Was bleibt ist die Erinnerung…

Lange habt ihr nichts mehr von mir gehört. Und ich werde diesen Blog noch länger stilllegen. Es ist viel geschehen in der Zwischenzeit, und es kostet mich alle Kraft, diese Zeilen niederzuschreiben.

Trotzdem möchte ich euch nicht länger im Unklaren lassen, was mit Mike geschehen ist. Er hat sich das Leben genommen. Plötzlich und unerwartet, ohne Abschied, weder an seine Familie, noch an mich.

Zwei Tage vor seinem Tod schickte er mir:  wenn ich gesund wäre, dann würde ich über den Dingen stehen.

Mehr nicht.

Ich kann nicht in Worte fassen, was ich seit dem fühle. Ich weiß nur, dass ich irgendwann den Rest unserer Geschichte aufschreiben werde. Für ihn. Für mich. Nicht heute, nicht morgen. Aber irgendwann. Liebe bleibt. Ewig.

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Unbeschwerte Zeit… oder Polly im Rausch der Gefühle

Jedes Fünkchen Zeit, das ich mit Mike verbringen konnte, war Balsam für mich.
Ein einziges Wort von ihm, war in der Lage, mich den restlichen Tag lächeln zu lassen. Unsere Treffen waren mir eine regelrechte Wohltat. Eine Oase der Gefühle. Ein kleiner Urlaub vom eingefahrenen Alltag.

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Polly zwischen Zweifel und Glück

Die folgenden Tage waren ein Auf und Ab der Gefühle.

Mike und ich, wir schrieben uns jeden Tag. Unser Date am Weiher war wunderschön gewesen, und doch plagte mich das schlechte Gewissen. Lange war ich nicht mehr so glücklich, hatte mich so begehrt und geliebt gefühlt, und gleichzeitig so schmutzig und schlecht.

Mike versuchte mich zu beruhigen. Immer wieder versicherte er mir, dass er mich zu nichts hatte drängen wollen. Dabei war ich es doch gewesen, die unbedingt mit ihm schlafen wollte! Und wie sehr ich es gewollt hatte! Es war ein so unbändiges Verlangen gewesen, und es hatte sich so schön angefühlt! Weiterlesen

Platz ist in der kleinsten Hütte…, oder im Mini

„Lass die Augen zu.“, hauchte Mike unter Küssen in mein Gesicht. Dann fühlte ich einen kühlen Luftzug. Mikes Lippen hatten von meinen abgelassen und sogleich begann es mich zu frösteln.

Mühsam versuchte ich nicht zu blinzeln, während meine Ohren neugierig lauschten.

Mike kramte im Korb herum. Es gluckerte und gluckste, klapperte und ploppte. Dann berührte etwas kühles meine Lippen. Ich öffnete sie und er schob mir etwas in den Mund.

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Polly ist glücklich….oder, schöne Geheimnisse

Die folgenden Tage fühlte ich mich wie ein verliebter Teenager.

Jede freie Minute linste ich auf mein Handy, oder träumte vor mich hin. Mike und ich schrieben uns mehrmals am Tag. Zarte, leise Liebeserklärungen überschwemmten mein Display. Auf der Arbeit lief ich folglich mit einem Dauergrinsen umher, und wenn Mike Luis in den Kindergarten brachte, lag ein wohliges Knistern zwischen uns in der Luft, wenn wir uns begegneten.

Er verwöhnte mich mit kleinen Komplimenten und dem charmantesten Lächeln, das ich je gesehen hatte. Natürlich immer darauf Bedacht, dass meine Kolleginnen nichts davon mitbekamen. Es konnte meinen Job bedeuten…denn Elternteile sind für uns eigentlich tabu. Weiterlesen

Klartext…oder, wie es ist, auch wenn es nicht sein darf

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Wir fuhren eine ganze Weile durch die Dunkelheit. Mike bemühte sich um Smalltalk und fragte mich, wie es mir ginge oder ob es Neuigkeiten gäbe. Dabei vermied er es galant, die vergangenen Tage anzusprechen, an denen ich mich nicht bei ihm gemeldet hatte.

