Polly und das Bild … von Dessous und Kopfkino

Mit dem Austausch unserer Handynummern änderte sich alles.

Mike und ich, wir schrieben uns nun nicht mehr nur einmal am Tag. Nein!  Schon in der Frühe ging es los. Täglich erreichte mich ein Morgengruß von ihm, kaum dass ich das Haus verlassen hatte. Wir wünschten uns einfach einen schönen Tag. Diese wenigen Worte am Morgen, schafften es schon, mein Gemüt zum strahlen zu bringen. Mochte der Tag vielleicht noch so anstrengend werden.  

Wenn ich dann im Kindergarten auf Mike traf, musste ich mir ein schelmisches Grinsen verkneifen.

Es knisterte förmlich in der Luft, sobald er den Raum betrat. Manchmal hatte ich ihm schon mein Herz ausgeschüttet, über schwierige Teamgespräche, stressige Vorbereitungen, oder was mich aktuell sonst alles bedrückte. Dann lag in seinem Blick zum Abschied so viel Wärme und Verständnis, so viel Zuspruch… Es tat gut, zu spüren, dass er wusste, wie ich mich fühlte. 

Wir beide hatten ein Geheimnis, von dem niemand etwas ahnte. Und diese Tatsache machte alles noch spannender als es ohnehin schon war.

In meiner Pause konnte ich mich hin und wieder über ein kurzes Kompliment freuen. Mike schrieb mir, wie schön ich heute die Haare heute trug, wie gut ich gerochen hatte oder dass er gerade an mich denken musste. Oft schickte er auch ein Foto, versehen mit Gedanken an mich.

Ein Lächeln, eine dampfende Tasse Kaffee, einen Eisbecher…

Nach und nach wurde immer mehr ein Flirt daraus. Die Nachrichen wurden wärmer, mein Herz schlug höher. Wenn ich Mikes Zeilen an mich las, lächelte ich. Es war wunderbar und ich genoss es in vollen Zügen.

Keine Frage, dass ich auch mein bestes tat, um dieses aufkeimende Feuer am Lodern zu halten.

Jeden Abend erzählten wir uns vom Tag. Manchmal telefonierten wir auch. Wir besprachen so viel.

Es hatte nichts Anzügliches. Vielleicht  hielt sich auch deshalb mein schlechtes Gewissen Robert gegenüber in Grenzen.

Ja. Mein Mann und ich. Wir waren wie Geschwister geworden. Wenn wir etwas besprachen, dann hauptsächlich beim Abendbrot. Es ging um die Kinder, die Arbeit, das Haus. Eigentlich lebten wir aneinander vorbei. Oder zumindest immer mehr nebeneinander her. Gemeinsame Freuden gab es kaum noch. Alles war geschäftsmäßig geworden…
Mit Mike war es ganz anders. In jedem seiner Worte spürte ich, dass er es ernst meinte. Dass er mit mir reden wollte, wirklich wissen wollte, wie es mir ging.

Da war so viel Gefühl und Sehnsucht. Aber auch großer Respekt vor unserer Situation und vor unseren Familien. Wir drängten uns nichts auf. Wir akzeptierten das Leben des anderen.
So ging die Zeit ins Land.

Der Winter kam und das neue Jahr begann.

Eines Nachmittages war ich zum Bummeln in der Stadt. Und wie ich so durch die Wäscheabteilung schlenderte, war mir danach, mir ein neues Teil zu gönnen.

Also schaute ich mir einige Bhs und Höschen an, welche für mich in Frage kommen könnten. Dabei stieß ich schließlich auf eine zarte Garnitur aus cremefarbenem Satin. Schlicht und ohne große Schnörkel.

Nur ein kleiner, feiner Einsatz mit rosafarbenen Blümchen zierte den glänzenden Stoff.

Ich war sofort hin und weg. Ohne zu überlegen hielt ich den Bügel hoch, schoss ein Foto davon und schickte es an Mike. Mit den Worten: „Was denkst du, steht mir das?“

Eigentlich hatte ich mir nichts dabei gedacht. Es war nichts ungewöhnliches, dass wir uns mit Bildern auf dem Laufenden hielten. Er schickte mir schon seine favorisierten Schuhe bei einer seiner Einkaufsaktionen, und ich ihm schon Pullis und Hosen…

…aber eben noch keine Dessous.

Uuuups… bis jetzt jedenfalls…

Was würde er jetzt bloß von mir denken? Wie sah das denn aus???

Ich hegte doch keine Hintergedanken! Ich doch nicht! Ich wollte nur seine Meinung wissen…nichts sonst… Der Farbe wegen…!

Jetzt war es mir peinlich. Wäsche ist nun mal Wäsche…. und die trägt man drunter… auf nackter Haut.

