St. Martin – eine Geschichte vom Teilen

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Heute zum Martinstag werden wieder viele Kinder durch die Straßen ziehen.

An ihren Stecken tragen sie leuchtende Laternen und singen Martinslieder. Bei uns gibt es nach dem Umzug Brezeln, die untereinander geteilt werden. So wie einst in der Legende St. Martin seinen Mantel mit den Bettler teilte.

In diesem Artikel möchte ich den Martinstag und seine Geschichte etwas näher beleuchten. Gerade in Zeiten wie diesen, sollte uns dieser Martin ein Beispiel sein. Nicht nur am Laternenfest.  Ein Beispiel für Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Im Großen, wie im Kleinen, zur rechten Zeit.

Zur Person:

Martin von Tours, geboren um 316/317 war der dritte Bischof von Tours. Er gehört zu den bekanntesten Heiligen in der katholischen Kirche. Ist aber auch in der orthodoxen, anglikanischen und in der evangelischen Kirche bekannt.

Martin wuchs als Sohn eines römischen Militärtribuns im heutigen Ungarn auf. In seiner Jugend kam er erstmals mit dem Christentum in Berührung, beugte sich aber dem Willen und schlug eine Militärlaufbahn ein. Als Sohn eines römischen Offiziers war er gesetzlich zum Militärdienst verpflichtet. Im Alter von 15 Jahren trat er in die Leibwache des Kaisers Konstantin II. ein.

In den folgenden Jahren vertiefte sich sein Glaube. Vor einer Schlacht gegen die Germanen nahe Worms, verweigerte Martin seine Teilnahme. Er sei kein Soldat des römischen Kaisers mehr, sondern ein Soldat Christi. Deshalb bat er um seine Entlassung aus dem Armeedienst. Diese wurde ihm jedoch erst nach 25 Jahren Dienstzeit im Alter von 40 Jahren gewährt.

Mit 36 Jahren ließ er sich taufen und lernte nach seinem Militärdienst einige Jahre bei dem späteren Bischof von Poitiers.
Danach zog er sich als Einsiedler auf eine Insel bei Genua zurück. Als ihm aber viele seiner Anhänger folgten, gab er dieses Leben wieder auf. Bevor er nach Gallien reiste, und dort das erste Kloster des Abendlandes errichtete, bekehrte er seine Mutter zum Christentum. Im Jahre 375 errichtete er in der Nähe von Tours das Kloster Marmoutier.

Martin wurde bald zum Bindeglied zwischen Rom und dem Reich der Franken und verkörperte das Ideal eines Bischofs oder Priesters. Als Nothelfer und Wundertäter wurde Martin schnell in der gesamten Touraine bekannt. Im Jahre 372 wurde er schließlich zum Bischof von Tours geweiht, und wohnte in den Hütten vor der Stadtmauer.

Am 8. November 397 starb Martin im Alter von 81 Jahren. Am 11. November wurde er in Tours beigesetzt.

(weitere Infos hier!)

Die Legende:

Es war in einer sehr, sehr kalten Nacht. Überall lag hoher Schnee auf den Straßen und Eiszapfen hingen von den Bäumen.

Trotzdem sattelte der Soldat Martin sein Pferd und führte es aus dem Stall um in den Straßen nach dem Rechte zu sehen. Als er durch die Gassen ritt, begegnete ihm kein Mensch.

Nicht einmal ein Hund trieb sich noch draußen herum, allen war es viel zu kalt. Martin fror. Er wickelte seinen dicken Sodatenmantel fest um sich. Dann trieb er sein Pferd an. Beim schnellen Ritt würde ihnen beiden hoffentlich etwas wärmer werden.

Plötzlich aber scheute das Ross. Martin zog die Zügel an. Da war etwas im Schnee am Straßenrand. Ein Mensch.

Ob es ein Räuber war? 

Langsam und vorsichtig ritt er näher und hörte ein leises Jammern.

Als sich der Soldat niederbeugte, erblickte er einen Mann, der vor Kälte wimmerte. Es war ein Bettler, der nur Lumpen trug. Seine Hände und Füße waren blau gefroren. Mager und ausgehungert zitterte er am ganzen Körper.

Der Mann sah zu Martin auf und flehte um Hilfe. Doch wie sollte Martin helfen? Er hatte weder Geld noch etwas zu Essen dabei. Aber wenn er nichts tat, würde der Bettler die Nacht sicher nicht überleben.

Martin zögerte nicht und griff nach seinem Schwert. Er nahm seinen  roten Mantel von der Schulter und teilte ihn mittendurch. Die eine Hälfte schenkte Martin dem armen, zitternden Mann. Jetzt musste er nicht mehr erfrieren.

