Was bleibt ist die Erinnerung…

Lange habt ihr nichts mehr von mir gehört. Und ich werde diesen Blog noch länger stilllegen. Es ist viel geschehen in der Zwischenzeit, und es kostet mich alle Kraft, diese Zeilen niederzuschreiben.

Trotzdem möchte ich euch nicht länger im Unklaren lassen, was mit Mike geschehen ist. Er hat sich das Leben genommen. Plötzlich und unerwartet, ohne Abschied, weder an seine Familie, noch an mich.

Zwei Tage vor seinem Tod schickte er mir:  wenn ich gesund wäre, dann würde ich über den Dingen stehen.

Mehr nicht.

Ich kann nicht in Worte fassen, was ich seit dem fühle. Ich weiß nur, dass ich irgendwann den Rest unserer Geschichte aufschreiben werde. Für ihn. Für mich. Nicht heute, nicht morgen. Aber irgendwann. Liebe bleibt. Ewig.

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Pollymoment: Schwere Zeit der Stille

Meine Lieben,

Lange war es still hier auf dem GeliebtenLeben. Und es wird auch noch eine ganze Zeit still bleiben.

Ich habe momentan kaum Kraft einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn über Mikes und meine Affäre zu schreiben. Jeder Tag ist die Hölle für mich.

Ich mache mir große Sorgen um Mike, und auch während ich dies schreibe, verschwimmen die Zeilen vor meinen Augen.

Mike geht es immer schlechter. Körperlich und psychisch. Er sagt von sich jetzt schon, er sein ein Pflegefall. Obwohl es noch gar nicht soweit ist.

Aber es ist klar, lange wird es nicht mehr dauern, und er ist auf Hilfe und Pflege angewiesen. Es gibt keine Heilung für ihn. Da sind sich die Ärzte mittlerweile sicher.

Was er genau hat, darüber nicht.

Aber sein Körper wird nach und nach zerfallen.

Als ich das letzte mal eine Nachricht von Mike bekommen habe, war sie voll mit schlimmen Worte für mich. Voller Wut und Gemeinheit. Voller Gleichgültigkeit und Kälte.

Ich verstehe das, es ist die pure Verzweiflung, die ihn auffrisst und so lähmt, dass er nicht mehr vom Fleck kommt. Ich weiß das.

Aber ich weiß nicht was er will,  und ich habe große Angst.

Helfen lassen will er sich nicht. Gerade nicht von mir. Weil ich ihm nicht mehr nur aus der Hand fressen kann und auch nicht möchte.

Zuviel ist kaputt.

Und weil ich Klarheit will. Für uns beide.

Ich bin bereit dafür. Aber er nicht.

Er schrieb, er wolle nichts mehr wissen, von nichts und niemandem mehr. Dass er alles nicht wahrhaben will, dass er mit allem nicht zurecht kommt.

Er war immer ein Macher. Ein Arbeiter, der auf nichts und niemanden angewiesen war. Und nun ist alles anders.

Egal was ich sage, alles ist falsch.

Mike kann noch viel. Weniger als vor zwei Jahren, aber noch viel an dem er sich freuen könnte. Er kann noch laufen, er kann noch Auto fahren, er kann reden, sehen, hören…

Trotzdem zerfällt er Stück für Stück. Die Krankheit ist nicht aufzuhalten, und hinterlässt stetig ihre Spuren.

Seine Arme und Hände machen vieles nicht mehr mit. Besonders die feinen Dinge. Reißverschluss, Knöpfe, schreiben, Schleifen binden, Schneiden, anziehen…er hat schon viel Kraft und Geschick verloren. Nicht nur körperlich.

Das zieht ihn immer mehr in den Schlund aus Angst und Hilflosigkeit.

Er weiß, dass ich ihn liebe. Aber er glaubt, dass er nicht mehr geliebt werden kann. Und er sagt, dass er nicht mehr weiß, was er fühlt und will. Dass er stumpf ist und ihm alles egal sei.

Seine letzten Gedanken an mich waren:

Ich glaube du würdest mit mir nicht zurecht kommen, und ich nicht mit dir. Nicht damit, dass ich dein Leben genauso versaut habe, wie meines. Nicht damit, dass ich nur eine Last bin.

Ich weiß nicht wie es weiter gehen soll und ob überhaupt. 

Ich liebe Jana nicht. Sie ist eine bequeme Lösung gewesen. Du hast recht. Nur deshalb bin ich bei ihr.

Es ist falsch, das weiß ich auch.

Schlimm was aus mir geworden ist. 

Ich will dir nicht weh tun, und ich liebe dich. Ich konnte es nie so richtig zeigen und hab viele Fehler gemacht. Sie heilen nicht mehr, genau so wie ich. Glaub mir.

Eine Sprachnachricht, denn das Schreiben am Handy ist kaum noch möglich für Mike. Es klang so traurig, und doch so wahr und ehrlich gemeint.

Ich habe geheult und ihm sofort geantwortet. Er solle nicht aufgeben! Sich nicht, und uns auch nicht!

Und noch viel mehr…

Es kam nichts mehr zurück.

Seit dem warte ich jeden Tag. Weine, hoffe  und zittere.

Auf meinem Weg zur Arbeit, fahre ich oft an seiner Wohnung vorbei, und mein Herz hüpft, wenn sein Auto an einer anderen Stelle steht, als zuvor. Dann weiß ich, es gibt ihn noch.

Ich will ihn nicht bedrängen. Er hat mir zu verstehen gegeben, dass er Abstand braucht. Und ich auch.

