Polly im Familienglück, die Zweite

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Jetzt waren es nur noch vier Wochen bis zur Geburt unseres zweiten Kindes. Mein Bauch war so dick, dass ich Gefahr lief, jeden Moment nach vorne überzukippen.

Wenn ich es nicht besser wusste, hätte man meinen können, ich trüge mindestens Zwillinge unter dem Herzen.

Ja…Zwillinge.

Nach meinem letzten, peinlichen Auftritt Mike gegenüber, hatte ich nur noch wenige Tage Dienst gehabt. Während dieser Zeit war Mike nicht mehr ins Haus gekommen. Dann begann mein Mutterschutz.

An meinem letzten Arbeitstag überreichte mir der Elternbeirat einen Präsentkorb, gefüllt mit niedlichen und nützlichen Baby-Sachen. Ich war gerührt! Zwischen all den Lätzchen, Puder, Cremes und Rasseln steckte ein Kuvert. Darin befand sich eine Karte mit den Unterschriften aller Eltern.

Eng gedrängt stand dort Name für Name. Die Eltern hatten jeden Winkel der Karte ausgenutzt. Hastig überflog ich die Namen. Alle Eltern? Mikes Familie fehlte…

Das gab mir einen kleinen Stich. Aber warum eigentlich? Er gehörte nicht zu mir, und ich nicht zu ihm. Außerdem hatte ich ihn ganz schön geärgert, deshalb versuchte ich, meine Enttäuschung hinunterzuschlucken. Außerdem durfte ich mir nichts anmerken lassen.

Die Elternschaft bestand schließlich nicht nur aus Mike. Und die anderen hatten kein sauertöpfisches Gesicht zum Abschied verdient.

Ich bedankte mich herzlich und versprach, ganz oft zu Besuch zu kommen. Dann fuhr ich nach Hause.

Das Ende der Schwangerschaft verlief ebenfalls ohne Probleme. Robert und ich warteten jeden Tag ungeduldig auf den Startschuss ins Krankenhaus. Wir warteten und warteten… Aber es tat sich nichts. Unser Sprössling fand es anscheinend sehr gemütlich in meinem Bauch und scheute die Novemberkälte. Robert und Olivia kümmerten sich nach Leibeskräften um mich und das Baby.

Olivia hielt ihre Händchen auf meinen Bauch und redete auf ihr Geschwisterchen ein: „Tomm laus, tomm doch laus!“ und dann hielt sie ihr Ohr an meine Kugel um zu hören, ob da eine Antwort kam. Nichts. Also streichelte sie sacht darüber. „Läft noch.“ Schnell lief sie in ihr Zimmer und legte ihre Puppe ins Bett.

Es war schön zu sehen, wie sich unser Engel auf den Nachwuchs freute. Es würden sicher auch andere Zeiten kommen, wenn das Baby erst einmal da war.

Robert ließ mir gerade ein kühles Fußbad ein, als ich einen kleinen Rinnsal zwischen meinen Beinen spürte. „Verdammt!“, dachte ich. „Jetzt schaffst du es nicht mal mehr bis zum Klo…“ Als ich mich erheben wollte spürte ich einen drängenden Schmerz. Das war gar kein Pipi! „Es geht los, es geht los!“, schrie ich. Robert flitzte auf mich zu, die Reisetasche in der Hand. „Ich glaube die Fruchtblase ist schon geplatzt.“

Ohne zu zögern griff Robert nach dem Telefon und orderte seine Mutter als Babysitter und meinen Vater als Fahrer.

Mit viel Aufregung und TamTam ging es eilend in die Klinik. Dort ging alles ruckzuck.

Kaum waren wir angekommen, wurde ich in den Kreißsaal gebracht. Robert folgte mir auf dem Fuß und hielt meine Hand. Unser Sohn fackelte nicht lange und flutschte nur so hinaus in die Welt.

Keine Sekunde zu spät. Es war wie im Traum und ging so schnell, dass ich Schwierigkeiten hatte alles zu realisieren. Aber als unser keiner Sonnenschein auf meine Brust gelegt wurde spürte ich, dies alles war Wirklichkeit! Wir waren wieder Eltern geworden! Ein kleiner süßer Junge schnaufte ruhig auf meiner Haut.

Robert verdrückte ein paar Tränen der Rührung. Saft streichelte er das kleine schrumpelige Händchen. „Willkommen kleiner Mann, willkommen in unserer Familie“, flüsterte er und küsste mich sanft auf die Stirn. „Danke Polly, er ist großartig! Du bist großartig! Meine Familie. Ich liebe euch.“

„Wir lieben dich auch.“, antwortete ich leise.

Ja, das taten wir. Olivia und ich. Und dann auch Valentin. Jetzt waren wir komplett.

Am nächsten Tag kam Olivia mit Omas und Opas um ihr Brüderchen zu sehen. Alle waren entzückt und konnten sich gar nicht an ihm satt sehen. Olivia beäugte ihren Bruder etwas skeptisch, bevor sie ihre Lippen spitzte. „Pssst, läft noch.“ sagte sie. Und dann krabbelte sie in mein Bett um mit mir zu kuscheln.

Robert und ich hatten uns vorgenommen, Olivia an allem teilhaben zu lassen. Von Anfang an. Robert hatte mit ihr zuhause schon alles für Valentin vorbereitet. Neben dem Wickeltisch hatte er noch ein extra Tischchen aufgestellt, auf dem Olivia ihre Puppe versorgen konnte. Mit Puppenwickelauflage und Körbchen mit den wichtigsten Utensilien für Puppenbabys.

Dann hatten beide alles mit Windeln befüllt, Kleidung bereitgelegt, Cremes und alles was man noch so braucht, als Vater und als Puppenmutti.

Alles war bereit für unser Familienglück. Wir konnten Valentin Hause bringen. Und es war ein wunderbares Gefühl.

Polly

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2 Gedanken zu “Polly im Familienglück, die Zweite

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