So gelassen wie möglich versuchte ich zu antworten, ohne mir dabei meine Anspannung anmerken zu lassen. Ich erzählte von Köln und von einer Weiterbildung, die ich plante. Mike hörte aufmerksam zu, erkundigte sich nach meinen Kindern und schenkte mir aufrichtige Blicke voller Interesse und Wärme. Dann lenkte er den Wagen in ein kleines Waldgebiet.

Da es die letzten Tage war es sehr mild gewesen war, war der Schnee glücklicher Weise schon etwas abgeschmolzen, und wir konnten ein Stück den Schotterweg hinauffahren.

Auf einer kleinen Lichtung hielt Mike schließlich an und schnallte sich ab. „Wollen wir ein Stück gehen?“, fragte er mich und nahm meine Hand in seine. Nun konnte ich mich nicht mehr beherrschen.

Noch während ich den Kopf schüttelte platzte es wie  ein Vulkan aus mir heraus. „Es tut mir so leid.“, schluchzte ich. „Ich wusste einfach nicht mehr was ich tun sollte. Das alles hat mich so durcheinander gebracht, und ich habe mich geschämt.“

Augenblicklich zog mich Mike in seine Arme und hielt mich ganz fest. Ich bemühte mich um weitere Worte, aber außer einem jämmerlichen Schluchzen brachte meine Kehle nichts mehr hervor. Tränen rollten über mein Gesicht. Ich merkte, wie mein Pony sacht zur Seite gestrichen wurde.

„Schhh, Polly, schhh…ich weiß wie du dich fühlst. Du musst nichts sagen. Und dich schon gar nicht entschuldigen oder schämen. Ich kann mir vorstellen, wie du mit dir gerungen hast.“

„Ich wollte dich nicht verärgern!“, schniefte ich. „Das war so kindisch, dass ich nicht geantwortet habe. Aber ich war so durcheinander und…“

Mike hauchte dicht an meinem Ohr.“Du hast mich nicht verärgert. Sorgen habe ich mir gemacht. Sonst nichts. Ich verstehe dich. Ich war auch ganz durch den Wind. Du hast mich total aus der Bahn geworfen, meine Kleine.“

„Du warst durch den Wind?“, fragte ich ungläubig und wischte mir etwas prott mein verheultes Gesicht an meinem Ärmel ab. „Warum?“

„Weil ich nicht damit gerechnet hätte, dass du mich so umhaust, Polly. Ich kenne dich so lange. Und du hast mich immer angezogen wie ein Magnet. Trotzdem sind wir andere Wege gegangen. Doch bei unserem Date, hab ich es gespürt. Es war wie ein Ankommen. Zuhause.“

Ich rückte ein Stück von Mike ab und versuchte mich zu sammeln. Was ich da aus seinem Munde hörte wagte ich kaum zu glauben. Fassungslos sog ich jede Silbe in mich auf.

„Da waren Empfindungen Polly, die habe ich sonst nicht. Seit dem denke ich dauernd an dich, und will diese Gefühle wieder haben. Ich will dich wieder haben. Bei mir.“

„Und Paula?“

„Sie ist eine tolle Frau. Aber ich liebe sie nicht. Oder nicht mehr. Ich weiß nicht warum, aber alles was dich schon immer ausmacht, vermisse ich bei ihr. Seit unserem Treffen mehr denn je. Ich habe keine Ahnung, wie ich es beschreiben soll. Und bei dir? Was fühlst du Polly?“

Während ich flüsterte, schaute ich Mike fest in die Augen: „Mir geht es genau so. Mike, ich weiß auch nicht, was es werden soll, und wie. Aber ich weiß, dass da mehr ist als ein kurzer Flirt. Mehr als Sex und Abenteuer. Nur ich kenne den Weg noch nicht.“

Als ich dies gesagt hatte, küsste mich Mike sanft auf die Nasenspitze. Dann leierte er den Sitz nach hinten, und wir legten uns in unseren dicken Jacken, eng aneinander gekuschelt zurück.

Und dann redeten wir.

Über uns. Unsere Ehen und darüber, was wir fühlten. Was wir wollten. Wir wussten, dass nichts einfach sein würde und brachten unsere Zweifel zur Sprache. Und unsere Angst. Wir sprachen über Möglichkeiten zusammenzusein, und was uns zurückhielt, unsere Ehen einfach so hinzuwerfen.

