Polly im Schnee, ….oder der Wink mit der Schaufel

Das Wochenende verging wie im Flug. Jeden Tag las ich von Mike. Nicht viel. Aber ein kleiner Gruß von ihm, genügte mir schon, um mich in guter Stimmung zu halten.

Dann kam der Montag und der Kindergarten rief. Während ich mir in der Küche mein Frühstück machen, und alles für die Kinder vorbereiten wollte, summte mein Handy. Erwartungsvoll schaute ich auf das Display.

Hmpf…Kein Mike, sondern „nur“ meine Kollegin.

„Polly, ich schaff es heute nicht aufzuschließen. Rico ist krank. Kannst du das bitte für mich machen?“

Während ich ihre Worte realisierte, schob ich die leichte Enttäuschung beiseite, dass mir eine Nachricht von Mike lieber gewesen wäre.

Den Kindergarten aufschließen bedeutete , dass mir keine Zeit mehr blieb, die Kinder zu wecken und mitzunehmen. Ich wollte gerade zu meiner Antwort ansetzen, da summte es erneut.

„Ach und noch was, heut kommt kein Winterdienst. Wir müssen schippen.“

Mein Blick fiel durch das Fenster auf die Straße. Alles war zugeschneit. Dieses Jahr gab es massig Schnee. An Weihnachten hatten wir ihn alle vermisst. Aber jetzt im Februar wollte diese Pracht niemand mehr.

Na toll…aber gut. Also noch weniger Zeit.

„Klaro. Kein Problem.“, schrieb ich zurück, während ich überlegte, wie ich jetzt auf die Schnelle meinen Vater für die Kinder mobilisieren müsste. Sicher würde es wieder eine Maulerei sondergleichen geben. Spontanität war meinem alten Herren schon immer fremd gewesen.

Trotzdem. Es half ja nichts und ich musste mich beeilen, damit ich noch rechtzeitig mit dem Schneeschieben fertig werden würde.

Olivia und Valentin schliefen noch, und Robert war schon weg. Heute bekamen sie also kindergartenfrei.

„Spute dich, Polly, spute dich!“ Doch das war heute alles andere als leicht. Mein Biorhythmus war noch nicht in Gang gesetzt. Normalerweise hatte ich diese Woche erst um acht Uhr Dienst. Jetzt war es erst viertel vor sechs und ich war auf Kaffee und Zeitung programmiert.

Ohne Frühstück schlüpfte ich murrig in meine Kleidung, putzte Zähne und begab mich in die Höhle des Löwen. Zu meinem Vater.

Er saß auf seiner Couch und war erstaunlich gelassen, als ich ihn bat, sich heute um die Kinder zu kümmern. Ohne dass weitere Diskussionen nötig waren, nahm er seine Zeitung und ging hoch in meine Wohnung.

Auf dem Weg zur Garage erreichte mich der Morgengruß von Mike.

„Sorry. Keine Zeit. Muss schnell Kiga….schippen.“ tippte ich eilig, sprang ins Auto und fuhr los.
Zwar waren die Straßen geräumt, aber dennoch spiegelglatt.

Mist… ich war doch schon recht knapp in der Zeit. Jetzt noch Schippen….die ersten Eltern würden sicher schon wieder zehn vor halb sieben auf der Matte stehen…und ich kroch langsam wie eine Schnecke voran.
In meiner Tasche vibrierte es, kurz bevor ich zum Kindergarten einbog. „Nicht jetzt“, dachte ich nur und schnappte mir die Schneeschaufel. Dann legte ich los. Es war schweinekalt und meine Finger waren nach kurzer Zeit blau gefroren. Meine Handschuhe lagen noch daheim.

Nachdem ich mir einen kleinen Pfad zur Eingangstür gebahnt hatte, war ich schon fix und alle. Aber ich war noch lange nicht fertig. Unser Eingangsbereich und der Parkplatz waren groß. Außerdem kam da hinten schon das erste Auto angefahren.

Ich seufzte. „Der restliche Schnee muss dann halt warten, bis noch jemand von uns da ist. Ist zwar nicht gut, aber die Kinder sind wichtiger.“ Mit diesem Gedanken wollte ich die Schippe gerade beiseite stellen, als ich Mikes Auto erkannte.

Sobald er ausgestiegen war, riss er mir förmlich die Schaufel aus der Hand. „Der Kurze ist heut krank. Ich mach das jetzt bevor ich zur Arbeit muss.“ Sprachlos und baff stand ich etwas dümmlich da, während Mike sich über den Schnee hermachte. Im ersten Moment konnte ich nichts sagen, nur zuschauen, wie dieser wunderbare Mann wie ein Weltmeister das Grundstück vom Schnee befreite.

„Was stehst du da? Geh rein und mach deine Arbeit.“, flapste er in einer keinen Verschnaufpause.

„Ääh… danke.“, stammelte ich schnell. „Ich mach das wieder gut!“

„Genau! Indem du dich mit mir verabredest. Wir treffen uns. Heute Abend Polly.“ Er grinste wie ein Pfefferkuchen und setzte noch hinzu: „Keine Widerrede. Sonst schaufel ich alles wieder zu!“

„Ok.“ Diese Antwort kam so schnell aus mir heraus, dass ich sie nicht mehr bremsen konnte.

„Gut. Ich melde mich nach der Arbeit. Dann machen wir alles Weitere aus. Und jetzt geh endlich rein. Es ist kalt.“

Im Kindergarten ging ich zuerst in die Küche und kochte Tee.

Ich war noch total perplex und verwundert über das, was da gerade geschehen war.  Gleichzeitig war ich überglücklich.

Ich hatte ein Date! Heute noch! Mit Mike! Unglaublich aber wahr!

Und endlich begriff ich es wirklich! Diese Fügung des Schicksals, oder war es Absicht von Mike? Ach, ganz egal!

Das Wasser blubberte schon lange im Topf, doch es interessierte mich nicht. Ichtanzte ich durch die Küche und sang vor mich hin, bis erstes Kindergetrappel zu hören war.

Ein Blick aus nach draußen verriet mir, dass Mike schon zur Arbeit gefahren war. Er würde sich melden. In ein paar Stunden würde es soweit sein, und ich würde mich hüten zu kneifen!

Polly

 

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2 Gedanken zu “Polly im Schnee, ….oder der Wink mit der Schaufel

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