Polly trifft eine Entscheidung… oder, so ist es

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Ich verbrachte mit den Kindern ein paar schöne Tage bei Clara in Köln.

In dieser Zeit gelang es mir zwar nicht, die Geschehnisse mit Mike zu vergessen, aber ich konnte sie ein Stück nach hinten verbannen.

Nicht nur, weil wir allerhand unternahmen, sondern auch weil die Nachrichten von Roberts Ärzten nicht die besten waren. Es tat sich also noch ein weiteres Sorgenthema auf. Die eigentliche Krankheit meines Mannes hielt sich zwar im Zaum, aber verschiedene Tests ergaben, dass er geistig und körperlich immer weiter an Belastbarkeit einbüßte.

Seine Organe reagierten unter der dauernden Befeuerung durch die starken Medikamente mit verschiedenen Nebenwirkungen. Deswegen müsste Robert noch einige Tage länger als geplant in der Klinik bleiben, wo ihn noch weitere Untersuchungen und eine neue Arzneizusammenstellung erwarteten.

Ich hatte mir schon so etwas ähnliches gedacht.

In den Wochen zuvor war mir aufgefallen, wie sich mein Mann immer häufiger bei den kleinen Dingen des Alltages verzettelte. Wie erschöpft er sowieso nach der Arbeit war, aber auch nach weniger anstrengenden Anforderungen. 

Ich hatte befürchtet, was die Ärzte nun bestätigten. Roberts Krankheit war wie ein schummernder Vulkan, der unentwegt kleine Dosen giftigen Rauchs spuckte, und mit dem nicht zu spaßen war. 

Bevor wir die Heimfahrt antraten, sah mich meine Schwester zum Abschied durchdringend an. „Polly. Du siehst wirklich schlecht aus. Ist da noch etwas außer die Sache mit Robert?“

Automatisch versuchte ich belustigt zu tun, doch innerlich kämpfte ich mit den Tränen.

„Käse! Du weißt doch, ab unserem Alter sieht man immer scheiße aus. Bin nur aufgeregt vor der langen Autofahrt. Mein Privatchauffeur hat es vorgezogen schon mal ohne uns aufzubrechen.“

„Hm. Ich merke doch, dass da was ist. Aber ich akzeptiere, wenn du nichts sagen willst. Aber du könntest. Das weißt du Schwesterherz.“ Dann wandte sie sich den Kindern zu, die aufgeregt im Vorhof des Hauses herumflitzten. „Hey, bekommt eure Patin etwa keinen Drücker mehr?“ Doch. Den bekam sie.

Nachdem sich alle ausgiebig von Clara verabschiedet hatten, stiegen wir ins Auto und fuhren in Richtung Heimat.

Noch ein Abstecher bei Robert im Krankenhaus, und dann war es endlich geschafft. Wir waren daheim. Sogleich ließ ich mir ein Bad ein. Olivia und Valentin waren sofort ein Stockwerk tiefer zu Oma und Opa gegangen, um ihnen die vielen neuen Kinkerlitzchen zu zeigen, die sie von Clara geschenkt bekommen hatten.

So hatte ich also ein wenig Zeit für mich. Zeit um noch einmal in Ruhe nachzudenken. Während ich mich im Schaum räkelte, fasste ich schließlich einen Entschluss.

Robert war mir wichtig genug, um ihn nicht im Stich zu lassen. Er war mein Mann, der Vater meiner Kinder. Er war krank und brauchte mich. Und er verdiente, dass ich mich um ihn kümmerte, so wie er sich einst in meiner schweren Zeit um mich gekümmert hatte. 

Gleichzeitig brauchte ich Mike. Er war mir auch wichtig. Zu wichtig, um ihn aufzugeben. Er war meine Liebe. Es war das Leben, das es anders mit uns gemeint hatte, nicht unser Herz! Es hatte einfach nie geklappt. 

Ja. So war es.

Ich musste mit Mike reden. Besser später als gleich. Genau das musste ich ihm sagen. Und ihn fragen, wie er alles sah.

Sobald die Kinder im Bett waren holte ich mein Handy hervor. Auf meine letzte Nachricht, dass ich Zeit bräuchte, hatte Mike schon lange geschrieben.

„Ich verstehe dich. Und ich lasse sie dir.“

Ohne zu zögern tippte ich: „Ich möchte mit dir reden. Wann können wir uns treffen?“

Gerade als ich am Einschlafen war, brummte das Handy auf meinem Nachtkästchen. Schon fast weggeschlummert nahm ich es und las.

„Gleich morgen Abend wenn du willst. Gleiche Zeit gleicher Ort. Du fehlst mir.“

Am nächsten Tag, war ich total aufgeregt und angespannt. Die Arbeit im Kindergarten wollte nicht enden, und ein kurzes Zusammentreffen mit Mike auf dem Flur, machte mich noch nervöser. Und das obwohl er ganz normal war. Er grüßte nur und lächelte mir zu.

Ich hingegen ließ das Bastelmaterial fallen, welches ich mir gerade zusammengesucht hatte. Toll. Wie peinlich!

Mike bückte sich sofort und half mir beim Aufsammeln, denn meinen zittrigen Händen wollte das nicht so gut gelingen.

„Bis heute Abend?“, flüsterte er mir dabei zu.

„Ja. Bis heute Abend.“, hauchte ich und machte, dass ich schnell im Gruppenraum verschwand, bevor mir alles wieder aus den Fingern glitt.

Auf dem Weg dorthin hörte ich Mike noch leise lachen.

Daheim organisierte ich meine Eltern als Aufpasser für Valentin und Olivia. Sie sollten bei ihnen schlafen. Mein Vater musste sich dann hauptsächlich um sie kümmern, da meine Mutter schon lange ans Pflegebett gefesselt war. Ich besuchte sie täglich und unterstützte meine Eltern so gut ich es neben Arbeit und Familie konnte.

Deshalb hatte ich es als selbstverständlich gewesen, meinen Vater als Babysitter zu fragen. Seine Begeisterung hielt sich allerdings in Grenzen. Aber nach einer ungewollt hitzigen Debatte willigte er schließlich ein, und ich konnte die Kinder zu ihm runter schicken.

Gut. Das war erledigt. Nun brauchte ich nichts weiter mehr zu tun, als mich vorzubereiten. Auf das zweite Date mit Mike. Diesmal würden wir reden. Nichts weiter. Das hatte ich mir vorgenommen. Und daran würde ich mich halten.

Als ich dann endlich zu ihm ins Auto stieg, kamen mir jedoch leise Zweifel.

Polly 

 

 

 

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