Am Ende wussten wir, wie es zwischen uns war. Wir wollten uns weiter sehen. Wir durften uns nicht wieder verlieren. Auch wenn es nicht richtig war, was wir taten. Und auch wenn wir noch nicht mit unseren Partnern abgeschlossen hatten. Wir versprachen uns, ehrlich miteinander zu sein. Uns zu nichts zu drängen.

Also keine übereilten Entscheidungen, aber immer offene Worte.

Einige Zeit lagen wir noch eng umschlungen da, und hingen unseren Gedanken nach. Genossen die Gegenwart des anderen. In dem Wissen, dass wir gleiches fühlten und brauchten. Tief in meinem Inneren beruhigte sich langsam der Sturm, den unser letztes Treffen ausgelöst hatte. Irgendwie machte sich eine friedliche Ruhe breit. Ich fühlte mich sicher und geborgen.

Wie lange das alles anhalten würde, war im Moment Nebensache. Die Hauptsache war, dieser Moment. Er war da. Und Mike.

Kurz bevor ich mich schließlich aufrappelte, und wir wieder nach hause mussten, merkte ich die Bandage an Mikes Arm. „Oh, was hast du da gemacht?“

„Sehnenscheide oder Schleimbeutel. Morgen geh ich nochmal zum Arzt, ist nicht schlimm. Hab den Arm bestimmt  zu sehr belastet.“

Sanft strich ich mit meinen Fingern über den Verband, der am Jackenbund herausblitzte. Dann berührte ich seine Fingerspitzen mit meinen Lippen, was Mike ein wohliges Raunen entlockte. „Deine Wärme ist die beste Medizin Polly.“

Da wusste er noch nichts von dem, was in seiner Hand begann. Und dass ihn niemand würde davon befreien können. Nicht einmal die Ärzte und schon gar nicht ich.

Polly

Polly trifft eine Entscheidung… oder, so ist es

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Ich verbrachte mit den Kindern ein paar schöne Tage bei Clara in Köln.

In dieser Zeit gelang es mir zwar nicht, die Geschehnisse mit Mike zu vergessen, aber ich konnte sie ein Stück nach hinten verbannen.

Nicht nur, weil wir allerhand unternahmen, sondern auch weil die Nachrichten von Roberts Ärzten nicht die besten waren. Es tat sich also noch ein weiteres Sorgenthema auf. Die eigentliche Krankheit meines Mannes hielt sich zwar im Zaum, aber verschiedene Tests ergaben, dass er geistig und körperlich immer weiter an Belastbarkeit einbüßte.

Seine Organe reagierten unter der dauernden Befeuerung durch die starken Medikamente mit verschiedenen Nebenwirkungen. Deswegen müsste Robert noch einige Tage länger als geplant in der Klinik bleiben, wo ihn noch weitere Untersuchungen und eine neue Arzneizusammenstellung erwarteten.

Ich hatte mir schon so etwas ähnliches gedacht.

In den Wochen zuvor war mir aufgefallen, wie sich mein Mann immer häufiger bei den kleinen Dingen des Alltages verzettelte. Wie erschöpft er sowieso nach der Arbeit war, aber auch nach weniger anstrengenden Anforderungen. 

Ich hatte befürchtet, was die Ärzte nun bestätigten. Roberts Krankheit war wie ein schummernder Vulkan, der unentwegt kleine Dosen giftigen Rauchs spuckte, und mit dem nicht zu spaßen war. 

Bevor wir die Heimfahrt antraten, sah mich meine Schwester zum Abschied durchdringend an. „Polly. Du siehst wirklich schlecht aus. Ist da noch etwas außer die Sache mit Robert?“

Automatisch versuchte ich belustigt zu tun, doch innerlich kämpfte ich mit den Tränen.

„Käse! Du weißt doch, ab unserem Alter sieht man immer scheiße aus. Bin nur aufgeregt vor der langen Autofahrt. Mein Privatchauffeur hat es vorgezogen schon mal ohne uns aufzubrechen.“

„Hm. Ich merke doch, dass da was ist. Aber ich akzeptiere, wenn du nichts sagen willst. Aber du könntest. Das weißt du Schwesterherz.“ Dann wandte sie sich den Kindern zu, die aufgeregt im Vorhof des Hauses herumflitzten. „Hey, bekommt eure Patin etwa keinen Drücker mehr?“ Doch. Den bekam sie.