Bei diesem Gedanken errötete ich. Und augenblicklich schlichen sich Mikes braune Mokkaaugen in meinen Kopf… und seine Hände die vorsichtig die Häkchen des cremefarbenen BHs an meinem Rücken lösten…Puuhhhh….
Zum Glück dauerte es nicht lange und mein Handy weckte mich aus diesem Traum.

„Wow! Du siehst sicher bezaubernd darin aus! Wie gerne würde ich es jetzt an dir bewundern.“

Das war zuviel für mich….schnell schaltete ich mein Handy aus, nahm das Teil und ging zur Kasse.

Prima Polly! Jetzt hatte ich den Salat. Mike glaubte bestimmt, es wäre eine billige Anmache gewesen.

Wie peinlich!

Natürlich… der Gedanke, wie er mich mit seinen Blicken verschlinge würde… wie er langsam meine Brüste entblößen… mich liebkosen wollte…das Höschen herunterziehen… seinen Kopf zwischen meinen Schenkeln vergraben würde…. wie….
Oh…. ja. Das wäre traumhaft… aber eben nur ein Traum!

Schluss Polly! Schluss!

Den restlichen Tag ließ ich mein Handy aus. Ich traute mich weder zu antworten, noch wollte ich eine neue Nachricht lesen…
Am Abend dann, als ich im Bett lag, schaltete ich es doch noch einmal an.

Es summte sofort.

„Werd nicht rot meine Kleine…ich kenn dich doch…und auch deinen tollen Körper. Mach dir keinen Kopf wegen dem Bild. Es reicht, wenn ich deswegen heute Nacht Kopfkino habe!“

Kopfkino???

Wenn er wüsste….

Schnell tippte ich: „Das hab ich auch.“

Dann drehte ich mich um. Ein erneutes Summen meines Handys ignorierte ich. Ich wollte träumen. Und zwar jetzt.

Polly

Advertisements

15 Gedanken zu “Polly und das Bild … von Dessous und Kopfkino

  1. Das nennt man Versuchung. Wenn man den Teller mit der verlockenden Süßigkeit immer in Sicht- und manchmal sogar in Reichweite hat, ist es doch ganz natürlich, dass du dir vostellst, wie es wäre, der Versuchung nachzugeben. Dein Unterbewusstsein ist da schon einen Schritt weiter als dein Verstand. Ach, Polly, das ist ganz natürliches menschliches Verhalten, du bist schließlich keine gefühllose Maschine. Und Mike auch nicht.

    Gefällt 2 Personen

    • Ja. Sicher ist es nicht für jeden nachzuvollziehen. Manchmal nicht einmal für mich selbst. Aber es kam so. Diese Geschichte ist nun über fünf Jahre her. Meinen Mann gibt es immer noch. Und auch Mike. Und beides hat seine Gründe. Ich liebe meinen Mann, wie einen Bruder. Mike liebe ich anders….schon immer. Liebe Grüße, Polly

      Gefällt mir

        • Darum geht es hier in den Geschichten vom GeliebtenLeben. Ich bin verheiratet. Aber Mike begleitet mich schon seit ich dreizehn bin. Immer wieder. Mein Mann war sehr krank. Ich blieb bei ihm. In guten, wie in schlechten Tagen. Obwohl wir mehr eine WG leben als eine Ehe. Mikes Weg und meiner haben sich zwischenzeitlich getrennt. Wir beide haben geheiratet. Dann sind wir uns immer wieder begegnet… es war und ist immer eine besondere Verbindung gewesen. Wir begannen eine Affäre. Jetzt ist Mike sehr krank.
          Es ist sehr schwer das zu erklären. Wie es so kam. Wir haben Wünsche. Doch manchmal sieht die Realität anders aus. Das waren seine Worte. Wir sehnen uns. Aber vieles ist schwer. Gerade jetzt. Besonders für ihn.

          Gefällt mir

  2. Liebe Polly, ich weiß gerade nicht, wie oder was ich schreiben kann. Ich kann deine Situation 1 zu 1 nachvollziehen. Es ist schrecklich, wie man sich als Mensch selber „quälen“ kann mit solchen Situationen. Einerseits leide ich mit dir und möchte dir sagen, wie leid mir das tut, dass du auch solche Situationen hast/hattest – und andererseits bin ich irgendwie „froh“, dass so etwas scheinbar nicht nur mir passiert … Danke für deine Offenheit in diesen ganzen Posts ❤

    Gefällt 1 Person

    • Für mich ist es auch gut zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, derer so etwas widerfährt. Danke für dein Verständnis. Es ist immer eine Gratwanderung zwischen Sehnsucht und schlechtem Gewissen. Zwischen wollen und nicht dürfen… aber auch nicht ohne können….
      Danke , dass du hier dabei bist. Liebe Grüße, Polly ☺

      Gefällt 1 Person

Was sagst du dazu? Bin sehr gespannt :-)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s