Für mich, wird er immer die Liebe meines Lebens bleiben, auch wenn ihn der Abgrund zu verschlingen droht.

Ich weiß, dass er nicht glücklich ist. Das tut so weh. Und ich weiß, dass ich nie glücklich sein werde, ohne ihn.

Und er weiß das auch. Das hält mein Herz zusammen. So ein Band geht nicht so leicht entzwei.

Es wird lange still bleiben, auf dieser Seite. Bis ich wieder klare Gedanken fassen kann. Unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt.

Sie ist auch noch nicht vorbei. Daran glaube ich fest.

Seine. Unsere. Und meine.

Ich bete jeden Tag.

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Polly

TagesZitat

Wir bestreiten unseren Lebensunterhalt mit dem,

was wir bekommen.

Und wir leben von dem,

was wir geben.

Winston Churchill

TagesLolly: Beamtendeutsch

Letzthin auf einer längeren Autofahrt, hörte ich einen interessanten Beitrag im Radio. Verschiedene Leute mit Rang und Namen lieferten sich eine Diskussion über den Sinn und Unsinn der Beamtensprache in Deutschland. Ich selbst hatte zum Glück noch nie sonderlichen Bedarf an Behördengängen, und wurde bislang von Wörtern wie: „raufutterverzehrende Großvieheinheit“ verschont. Weiterlesen

Pollymoment: weil du fehlst

Es tut so weh… das Nichts.alone-791420_640

Es tut so weh… die Leere.

Es tut so weh… die Stille.

Es tut so weh… weil du fehlst.

Immer.

Du hast dich entschieden. Du willst Sachen anders machen. Und dann wieder nicht….

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TagesKlick: Rose

Hallo ihr Lieben,

die letzte Woche meiner Schmerztherapie hat begonnen. Und ich frage mich jetzt schon, wie ich all das Gelernte und Gehörte in meinem Alltag unterbringen soll. „Stellen sie sich und ihre Gesundheit in den Vordergrund“, hat einer meiner Therapeuten gesagt. „Stopfen sie ihre Tage nicht so voll und nutzen sie etwas mehr Zeit für sich.“ Weiterlesen

Halbzeit

Meine Lieben,

jetzt ist Halbzeit in meiner Schmerztherapie und zugleich noch ein Feiertag. Das heißt für mich, endlich mal wieder Zeit haben, und einen einigermaßen freien Kopf zum Schreiben.

Die letzten Tage waren interessant und anstrengend zugleich. Viele Informationen strömten auf mich ein. Viele Hausaufgaben, Übungen und Literaturempfehlungen haben mich geistig und körperlich ganz schön gefordert.

Was für Erkenntnisse konnte ich bis jetzt für mich mitnehmen?

Niemand kann mir den chronischen Schmerz nehmen. Das wird wohl nicht gelingen. Was mein Gehirn einmal gelernt hat, verlernt es nicht mehr. Aber es kann lernen besser und anders mit den Schmerzen umzugehen.

Welche Methoden kommen dafür in Frage?

Entspannungstechniken, Pausenmanagement, Aromatherapie, Phytotherapie, Bewegungstherapie, Psychotherapie, Ablenkung, Hausmittel… und noch vieles mehr. Natürlich nicht zuletzt auch die klassischen Schmerzmedikamente.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Schmerzbewältigung spielt die seelische Verfassung.

Ja. Wie ist es denn um meine Seele bestellt? Wenn ich ehrlich sein soll, nicht so gut, wie ich es gerne hätte.

Stichworte, die mich hier besonders nachdenklich gemacht haben, sind Achtsamkeit und Selbstfürsorge.

Wie gehe ich eigentlich durchs Leben? Achte ich auf mich? Merke ich noch, was mir gut tut und was nicht? Kann ich NEIN sagen? Nehme ich mich auch selbst einmal in Schutz? Versuche ich dauernd allen anderen gerecht zu werden, nur nicht mir selbst? Hetze ich durch den Tag, oder gönne ich mir Pausen? Kann ich auch einmal Dinge hinnehmen, wie sie gerade sind, oder bin ich in einem ständigen Kampf mit mir und meinen Erwartungen an mich und meine Umwelt?

Viele Fragen, und noch mehr…. über die ich mir noch Gedanken machen muss.

Achtsamkeit, Entschleunigung, Loslassen, Gelassenheit… ja. All das hilft sicher auch im Kampf gegen den chronischen Schmerz.

Doch es ist nicht so leicht dies im Alltag zu leben, wenn man es anders gewohnt ist.

Veränderungen kommen nicht von allein. Das weiß ich. Und ich werde mir auch Gedanken darüber machen müssen, wo Energiefresser ihre Macht über mich haben. Was gut für mich ist, und was nicht.

Dabei muss ich vieles in meinem Leben genau betrachten.

Meine Arbeit, meine Ansprüche an mich, meine Ehe, meine Liebe zu mir selbst…. und nicht zuletzt Mike…wie soll und wird alles weitergehen? Was habe ich davon? Wie geht es mir damit? Was unterstützt mich, was schadet mir? Fragen über Fragen….

„Lass dich nicht vom Schmerz bestimmen.“

Das sagt sich so leicht. Aber es stimmt.

Zwar kann ich den Schmerz nicht verändern. Aber wie ich mit ihm umgehe, wie ich mein Leben gestalte, wie ich auf mich achte… das alles kann ich ändern. Es ist noch ein langer Weg zum   Ziel. Aber ein Anfang ist gemacht. Schauen wir einmal, wohin mich meine Füße tragen ☺

Bis bald, eure Polly 🙂