Nachdem sich alle ausgiebig von Clara verabschiedet hatten, stiegen wir ins Auto und fuhren in Richtung Heimat.

Noch ein Abstecher bei Robert im Krankenhaus, und dann war es endlich geschafft. Wir waren daheim. Sogleich ließ ich mir ein Bad ein. Olivia und Valentin waren sofort ein Stockwerk tiefer zu Oma und Opa gegangen, um ihnen die vielen neuen Kinkerlitzchen zu zeigen, die sie von Clara geschenkt bekommen hatten.

So hatte ich also ein wenig Zeit für mich. Zeit um noch einmal in Ruhe nachzudenken. Während ich mich im Schaum räkelte, fasste ich schließlich einen Entschluss.

Robert war mir wichtig genug, um ihn nicht im Stich zu lassen. Er war mein Mann, der Vater meiner Kinder. Er war krank und brauchte mich. Und er verdiente, dass ich mich um ihn kümmerte, so wie er sich einst in meiner schweren Zeit um mich gekümmert hatte. 

Gleichzeitig brauchte ich Mike. Er war mir auch wichtig. Zu wichtig, um ihn aufzugeben. Er war meine Liebe. Es war das Leben, das es anders mit uns gemeint hatte, nicht unser Herz! Es hatte einfach nie geklappt. 

Ja. So war es.

Ich musste mit Mike reden. Besser später als gleich. Genau das musste ich ihm sagen. Und ihn fragen, wie er alles sah.

Sobald die Kinder im Bett waren holte ich mein Handy hervor. Auf meine letzte Nachricht, dass ich Zeit bräuchte, hatte Mike schon lange geschrieben.

„Ich verstehe dich. Und ich lasse sie dir.“

Ohne zu zögern tippte ich: „Ich möchte mit dir reden. Wann können wir uns treffen?“

Gerade als ich am Einschlafen war, brummte das Handy auf meinem Nachtkästchen. Schon fast weggeschlummert nahm ich es und las.

„Gleich morgen Abend wenn du willst. Gleiche Zeit gleicher Ort. Du fehlst mir.“

Am nächsten Tag, war ich total aufgeregt und angespannt. Die Arbeit im Kindergarten wollte nicht enden, und ein kurzes Zusammentreffen mit Mike auf dem Flur, machte mich noch nervöser. Und das obwohl er ganz normal war. Er grüßte nur und lächelte mir zu.

Ich hingegen ließ das Bastelmaterial fallen, welches ich mir gerade zusammengesucht hatte. Toll. Wie peinlich!

Mike bückte sich sofort und half mir beim Aufsammeln, denn meinen zittrigen Händen wollte das nicht so gut gelingen.

„Bis heute Abend?“, flüsterte er mir dabei zu.

„Ja. Bis heute Abend.“, hauchte ich und machte, dass ich schnell im Gruppenraum verschwand, bevor mir alles wieder aus den Fingern glitt.

Auf dem Weg dorthin hörte ich Mike noch leise lachen.

Daheim organisierte ich meine Eltern als Aufpasser für Valentin und Olivia. Sie sollten bei ihnen schlafen. Mein Vater musste sich dann hauptsächlich um sie kümmern, da meine Mutter schon lange ans Pflegebett gefesselt war. Ich besuchte sie täglich und unterstützte meine Eltern so gut ich es neben Arbeit und Familie konnte.

Deshalb hatte ich es als selbstverständlich gewesen, meinen Vater als Babysitter zu fragen. Seine Begeisterung hielt sich allerdings in Grenzen. Aber nach einer ungewollt hitzigen Debatte willigte er schließlich ein, und ich konnte die Kinder zu ihm runter schicken.

Gut. Das war erledigt. Nun brauchte ich nichts weiter mehr zu tun, als mich vorzubereiten. Auf das zweite Date mit Mike. Diesmal würden wir reden. Nichts weiter. Das hatte ich mir vorgenommen. Und daran würde ich mich halten.

Als ich dann endlich zu ihm ins Auto stieg, kamen mir jedoch leise Zweifel.

Polly