TagesLolly: Beamtendeutsch

Letzthin auf einer längeren Autofahrt, hörte ich einen interessanten Beitrag im Radio. Verschiedene Leute mit Rang und Namen lieferten sich eine Diskussion über den Sinn und Unsinn der Beamtensprache in Deutschland. Ich selbst hatte zum Glück noch nie sonderlichen Bedarf an Behördengängen, und wurde bislang von Wörtern wie: „raufutterverzehrende Großvieheinheit“ verschont.

Das mag natürlich nicht zuletzt daran liegen, dass ich keine Bäuerin bin. Denn in Wirklichkeit verbirgt sich hinter diesem Wortgetüm nichts anderes als ein Rind

Zuhause habe ich dann im Internet ein wenig recherchiert. Denn dem Beitrag im Radio konnte ich wegen des AutofahrFrustes doch nicht so detailliert folgen, wie ich wollte.

Warum gibt es überhaupt das sogenannte „Beamtendeutsch“? Welchen Sinn oder Nutzen haben diese Wortschöpfungen, die der Normalbürger nicht in seinem Sprachgebrauch hat?

Wikipedia sagt folgendes dazu:

Unter Verwaltungssprache versteht man einerseits die Amtssprache, die gesetzlich oder üblicherweise in Ämtern und Verwaltungen eines Landes oder Gebietes verwendet wird.

Zum anderen bezeichnet Verwaltungssprache (umgangssprachlich auch Beamtendeutsch oder Amtsdeutsch) eine sehr förmliche Ausdrucksweise, wie sie häufig im Schriftverkehr von Behörden und Verwaltungen, aber auch in vielen Privatfirmen verwendet wird. Der Duden verwendet zur Kennzeichnung von Verwaltungssprache den Ausdruck „Papierdeutsch“.

Hm… Also gut. Aber das erklärt ja noch nicht den Sinn und Zweck, warum aus der „raufutterverzehrenden Großvieheinheit“ keine einfache „Kuh“ werden kann.

Ich selbst erkläre mir das so:

Das Beamtendeutsch soll etwas möglichst genau, objektiv und neutral beschreiben.

Mit dieser Vermutung liege ich nicht einmal so falsch, denn als Erklärung für den Sinn und Zweck der Amtssprache fand ich im Internet folgendes:

Die Verwaltungssprache in ihrer Kompaktheit und auf vermeintlichen Genauigkeit dient dazu, einen Text als objektiv und unangreifbar erscheinen zu lassen. Begriffe aus Gesetzen und Verordnungen werden zu diesem Zweck oft unverändert übernommen, obwohl sie in der Alltagssprache nicht vorkommen.

Ob dies allerdings seinen Zweck erfüllt, und irgendwie hilfreich für das Verwaltungswesen ist, kann ich nicht sagen. Da wäre ich über fachliche Meinungen aus der Praxis dankbar.

Mir persönlich geht es wohl nicht anders als dem Rest der Allgemeinheit. Ich finde die Amtssprache eher umständlich. Ich denke dies sagen zu können, auch wenn ich nicht tagtäglich mit ihr zu tun habe. Ich wollte es auch nicht.

Laut Wikipedia ist sie
als Gruppensprache und  Fachsprache zu verstehen und enthält kaum eigene Fremdwörter, dafür umso mehr grammatikalische Konstruktionen und verschachtelte Bandwurmsätze. Diese sind meist unverständlich und machen den Text für den normalen Leser undurchsichtig. Eine verständliche und flüssige Kommunikation zwischen Behörden und Bürgen ist kaum möglich.

Weiter erfahre ich, dass Bochum die Vorreiterrolle übernommen hat, und  im Jahre 2000 entschied, die Behördenbriefe in Zukunft in einer bürgerfreundlicheren Sprache zu verfassen. Verständlichkeit und Akzeptanz der Texte sollen dadurch erhöht werden.

Zum Schluss dieses Artikels möchte ich euch natürlich noch einige Behördenbegriffe nicht vorenthalten 🙂

Beigrün = Unkraut.

Einachsiger Dreiseitenkipper = Schubkarre.

konsumgeeignetes Hartkaramell = Bonbon

Personenvereinzelungsanlage = Drehkreuz

nicht lebende Einfriedung = Zaun

Schließzangen = Handschellen

Abstandseinhaltungserfassungsvorrichtung = die Querstreifen auf der Autobahn, die dem Fahrer zeigen, wie viel Abstand er zu dem vorderen Fahrzeug einhalten sollte.

Gelegenheitsverkehr = Fahrt mit Taxi oder Mietwagen

abschlägig beschieden = abgelehnt

Ok….bei Gelegenheitsverkehr hätte ich spontan an etwas anderes gedacht….und die Abstandseinhaltungserfassungsvorrichtung, war mir so einleuchtend wie nie!!! 😀

Kennt ihr euch aus mit dem Beamtendeutsch, und was haltet ihr davon? Freue mich über rege Kommentare 🙂

Eure Polly

 

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7 Gedanken zu “TagesLolly: Beamtendeutsch

  1. Judi Blue schreibt:

    Interessanter Beitrag! Ich habe einige Jahre in der öffentlichen Verwaltung gearbeitet und bin mit dem Beamtendeutsch auch nicht warm geworden. Meine Erfahrung war, dass sich die Sprache sehr an der Juristerei orientiert, an Gesetzen und Verordnungen, die in der öffentlichen Verwaltung eine sehr große Rolle spielen (die Grundlage schlechthin in diesem Metier). Diese Sprache ist einfach von Natur her schon kompliziert und so mancher Jurist, von denen es zu Hauf gibt in der öV, zeigt gerne seine gebildete geschraubte Sprache! 😉 Neuerdings gibt es aber Bestrebungen, die Verwaltung an sich und ihre Sprache zu modernisieren und der heutigen Zeit anzupassen, zB durch New Public Management. Auch kein Schaden 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Die Beispiele sind lustig aber von skurriler Art – solche sind mir in Jahrzehnten diverser ‚Beamtenpost‘ noch nicht untergekommen.

    Dass diese ‚Theoriesprache‘ überholt ist, zeigt sich ja auch an immer mehr anderer Stelle – so werben z.B. Versicherungen ja mittlerweile damit, kein chinesisch mehr mit ihren Kunden zu äh schreiben.

    Hier ein mythischer Bundeswehr-Klassiker: Falle, Klapp-, für Kleintier (grau).

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  3. Liebe Polly,
    ich bin ja ein Verwaltungsmensch und arbeite seit 2004 in einer Behörde, aber dieses krasse Beamtendeutsch kenne ich gar nicht – und wird meines Wissens auch nicht so angewandt. Zumindest nicht von mir und meinen direkten Kollegen. 😊 Die von dir genannten Begriffe kannte ich gar nicht bis auf die Großvieheinheit. Aber wieder waa gelernt 😄
    Liebe Grüße, Karina

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