Polly gibt sich geschlagen, oder….euer Wille geschehe

Es dauerte nicht lange, dann war September. Meine Arbeit im Kindergarten begann von Neuem. Obwohl ich mit Engelszungen auf meine Chefin eingeredet hatte, ließ sie sich nicht erweichen, und gab Mikes Zwillinge in meine Gruppe. Jetzt sah ich jeden Tag entweder Paula oder ihn.

Das machte die Arbeit nicht gerade leichter für mich. Aber ein Profi wie ich, ließ sich nichts anmerken und ich tat mein möglichstes, private Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen. Von Woche zu Woche gelang es mir besser. Ich legte mir ein ziemlich dickes Fell zu.

Paula brachte zwischenzeitlich einen gesunden Jungen zur Welt, doch ich nahm diese Neuigkeit gelassen auf. Es fiel mir sogar nicht schwer, Mike beim Gratulieren zu umarmen, ohne dass ich Hintergedanken hegte. Es war geschafft! Der Umgang mit ihm war für meine Verhältnisse recht neutral geworden.

Das war gut und förderlich für eine weitere Zusammenarbeit.

Außerdem hatte ich selbst genug mit mir zu tun. Meine Ehe und mein Alltag waren nicht immer befriedigend.

Olivia ging jeden Morgen mit mir in die Kita. Dort verabschiedete ich mich, und gab sie in die Obhut meiner Kolleginnen. Das war bequem und klappte gut. Die Kleine kam prima damit zurecht, und unterschied sehr wohl zwischen meiner Rolle im Kindergarten und  meiner Rolle, die ich zuhause inne hatte.

Valentin blieb bei Robert. Während seinem letzten Krankenhausaufenthalt eröffneten ihm die Ärzte, dass er noch lange nicht in der Lage war, wieder ins Arbeitsleben einzusteigen.

Also kümmerte er sich weiterhin um Haus und Hof, so gut er konnte. Aber ich merkte wie es ihn immer mehr belastete. Er war nicht zufrieden mit seiner Hausmannstätigkeit. Das becherte ihm auch des Öfteren schlechte Laune, die er mich spüren ließ, wenn ich von der Arbeit kam.

Weil Robert wirklich ein guter Vater war, versuchte er die schlechte Stimmung zu verbergen, solange die Kinder noch wach waren. Da spielte er mit ihnen, lachte und scherzte. Doch sobald sie im Bett waren, zog er sich komplett zurück.

Er sprach nicht mit mir, setzte sich vor den Fernseher, surfte am PC, schlief auf der Couch… es war immer schwerer für mich, an ihn heranzukommen. Sollte ich es doch einmal schaffen, ihm seine Aufmerksamkeit zu entlocken, ließ er seine Launen an mir aus.

Wir lebten uns mehr und mehr auseinander.

Wir waren Eltern, ein Team, aber nicht mehr ein Paar.

Ich ging immer eher zu Bett. Allein, mit einem guten Buch. Oder ich machte ausgedehnte Abendspaziergänge.

Wir stritten kaum. Alles war gut.

Fast.

Der Alltag verlangte viel von uns ab. Es schlich sich ein Trott ein, der uns immer weiter voneinander entfernte, aber ohne dass er uns auseinander riss. Wir liebten uns doch. Das hatten wir immer. Nur die Art und Weise änderte sich.

Schleichend wurden wir fast wie Geschwister…

An Zuneigung und kleinen Zärtlichkeiten mangelte uns nicht. Aber unser Sexleben reduzierte sich auf ein Minimum. Anfangs dachte ich, so ist es nunmal in einer langen Ehe. Nach den stürmischen Zeiten kommen die ruhigeren. Da zählen andere Dinge. Vertrauen, Fürsorge, Zusammenhalt und eben nicht dauernd Sex….oder Sex…oder wenig Sex… oder überhaupt…

Auch wenn ich im Großen und Ganzen zufrieden war, und sich Roberts Launen wieder besserten…die Flaute dauerte immer länger.

Und irgendetwas in meinem Innern fehlte mir.

Nach und nach zwängte ich mich in eine Hülle, die so gar nicht zu mir passte. Ich begann zu funktionieren. Für meine Familie und meine Arbeit, für mein Ehrenamt… aber nicht mehr für mich selbst. Meine sexuellen Gefühle reduzierten sich auf ein Minimum. Ich war Mutter, Schwester, Freundin, Erzieherin, Kollegin, aber keine Ehefrau. Ja nicht einmal mehr Frau.

Komplimente ließ ich an mir abprallen, ging jedem Flirt aus dem Weg. Dann ging ich nicht einmal mehr aus. Mein Leben beschränkte sich auf Haus und Kindergarten. Es war, als wäre ein Teil von mir eingeschlafen, und es gab keinen Anlass diesen wieder aufzuwecken.

So lebten wir vor uns hin.

Valentin war bald groß genug, und konnte mit in die Kita. Robert fand sich allmählich damit ab, dass er seine gelernten Berufe wohl nie wieder richtig ausführen konnte, und versuchte verschiedene Praktika zu absolvieren. Um überhaupt wieder ein Gefühl für einen normalen Arbeitstag zu bekommen.

Paulas Jüngster war in der Zwischenzeit auch schon der Krippe angekommen. Er hieß Luis und hatte die Augen und die Beine von Mike.

Polly

 

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