Unbeschwerte Zeit… oder Polly im Rausch der Gefühle

Jedes Fünkchen Zeit, das ich mit Mike verbringen konnte, war Balsam für mich.
Ein einziges Wort von ihm, war in der Lage, mich den restlichen Tag lächeln zu lassen. Unsere Treffen waren mir eine regelrechte Wohltat. Eine Oase der Gefühle. Ein kleiner Urlaub vom eingefahrenen Alltag.

Weit weg von den Sorgen, weg von den Streitereien, und weg von einem Ehemann, der im Grunde kein Ehemann mehr war.

Bei Mike konnte ich auftanken. Stillte Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit. Teilte meine Lust und beklagte meinen Frust. Ich konnte mich einfach fallen lassen. Mit allem was ich im Gepäck hatte. Ganz so wie ich war.

Mikes Nähe bescherte mir das schönste Herzflimmern und die zittrigsten Hände. Sein Atem an meinem Ohr ließ meine Knie butterweich werden und meine Haut vibrierte. Es dürstete mich förmlich nach diesem Mann! Die Tatsache, wie wir uns ergänzten, war wunderbar. Wir verstanden uns blind. Spürten, was der andere brauchte, was ihm fehlte.

Jede Sekunde, in der wir zusammen sein konnten, war unendlich wertvoll. Für uns beide.

In meiner Gegenwart wurde der verschlossene Mike wie ein klarer See. Ich konnte bis auf dessen Grund blicken. Sonst war soviel von ihm verborgen.

Lag Mike in meinen Armen, ließ er los, von allem was ihn bedrückte. Seine sonst so wichtige Arbeit oder der Familienstress.

Es zählte nicht das Morgen oder das Gestern. Allein das Jetzt war wichtig. Sonst so scheinbar gefühlskalt, zeigte mir dieser Mann neben mir, auf unterschiedlichste Art und Weise, was er fühlte. Was ihn bewegte und was er wollte.

Und, dass er es mit mir wollte.

Mit mir.

Wir hatten wundervolle Monate. Gefüllt mit Zärtlichkeit und Liebe.

Es waren die unterschiedlichsten Orte, an denen wir uns trafen. Die verrücktesten Plätze, an denen wir förmlich übereinander herfielen, oder uns nur ganz sanft begegneten.

Da das Wetter stetig wärmer wurde, eröffneten sich uns ganz neue Möglichkeiten der Zweisamkeit.

Keine dicke Kleidung mehr, durch die wir uns kämpfen mussten. Keine Frostbeulen mehr an den Zehen.

Dagegen Schwimmen im Weiher und Liebe im Hochsitz. Wir konnten stundenlang auf dem Feld liegen und einfach nur den Sternenhimmel bewundern. Wir picknickten, schlenderten und philosophieren über Gott und die Welt.

Wir beide harmonierten wunderbar.

Egal was wir zusammen machten, es fühlte sich immer unbeschreiblich gut an. Niemals war es langweilig.

Obwohl unsere Möglichkeiten aufgrund unserer Situation, doch auf versteckte plätze beschränkt war. Nie Kino… kein Theater… Einkaufsbummel… nein.

Wir verbrachten unsere Zeit fernab der Öffentlichkeit. Meist in der Natur.
Und, sie verging immer wie im Flug! Sie reichte nie aus, um unsren Hunger aufeinander zu stillen.

Deshalb hielten wir so oft Kontakt wie möglich, eben mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung standen.

Wir begleiteten uns sozusagen durch den Tag.

Jedes mal ging für mich die Sonne auf, wenn ich eine Nachricht von Mike bekam. Wenn er mir zeigte, dass er an mich dachte.

Und so beschwerlich sonst auch vieles im Alltag war, mit dem Wissen, dass er an mich dachte, ging es mir so leicht von der Hand.

Diese Beziehung Affäre gab mir Kraft.

Kraft für meine Familie, für die Arbeit und für meine Seele.

Nach und nach gelang es mir sogar, das schlechte Gewissen und die nagenden Zweifel, die mich plagten, in den Hintergrund zu drängen. Ich fühlte einfach wie richtig und gut das alles war.

Und so verging die Zeit.

Nach dem Sommer kam der Herbst. Mike war noch immer in ärztlicher Behandlung. Sein linker Arm wollte und wollte nicht wirklich wieder besser werden. Er versuchte verschiedene Therapien.
Physiotherapie, Schienen, Bandagen, Sportprogramme… nicjts half. Hinzu kamen etliche Wochen Krankenstand in denen er von einem Arzt zum anderen pilgerte. Keiner kam der Ursache des elektrisierenden Kribbelns auf den Grund, welches Mike plagte.

Wahrscheinlich war ein Nerv in der Wirbelsäule eingeklemmt, versicherte man ihm. Das könnte schon eine ganze Zeit lang dauern.

Und so gingen wieder Wochen ins Land. Aber es besserte sich nichts. Im Gegenteil.

Mike klagte immer häufiger über Taubheitsgefühl in den Fingerspitzen, manchmal sogar im ganzen Arm.

Zeitweise war es so schlimm, dass ihm Dinge aus der Hand glitten, die er festhalten wollte.

Als wir wieder einmal beisammen lagen und uns darüber austauschten, kam zum ersten mal Angst in mir hoch. Angst, es könnte sich doch um etwas irgend etwas schlimmeres handeln, als einen eingeklemmten Nerv.

„Lass doch noch einmal alles durchchecken,“ bat ich ihn. „Ich habe so ein komisches Gefühl, Mike. Irgendwas muss doch dahinter stecken, dass es nicht besser wird.“ Bei diesen Worten schluckte ich, und streichelte seinen Arm. Ich hatte wirklich Angst.

Doch Mike schaute mich nur mit seinen warmen Mokkaaugen an, und küsste dann meine Nasenspitze. „Polly „, hauchte er. „Mach dir mal keine Sorgen. Ich hab mich die ganze Zeit einfach nur Überanstrengt. Auf der Arbeit muss ich etwas kürzer treten. Das ist alles.“

„Bitte, tu es. Bitte.“, drängte ich. Da war so ein Gefühl in mir, welches mir sagte, dass ich jetzt nicht locker lassen durfte.

„Ich hab angst um dich!“, dachte ich noch, aber ich sprach es nicht aus. Sondern schaute ihn nur an. Mit festem Blick.

Mike drückte meine Hand.

„Hmmmm. Gut meine Kleine. Ich mach es. Wenn es so wichtig für dich ist. Ich erkundige mich, wohin ich da am besten gehe.“

„Und dann gehst du auch dorthin?“

„Ich gehe dorthin. Versprochen.“

Drei Wochen später hatte er einen Vorstellungstermin in einer neurologischen Klinik.

Mike war voller Zuversicht, sie würden sowieso nichts finden.

Polly

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