Seelenlolly: Spiegelblick

Spiegelblicke offenbaren nichts.
Wie oft sind sie blind.

Zeigen dir nur deine Hülle.
Aus Fleisch und Haut.
Fahl und bleich.

Trübe Augen lächeln trotzig.
Tapfer schlucken sie die Tränen.

Leeres Herz, verbrauchte Seele!
Ausgemergelt stehst du da.
Kraftlos und müde.

Dein Beine schleppen sich voran.
In den neuen Tag.

Jeder Schritt ist eine Qual.

Nichts hören, nichts sehen, nichts denken…
Nichts!

Schlafen…
den Seelenwinter…
verschlafen…
Wegschlafen!

Ohne Ziel.
Ohne Sinn.

Dein Körper zehrt vom bitteren Trank,
gebraut aus Trauer und Schmerz.

Vor dir liegt noch immer das Gestern
und nicht das Morgen.
Wie eine dicke Mauer versperrt es den Pfad.
Gibt die Sicht nicht frei.

Dem Heute weichst du aus.

Jeder neue Augenblick verschnürt
dich mehr und mehr.
Ein Wirrwarr aus Kälte und Angst.

Gleicht einem Strudel,
der dich in seinen Schlund hinunterzieht.
Erbarmungslos!
Immer tiefer.
Ohne Halt!

Es ist, wie es ist!

Ergibst du dich?
Hisst du die weiße Fahne?
Grausame Ewigkeit?!

Nein!

Manches könnte anders sein.
Das weißt du!
Du erinnerst dich.
Auch ungewollt.

Vages Licht.
In weiter Ferne zwar,
doch es ist da.

Mach dich auf den Weg!

Du kannst es schaffen!
Machtlos bist du nicht.

Sieh dich an!
Schau in dein Herz!

Es ist schwer Mut zu fassen.
Um auf der Suche nach uns selbst,
den Spiegel unserer Seele zu erkennen.

Und doch ist es möglich!

Hier und jetzt neu zu beginnen. 

Nicht länger blind zu sein.

Versuche es!
Du bist es wert!

Polly

Dies ist mein neuer Beitrag zum *txt-Projekt von Dominik Leitner 

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12 Gedanken zu “Seelenlolly: Spiegelblick

  1. Du sagst, beschreibst es , es gibt einen Weg aus der Depression, und den findest du am besten und ehesten selbst. Du allein und ehrlich mit dir selbst, weil nur du wirklich hinter die Fassade gucken kannst, aber auch willst.
    Mich spricht das Poem an, weil es eigene Erfahrung widerspiegelt.

    Gefällt 1 Person

  2. Spiegelblicke offenbaren nichts?!?! Da widerspreche ich aber mal mit allem Nachdruck.
    Ist es nicht viel mehr so, dass sie uns UNS offenbaren, wenn wir es zulassen? WENN. Dieses Wenn ist das Problem! Es schmerzt, im Spiegel zu sehen, wie man auch ist – wir sind nicht immer nur gut, erfolgreich, liebenswert, schlagfertig, treu, sympathisch, klug… – der Spiegel lässt uns tiefer schauen bis dorthin wo die dunklen Seiten unserer Gedanken und Gefühle liegen. Wir wollen sie ungern sehen, weil diese Seite an uns wenig geliebt und unbequem ist. Wenn man sie erblickt, muss man sich damit auseinandersetzen und sich eben auch SO akzeptieren, also ist der einfache Weg oftmals der, den Spiegel zum Blindsein zu verdammen…

    Gefällt 1 Person

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