Das Fest, oder…schau genau

Einige Tage nach dem Rummeltreffen mit Paula und Mike, nutzte ich die günstige Gelegenheit, als Robert und Olivia zum Ententeich gegangen waren, um im Kindergarten anzurufen. Paulas Bestimmtheit, die Kinder unbedingt in meine Gruppe zu geben, ließ mir keine Ruhe.

So gerne ich die beiden mochte, ich wollte sie nicht. Es würde jeden Tag zusätzlicher Stress für mich sein. Immer zu fürchten, oder besser zu hoffen, dass Mike plötzlich im Zimmer stehen könnte.

Meine Chefin war am Telefon kurz angebunden.

„Ach Polly, das haben wir doch schon lange gesagt. Sie lassen sich nicht umstimmen. Was du nur hast? Sei doch froh, dass die Eltern so große Stücke auf dich halten!“

Die Eltern? Nun ja… Paula vielleicht. Sie war schließlich ahnungslos. Mike fand es sicherlich nicht unbedingt toll, mir ab September noch zu begegnen, als sonst.

So versuchte ich es noch einmal. „Findest du das alles für die Kinder nicht zu viel, nach der Krippe erst übergangsweise in die Sonnengruppe und dann zu mir? Warum können sie nicht gleich bei Frida bleiben?“

„Polly!“, schnauzte es durch den Hörer. „Du machst dir unnötig Gedanken. Du weißt doch wie offen wir arbeiten. Die Kinder sind schon oft hinten in deiner Gruppe. Sie haben dort Freunde. Bei uns kennt jeder jeden. Und sie mögen dich und Marie. Unsere Türen sind doch noch nie verschlossen gewesen!“

Ich merkte, wie ihre Stimme plötzlich immer ungehaltener klang. „Ich hab jetzt Termine. Wir beobachten das Ganze.“

Noch ein kurzes Klicken in der Leitung, dann war es stumm. Ohne, dass ich mich verabschieden konnte, war das Gespräch beendet.

Ich schaute zu Valentins Spielteppich. Bevor ich telefoniert hatte, hatte er noch munter gespielt. Jetzt lag er da, die Augen geschlossen, und schlief.

Vorsichtig legte ich mich daneben, und beobachtete den kleinen Kerl, wie er zufrieden schnaufte. „Kommt Zeit kommt Rat.“, dachte ich bei mir. Und für den Moment war alles gut.

Allmählich kam der Sommer. Es wurde Zeit, mich wieder auf die Arbeit vorzubereiten. Ich begann damit Valentin abzustillen, und wieder regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen sowie Elternabenden teilzunehmen. Robert war zur Verlaufskontrolle für mehrere Wochen im Krankenhaus. Meine Schwiegereltern unterstützten mich derweil.

So kam es auch, dass sie mich zum diesjährigen Kindergartenfest begleiteten. Obgleich ich erst zum neuen Kindergartenjahr offiziell arbeiten würde, wollte ich trotzdem beim Fest dabei sein. Und natürlich wegen Olivia, die dort ihren ersten Auftritt haben sollte.

Meine Schwiegereltern steuerten einen schönen Platz an, dicht bei der Wiese, wo die Aufführung stattfinden würde. Während sie mit Valentin dort auf mich warteten, brachte ich Olivia in ihre Gruppe.

Alle Kinder sammelten sich dort. Ein letztes mal wurde gesungen, Tanzschritte vertieft und Kostüme angezogen. Es war ein Gewusel und Gewimmel. Überall im kleinen Raum drängten sich Eltern und Kinder, Erzieher und Presseleute aneinander.

Aber das beeindruckte unsere Tochter gar nicht. Schnurstracks ging sie auf ihre Erzieherin Frida zu, die ihr schon mit dem Sonnenkostüm winkte.

Gut. Da ich nicht mehr gebraucht wurde, trollte ich mich wieder nach draußen, zu unserem Platz.

Inzwischen hatten sich viele Menschen rund um die Wiese versammelt und warteten auf die Festeröffnung. Ich ließ meinen Blick durch die Menge schweifen. Viele bekannte Gesichter, die mir zulächelten. Mittendrin Mike und Paula.

Ohne es wirklich zu wollen, musterte ich die beiden. Paula sah etwas fülliger aus, als sonst. Ihr sonst eher knabenhafter Körper, wirkte weich und weiblich. Da waren tatsächlich Rundungen. Und nicht nur das. Da war auch ein Bauch! Ein Babybauch!

Bei der letzten Begegnung auf dem Frühlingsfest war mir noch nichts aufgefallen. „Warum ist sie auf einmal schwanger???!“, schallte es sichtlich empört in meinem Kopf. Was sollte das?

„Nein Polly!“, ermahnte ich mich. „Was soll das, was du gerade machst! Das geht dich alles doch gar nichts an! Was nimmst du dir heraus? Warum ist sie wohl schwanger!“ Ich ballte meine Hände zu Fäusten und versuchte wieder Herr über mich und meine Gefühle zu werden.

In diesem Moment ertönte die Musik, und die Kinder traten ins Freie.

Alle waren in hübsche Kostüme gesteckt. Es gab Sonnen- und Sternenkinder, Mond- und Regenbogenkinder. Jede Gruppe tanzte und spielte ein kleines Stück für das begeisterte Publikum.

Auch Olivia brillierte bei ihrem Part, sie strahlte über das ganze Gesicht, während sie tanzte und sang.

Nach der Aufführung stupste mich jemand an  die Schulter. Es war Paula. „Deine Kleine war wirklich soooo niedlich, Polly. Da merkt man deine Gene!“

„Lina und Lennart waren aber auch toll,“ erwiderte ich. Und setzte mit einem Blick auf ihren Bauch hinzu: „Sie freuen sich sicherlich schon auf das Geschwisterchen. Freut mich für euch!“

Paula schlang ihre Arme um meinen Hals. „Oh ja. Lennart zumindest. Es wird ein Brüderchen. Lina ist da noch skeptisch. Aber du weißt ja wie Kinder sind. Ich muss jetzt mal die zwei suchen. Mike wollte sie eigentlich holen. Aber du kennst ihn ja, man kann ihn nicht aus den Augen lassen!“

Bei diesen Worten gluckste sie in sich hinein und verschwand in der Menschenmenge. Valentin wimmerte im Wagen. Für ihn war es Zeit zum Essen. Etwas weiter hinten kamen schon meine Schwiegereltern mit Olivia, die sie nach ihrem Auftritt aus der Gruppe geholt hatten.

Und noch weiter hinten waren Mike und seine Familie. Sie verließen gerade das Fest, und ich konnte mich getrost den Leckereien zuwenden. Die Luft an den Ständen war rein.

Eure Polly

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