässt du  bittere Fracht zurück… und Einsamkeit.

Doch trotz allem gebe ich dir einen Anker aus Erinnerung.

Vielleicht wirfst du ihn eines Tages durch den größten Sturm… mitten hinein… in ein Meer aus Hoffnung.

Sie soll dich bewahren und in Liebe nach Hause führen.

Polly

Pollymoment: Nein, du verstehst nicht.

Mein Beitrag zum txt-Projekt von Dominik Leitner.

Uz rim tsröh du tsgas ud. Srednaow tsgnäl ud tsib, neknadeg nenied tim reba. Ehcuarb hcid hci lhowbo. Hcrud nezreh menied zu sib thcin negnird eis reba, etrow eniem neröh nerho enied.

Ekned hci saw, hcon tpuahrebü hcid treisseretni?

Hcilkcülgnu nib hci. Hcim rüf rhem tiez eniek tsah ud. Boj ned rüf run. Thcin ud tsheis hcim. Tiez emasniemeg, ehän enied ethcöm hci. Rim tslhef ud dnu hcid ebeil hci.

Nedroweg run tsi saw… Rhem thcin nnak hci! Hcid essalrev hci.

Neredna menie tim Sex ettah hci. Ud tsröh?

Bin gleich fertig Liebes…

ICH VERLASSE DICH!!!

Moment….Warum?

Leb wohl.

Polly

Pollymoment: Chemo und die Sorgen

Mike,
lange habe ich nichts mehr weiter von dir gehört. Meine letzte Nachricht an dich war auch nicht gerade freundlich. Wenn du jetzt alles hinschmeißt, hast du gesagt, ist es in deiner Situation nicht einfach, von vorne zu beginnen. Wer weiß was die Zukunft dir bringt, aber du willst mich keinesfalls verlieren…
Ja… da hast du recht, wer weiß was kommt….
Ich schrieb dir, du bräuchtest dich nicht mehr zu rühren, wenn alles immer gleich bliebe… es genügt mir nicht mehr.
So habe ich empfunden, als ich die Zeilen schickte.
Frust, verletzter Stolz… keine Ahnung, was mich alles getrieben hat, so hart zu sein.
Aber ich war es.
Ich weiß, dass du gerade jetzt eine schwere Zeit durchmachst. Und, dass in den Sternen steht, ob die Chemotherapie Erfolg haben wird.
Ich wünsche es dir.
Es tut mir so unendlich leid, dass ich dir nicht wirklich helfen kann. Dass ich  deine Krankheit nicht ein Stück abnehmen kann. Mittragen kann.
Ich liebe dich so, und die Vorstellung, wie du gegen das Ertrinken kämpfst und hoffst, kein Land mehr siehst…macht mich traurig.
Ich mache mir Sorgen, auch wenn Wut in mir aufsteigt. Ich verstehe dich. Ich versuche es. Ich möchte für dich da sein. Nur wie?
Deshalb halte ich mich nun zurück. Damit helfe ich dir im Moment wohl am besten. Abstand. Ruhe. Vielleicht ist es so das Richtige. Ich habe keine Ahnung. Aber meine Wunden würden sich nur immer wieder melden. Es tut weh. So oder so. Deshalb halte ich mich daran. Ich will dir nicht noch mehr Stress machen.
Ich hätte nicht gedacht, dass noch Worte von dir kommen. Aber sie kamen.
Du antwortest noch, wenn dein Kopf frei ist. Wenn der Stress etwas nachgelassen hat. Wenn du etwas Ruhe gefunden hast. Du meldest dich.
Egal warum. Du tust es.
Ich war unendlich froh, als ich diese Nachricht las und ich vertraue darauf. Du brauchst deine ganze Kraft. Du wirst es schaffen!
Ruhe tut dir gut. Uns beiden. Unsere Gedanken zu sammeln und vielleicht Entscheidungen zu fällen. Irgendwann.
Ich denke immer an dich. Auch im Stillen. Jeden einzelnen Tag.
Polly

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Er und er…… und Polly

Esslingen, Seiltänzer, Abendrot, Burg, Wolken

„Gratwanderung“…Das ist ja wirklich ein passendes Wort für mich!

Als ehemalige und möchtenochgern Geliebte kenne ich diesen Zustand wie meine Westentasche.

Viele Jahre habe ich mich durch meine Affäre am Rande des Abgrundes bewegt. Immer mit einem Fuß in meiner Ehe und mit dem anderen in meiner Liaison. Immer mit der Gefahr des Ausrutschens.

Ein falscher „Tritt“ hätte vieles zerstört. Nicht nur für mich, auch für meinen Geliebten und unsere Familien.

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Kurzgeschichte: Für immer

Achtung…diesmal eine etwas „andere“ Geschichte:

Er saß auf der Bettkante und rieb mit den Händen über sein Gesicht.

Es war vollbracht. Die erste Etappe hatte er erfolgreich hinter sich gelassen. Der Rest würde nicht halb so schwer sein. Aber noch war es nicht so weit. Noch nicht. Er brauchte noch ein wenig Zeit, wollte noch etwas in ihrer Nähe sein. An ihrer Seite sitzen.

Sein Blick streifte durch den Raum. Die schmutzigen Ecken sahen gespenstisch finster aus, die zerschlissenen Vorhänge waren zugezogen. Alles flackerte beinahe romantisch im Kerzenschein.

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Frau LollyJanePolly und das Jahr der Hiobsbotschaften (Teil 2)

Im Krankenhaus angekommen, führte man uns zur Intensivstation. Durch das Fenster konnte ich Robert sehen. Oder das, was man von ihm sehen konnte. Überall Schläuche und Maschinen. Sein Gesicht war mir Verbänden umwickelt, und was von seiner Haut herausschaute, war dick geschwollen.

Als ich ihn so liegen sah, fiel alles in mir zusammen. Ich legte den Kittel und den Mundschutz an, ging ins Zimmer und setzte mich an sein Bett. Ich drückte meinen Kopf auf seine Decke und weinte. So vieles ging mir durch den Kopf. So viele Gedanken. Die große Sorge um ihn, die Liebe für ihn, und das schlechte Gewissen. Reue, weil ich so oft an Mike gedacht hatte, weil ich es genossen hatte, als er mich berührte… Weiterlesen