Ein Smiley….oder wie sich Pollys Welt erhellt

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Das Kindergartenjahr neigte sich dem Ende zu. Für mich war eigentlich längst Feierabend. Trotzdem saß ich im Büro am PC und sortierte noch einige Fotos der Kinder, die sich im Laufe des Jahres angesammelt hatten.

Meine Kollegin war mit den letzten Flöhen im Garten. Es war immer eine langatmige Aufgabe mit den Fotos. Eigentlich versuchten wir immer, die Bilder mit den Kindern gemeinsam auszusuchen und auszudrucken, um sie dann in ihr Portfolio zu heften. Aber zu oft fehlte in der Praxis die Zeit dafür.

Am Wichtigsten waren jetzt die Fotos der einzelnen Vorschulkinder. Ich hatte mir überlegt, jedem von ihnen noch eine Foto-CD zum Abschied zu machen.

Wie ich so da saß und für jedes Kind einen Ordner anlegte, die passenden Bilder suchte obwohl ich schon Augenflimmern hatte, klopfte es an die angelehnte Tür.

„Ja bitte?“, reagierte ich und wollte gerade aufstehen, um zur Tür zu gehen. Da stieß ich  beinahe mit Mike zusammen, der schon am Hereinkommen war.

„Huch!“, schnappte er und wich einen Schritt zurück. „Überfall mich nicht gleich!“

In seinen Augen blitzte kurz dieser schelmische Funke auf, der schon lange nicht mehr zum Vorschein gekommen war.

Ich stutzte. Dieser kurze Augenblick verwirrte mich sichtlich und ich rang um Fassung. Mein Schoß kribbelte.

Hatte ich Mike nicht nur mit einem leichten Hauch berührt, bevor er ausgewichen war? Warum überfluteten mich dann Hitze und Kälte, Wonne und Lust, Panik und Freude, in diesem Ausmaß? Ich verstand mich nicht.

„Oh, hallo. Du bist es. Was gibt es. Ist was mit den Kindern?“, fragte ich und hatte Mühe,  nicht an das leicht feuchte Gefühl zwischen meinen Beinen zu denken.

Was war nur los? Die ganzen vergangenen Monate, hatte ich kaum noch sehnsuchtsvolle Gefühle für diesen Mann gehabt. Wir waren auf guter Distanz zueinander gewesen. Wir konnten wie normale Menschen miteinander umgehen. Und jetzt? Mein Puls raste, pochte hinter meinen Schläfen und zwischen meinen Schenkeln. Ich befürchtete Mike würde jeden Moment meine erröteten Wangen bemerken.

Anstatt meine Frage zu beantworten musterte er mich belustigt und sein Blick fiel zum Schreibtisch. Auf dem Bildschirm war gerade ein Foto von Kindern zu sehen. Stolz standen sie neben einer riesigen Schneeburg, die sie in tagelanger Arbeit fast ohne Hilfe von uns Großen errichtet hatten. Ganz hinten lugte auch Lennart aus Menge.

„Hey Polly, was machst du da?“, fragte Mike neugierig. „Da ist ja mein Filius drauf. Das Bild kenn ich noch gar nicht.“

„Kannst du ja auch noch nicht kennen. Ich sortiere alle Bilder für die Vorschulkinder heraus, die wir noch nicht ausgedruckt haben. Ihr bekommt sie auf CD beim Abschiedsfest.“

„Oooch…erst beim Abschiedsfest? Das dauert ja noch ewig!“, beschwerte er sich.

„Das sind noch drei Wochen, Mike! Ich bin froh, wenn ich bis dahin alle CDs geschafft hab. Du weißt ja, eigentlich ist meine Zeit für die Kinder da. Deshalb hab ich für solche Tätigkeiten meinen Feierabend.“ Ich ging zum Bürostuhl und ließ mich genervt hineinsinken.

Mike stellte sich hinter mich. „Tut mir leid. So hab ich das doch nicht gemeint. Bin doch nur so gespannt auf die Fotos von Lina und Lennart.“ Während ich diese Worte vernahm, spürte ich, wie Mike um die Lehne des Stuhls griff, und begann meinen Nacken zu massieren.

„Du bist ja total verspannt. Danke übrigens, dass du immer an die Kinder denkst.  Auch nach Dienstschluss.“

Ich konnte nichts erwidern. Zu sehr umarmte mich dieses Gefühl seiner Berührung auf meinem Körper ein. Ich wollte nur spüren und die Augen schließen. Diese warmen, weichen Hände an meinem Nacken. Wie wohltuend es war!

Als mein Hals zu glühen begann, und mein Schoß fast zerfloss, drehte ich mich auf dem Stuhl zu Mike um. „Danke. Das war toll. Soll ich dir die Ordner von Lina und Lennart vorab schon per Mail schicken?“

„Machst du das für mich?“

„Wenn es unter uns bleibt, schon. Gib mir deine Mail-Adresse, dann schicke ich sie dir, sobald sie fertig sind.“

Mike überlegte kurz, dann nahm er einen kleinen Zettel vom Schreibtisch und einen Stift. „Prima. Aber dann bekomm ich auch deine.“

„Was meine?“, fragte ich etwas schwer von Begriff.

Mike lächelte mich an. „Na deine Mail-Adresse. Bitte. Nur so.“

„Meine private? Ich schicke die Bilder doch über den Kindergarten. „, versuchte ich noch auszuweichen, aber Mike griff nach meiner Hand und drückte sie sanft. „Eben deshalb. Bitte Polly.“

Ich nahm den Zettel mit Mikes Adresse und steckte ihn in die Hosentasche. Dann schrieb ich meine eigene auf und reichte sie ihm. „Du bist klasse!“, hörte ich ihn noch sagen, ehe er damit verschwand. Ich wollte ihn noch fragen, was ihn ins Büro getrieben hatte, aber dazu kam ich nicht mehr.

Ich war wieder allein. Allein mit Schreibtisch und PC und hunderten von digitale Fotos.

Puhhh….ich war perplex. Was bitte war das jetzt?

Mein Kopf hämmerte, mein Slip klebte zwischen den Beinen. Heute würde ich hier sicher nicht mehr weiterkommen. Das war klar.

Wie in Trance packte ich meine Sachen, und fuhr nach hause.

Ein paar Stunden später, bevor ich zu Bett ging, schaltete ich wie immer noch einmal meinen PC an, um meine Mails zu lesen. Ich hatte Post. Von Mike. Kein Wort. Nur ein Smiley, der lächelte.

Mit diesem Smiley, war es um meine hart erarbeitete Tapferkeit geschehen.

Polly

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8 Gedanken zu “Ein Smiley….oder wie sich Pollys Welt erhellt

  1. Is ziemlich ab vom Thema, ich weiß, aber: PC??? Fotos????? Als ich 2011 auf 2012 (!) im Horror Kindergarten gearbeitet hab gabs einen (!) uralten PC, der nicht mal funktioniert hat und als ich mal versuchte ein kleines Fotografieprojekt mit den Kindern auf die Beine zu stellen wurde das von vorneherein abgeschmettert mit Hinweis auf Rechtslage (Bild-/ Persönlichkeitsrechte), auch der Grund warum wir allgemein KEINERLEI Fotos von den Kindern machen durften. Mein Vorschlag, das Einverständnis der Eltern einzuholen wurde abgeschmettert. Also, wenn auch ab vom Thema, ich bin offiziell rückwirkend neidisch. (und wie sehr ich deine Schreiberei mag weißt du ja 😉 )

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