Der neue Anfang….oder Polly wird schwach

Da saß ich nun vor dem Computer und starrte auf den Bildschirm. Auf die Nachricht von Mike.

Es war kaum fünf Stunden her, dass er mir meine Email-Adresse abgestaubt hatte. Und nun hatte ich Post. Von ihm. Kein einziges Wort hatte er geschrieben. Nur ein Smiley lächelte mich an.

Was war jetzt zu tun? Sollte ich ihm antworten? Sollte ich seine Nachricht ignorieren?

Es wäre auch möglich Mike morgen im Kindergarten darauf anzusprechen… oder einfach so zu tun, als ob nichts gewesen war?
I
ch spürte, wie sich meine Gesichtsmuskeln in Richtung Ohren bewegten. Wahrscheinlich grinste ich genauso dümmlich, wie das Gesicht auf dem PC.

Aus dem Wohnzimmer hörte ich das gewohnte Schnarchen von Robert. Die Kinder waren im Bett. Ich hätte also Zeit…zum Schreiben…

„Nein Polly! Abwarten.“, rügte ich mich. „Sonst denkt er noch, du hättest darauf gewartet, dass er sich meldet.“

Hatte ich darauf gewartet?

Nein!

Oder doch? Vielleicht ein wenig. Aber nicht sehr….

Ich hatte schon den ganzen Abend an unsere Begegnung im Büro gedacht und mir ausgemalt wie es weitergehen könnte.
Morgen würde ich erst einmal die Bilder fertig machen und sie an Mike schicken.

Ich hatte mich gefragt, ob er mir dann darauf antworten würde. Ein kurzer Gruß. Ein Dankeschön.

Aber gewartet hatte ich nicht!… Wie käme ich auch dazu….Nein.

Trotzdem hatte ich mit einer gewissen Hoffnung den PC gestartet…. Da lag eine gewisse Spannung in der Luft. Das musste ich zugeben.

„Ab ins Bett Polly“, murmelte ich mir gedankenverloren zu. „Serviere dich nicht auf dem Silbertablett. Das hast du nicht nötig. Auch nicht wenn deine Finger jucken!“

Es dauerte noch lange, dann lag ich endlich im Bett. In meinem Inneren formulierte ich immer noch eine Mail an Mike und darüber schlief ich schließlich ein.

Am nächsten Tag im Kindergarten wurden Luis, Lina und Lennart von Paula gebracht.
Diese Tatsache enttäuschte mich ein wenig. Noch trauriger war ich, als sie später die Kinder auch wieder abholte.

Frustriert setzte ich mich ins Büro und machte mich an die Bilder.

Zu gerne hätte ich in Mikes Gesicht gesehen, und gewusst, ob er mich nach einer Antwort auf den Smiley fragen würde.

Aber das musste wohl noch warten.

Kurz bevor ich den Schreibtisch verließ, schickte ich die Bilderordner fort.
Ich hatte mein Versprechen gehalten. Nun war ich gespannt. Würde ich wieder Post bekommen?

Die restliche Zeit des Tages wollte gar nicht vergehen. Ungeduldig wartete ich darauf, dass die Kinder im Bett waren, und Robert auf der Couch.

Dann knipste ich den Computer an.
Nichts.
Keine Nachricht. Kein Dankeschön.

Hatte Mike die Mail etwa nicht bekommen?
Das konnte ich mir nicht vorstellen.
War er sauer, weil ich ihm nicht geantwortet hatte?
Das schon eher. So musste es sein.

Enttäuscht ging ich zu Bett.

Am nächsten Morgen bedankte sich Paula bei mir, für die Fotos von Lennart und Lina.
Von Mike hörte ich nichts. Auch die folgenden Tage ließ er sich nicht in der Einrichtung blicken.

So gut ich konnte, verdrängte ich die Gedanken an ihn.
Es gab viel zu tun.
Das Zuckertütenfest stand an, und es musste noch viel vorbereitet werden.

Wir planten eine große Abschiedsparty für die Kinder, mit anschließender Übernachtung. Dafür hatten wir extra eine Gruppe geräumt, und mit „Betreten verboten“ markiert.

Nur die Großen hatten Zutritt zum Dekorieren und Schmücken.
Wir verbrachten viel Zeit damit, den Raum mit Luftballons und Girlanden zu verschönern. Packten die Geschenke ein, befüllten die Zuckertüten, und, und, und.

Mehrmals am Tag schlichen die Vorschulkinder neugierig an der verschlossenen Türe vorbei. Drückten Nasen und Ohren dagegen, und hielten sich bevorzugt im Gang vor dem geheimnisvollen Zimmer auf.
Vielleicht konnten sie ja doch einen winzigen Blick ins Zimmer erhaschen? Sie konnten es kaum erwarten, dass die Überraschung für sie gelüftet würde.

Einen Tag vor dem Fest, als ich gerade damit beschäftigt war, Saft und Getränke aus meinem Auto auszuladen und in den Kindergarten zu schleppen, kam Mike angefahren.


Er stieg aus und kam er auf mich zu.  Dann sagte er knapp: „Lass das mal. ich mach das.“
Mike nahm die erste Kiste mit Getränken. „Wohin?“

„In die Sternengruppe. Aber pass auf, dass keiner der Kinder linst.“

Mike trottete voran und stellte die Kiste im Partyraum ab.
Dann holte er die Zweite.

„Sonst noch was?“, fragte er ohne mich direkt anzusehen.

„Äh, ja. Die Kiste mit den Naschereien. Die muss auch noch rein.“

„Was bekomme ich dafür?“

Ich stutzte.
„Was bekomme ich dafür, wenn ich sie noch hole? Schließlich ist das eine anstrengende Angelegenheit,“ flappste Mike.

„Du hast als einziger die Bilder vorab bekommen“, stammelte ich. „Das ist doch Belohnung genug.“

Mikes Antwort war kurz und knapp: „Nein.“

Ich merkte, wie mir das Herz in die Hose rutschte. Was wollte er von mir? Ich war verzweifelt und schon puderrot im Gesicht, und er grinste mich noch schelmisch an.

„Du hast mir gar nicht geantwortet“, beschwerte er sich plötzlich.

Schnell senkte ich den Blick. Er hatte ja recht. Das war nicht schön von mir gewesen. „Tut mir leid. Ich hab mich nicht getraut.“, antwortete ich geknickt.

Mike nahm mein Kinn in seine Hand, so dass ich ihn anschauen musste. Wortlos deutete er auf seine Wange.
Ich begriff sofort was er wollte, aber ich stellte mich dumm.

Noch einmal tippte er mit dem Zeigefinger darauf. „Komm schon. Nur einen.“
Unruhig schaute ich mich um. Wenn nun jemand in der Nähe war?
Aber die Luft war rein.

Schnell ging ich auf die Zehenspitzen und drückte Mike einen Kuss auf die Backe.

Er lächelte zufrieden.
Mein Herz war am Zerspringen.

„Danke.“

Dann schlurfte er zum Auto und holte die restlichen Sachen.

Polly

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8 Gedanken zu “Der neue Anfang….oder Polly wird schwach

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