Als sich der Bettler bedanken wollte, ritt Martin schnell mit seinem Teil des Umhangs davon. Er hatte doch nur geholfen. Für ihn war es nichts Besonderes. Es war etwas Selbstverständliches.

Als der Soldat wieder bei seiner Truppe ankam, spotteten die anderen über ihn. Er, der starke Soldat, kam mit einem halben Mantel zurück. Er hatte sich lächerlich gemacht, nur um einem unbedeutenden Mann zu helfen.

Aber Martin schämte sich nicht. Er wusste, dass er richtig gehandelt hatte.

Nachts träumte er von Jesus. Jesus trug die Hälfte des Mantels, die Martin dem Bettler gegeben hatte. Zu seinen Jüngern sprach Jesus: “ Den Mantel hat mir der Soldat Martin geschenkt. Er hat dem Bettler geholfen und mich vor dem erfrieren gerettet.“

Am nächsten Morgen wusste Martin, er wollte kein Soldat mehr sein, sondern den Armen helfen. So wie Jesus es immer getan hatte. So verließ er die Armee, ließ sich taufen und wurde ein Mönch.

Überall im Land erzählte man von dem Heiligen Martin. Die Geschichte von dem armen Bettler hatte sich weit herumgesprochen.

Viele Menschen liebten und verehrten ihn. Als sie kamen, um Martin zum Bischof zu ernennen, versteckte er sich schnell in einem Gänsestall. Er dachte er sei nicht würdig, dieses Amt zu tragen.

Die Gänse im Gänsestall aber schnatterten so laut und waren so aufgeregt, dass Martin schnell gefunden wurde. So wurde er doch noch zum Bischof von Tours ernannt.

Brauchtum zu St. Martin:

Das wohl bekannteste Brauchtum am Martinstag ist der Martinsumzug, vor dem früher die Kinder gesegnet wurden.

Am Anfang des Zuges reitet ein als Sankt Martin verkleideter Mann auf einem Pferd, der häufig von einem anderen, als Bettler verkleideten Mann begleitet wird. Danach folgen viele Kinder mit Laternen und singen Martinslieder. Manchmal werden sie dabei auch von einer Blaskapelle begleitet. Nach dem Umzug wird dann die Legende von der Mantelteilung nachgespielt. Sie appelliert an alle, sich uneigennützig und hilfsbereit zu verhalten.

Im Anschluss bekommen die Kinder noch regionaltypische Martins-Backwaren geschenkt.

Der Umzug ist Teil der Lichtsymbolik, die an Allerseelen beginnt und über die Advents- und Weihnachtszeit bis Lichtmess andauert.

Das ursprüngliche Martinsfeuer wurde inzwischen fast überall ganz von den Martinsumzügen abgelöst. Der Brauch des Martinsfeuers geht auf die germanischen Wintersonnwendfeiern und das germanische Erntedankfest zurück. Vorbild der Lichterumzüge ist die liturgische Lichterprozession.

Früher und teilweise auch heute noch, wurden Laternen aus Kürbissen und Runkelrüben gebastelt (ein Brauch, welcher sich auch in besonderem Maße beim amerikanischen „Halloween“ wiederfindet).

Damals erbaten Kinder, und auch arme Leute bei den Schlachtfesten und Zinszahlungen zu Sankt Martin ihren Anteil.
In einigen Regionen gibt es statt Sankt Martin auf dem Pferd auch das Martinsmännchen, ein verkleideter Junge, welcher den Kindern, die ein Gebet aufsagen können, Nüsse und Äpfel schenkt.

Noch heute wird traditionell am Martinstag die „Martinsgans“ serviert. Diesen Brauch gibt es bereits seit dem Mittelalter, als die Gänse, die nicht den ganzen Winter über „durchgefüttert“ werden konnten. Sie wurden dann am Abend vor der vorweihnachtlichen Fastenzeit geschlachtet und gegessen.

Die Verbindung der Gänse mit Sankt Martin kann aber auch von den Gänsen als Zinszahlung am 11. November herkommen.

An diesem Tag war im Mittelalter Zins- und Pachttag sowie Arbeitsbeginn oder -ende für das Gesinde. An diesem Tag war Hauptzinstag, bei dem unter anderem (Martins-) Gänse als Hauptzahlungsmittel verwendet wurden.

Der Zusammenhang der Gans  mit dem Heiligen Martin geht auf die Legende im Gänsestall zurück, als Martin zum Bischof ernannt werden sollte. Er versteckte sich dort, wurde aber durch das Geschnatter verraten.  Eine andere Legende erzählt, daß Martin, während er als Bischof predigte, durch eine Schaar schnatternder Gänse, die in die Kirche watschelten, unterbrochen wurde.

Ein frohes Martinsfest wünsche ich allerseits!

Eure Polly 🙂

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