Kokett…oder, Polly geht zu weit

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Die Zeit verging wie im Flug, und ich wurde zusehends runder. Meine Schwangerschaft genoss ich in vollen Zügen. Alles war perfekt. Ich fühlte mich großartig und sexy. Robert verwöhnte mich nach Strich und Faden. Er ließ keine Gelegenheit aus, mir Komplimente zu machen. Auch an Liebkosungen mangelte es mir nicht. Unser Sexleben war so leidenschaftlich, wie schon lange nicht mehr.

Es gab Tage, da konnten wir es kaum erwarten, dass Olivia endlich schlief. Dann machten wir unser Schlafzimmer unsicher. Robert gab mir das Gefühl, die begehrenswerteste Frau der Welt zu sein. Und das strahlte mir auch aus allen Poren.

Irgendetwas hatte ich an mir, was mich anscheinend trotz Melonenkugel ziemlich attraktiv machte. Vielleicht war es das Dauergrinsen auf meinem Gesicht, die vor Glück strahlenden Augen oder meine Hammeroberweite…?

Jedenfalls verfolgten mich hier und da auch die Blicke anderer Männer.

Und die von Mike.

Das ging runter wie Öl. Im Kindergarten merkte ich, wie er sich verstohlen nach mir umschaute. Meinen Bauch mit Blicken fixierte, Po und Busen mit den Augen verschlang. Irgendwie turnte mich das an, und ich begann mit ihm zu spielen. Immer wenn er in der Kita war und ich mitbekam, dass er mich mit seinen Blicken verfolgte, stellte ich  mich noch ein bisschen perfekter in Pose.

Klimperte ganz ohne Hintergedanken mit den Wimpern, kickte unschuldig meinen Po, streckte meine Brust noch etwas weiter nach vorn um meinen Rücken zu strecken….alles begleitet von einem leicht lasziven Lächeln auf meinen vollen Lippen.

Eines Nachmittages beim Abholen der Zwillinge aus der Sammelgruppe, lief ich betont langsam an Mike vorbei um meine Jacke zu holen. Dabei löste ich wie zufällig meinen Dutt und schüttelte mein Haar. Ich hatte in wenigen Minuten Feierabend. Als ich weiter auf die Tür zuging, spürte ich Mikes Blick. Auf meinem Rücken, auf meinem Hintern. Kokett drehte ich mich um und verabschiedete mich in den Raum hinein, nicht ohne noch einmal sinnlich in die mokkabraunen Augen zu schauen. Es war nur ein kurzer Blick.

Mikes Augen verdunkelten sich und funkelten mir gefährlich nach. Oh, oh…! Plötzlich überkam mich ein mulmiges Gefühl. Hastig lief ich zur Garderobe, wollte mich schnell anziehen und das Haus verlassen, als meine Blase drückte.

Mist! Gerade jetzt!

Als ich das stille Örtchen verließ, wurde ich noch kurz von einer Mama aufgehalten, die wissen wollte, wann es bei mir denn endlich soweit sei. Ich redete kurz mit ihr und versuchte dabei krampfhaft, nicht so schnell angebunden zu wirken. Im Gang hörte ich Lina und Lennart mit Mike. Sie waren beim Anziehen und ich hatte den Drang zu flüchten.

Mikes Blick brannte mir noch auf der Seele. Endlich ließ die Mutter von mir ab und ich zog schnell meine Schuhe an.

Doch zu spät. Mike und die Kinder waren schon vor der Tür bei ihrem Auto. Die kleinen wurden gerade angeschnallt. So unbeteiligt wie möglich versuchte ich mich an ihnen vorbeizuschleichen, als mich plötzlich eine Hand unsanft am Arm packte.

„Polly, was soll das!“, presste Mike durch die Zähne. Seine Stimme war schneidend wie ein Schwert. Mokka-Augen blitzten mich wütend an.

Ich versuchte mich aus seinem Griff zu herauszuwinden. „Was meinst du? Lass mich los, ich hab keine Ahnung, von was du sprichtst!“

Mike trieb mich ein Stück weiter, hinter die Buchenhecke. Dann griff er nach meinen Schultern und drehte mich so, dass ich ihn ansehen musste. Sein Atem ging schnell und er rang nach Worten, aber es kam nicht viel.

Keine Grübchen auf seinen Wangen, kein verschmitztes Lächeln lag auf seinem Gesicht. Nur Wut. „Du weißt genau wovon ich spreche, tu nicht so unschuldig!“

Ruckartig ließ er von mir ab und stapfte zum Auto. Seine Hand fuhr durch sein Haar. Ich stand wie angewurzelt da, starrte ihm nach. Was war das? So außer Rand und Band hatte ich Mike noch nie gesehen. Noch nie hatte er so barsch mit mir gesprochen. Noch nie!

Sein Auto brauste an mir vorbei und ich schwor mir, ihm die letzten Tage vor meinem Mutterschutz aus dem Weg zu gehen. Ich hatte ihn absichtlich gereizt. Natürlich wusste ich es. Hoffentlich war das sonst keinem aufgefallen.

Wie konnte ich nur?!

Ich schämte mich vor mir selbst. Als ich zuhause ankam wartete Robert mit einem romantischen Abendessen auf mich. Da schämte ich mich noch mehr.

Die letzten Tage im Kindergarten vergingen ohne weitere Zwischenfälle. Paulas Kinder wurden von der Oma gebracht und geholt. Mike ließ sich nicht  mehr blicken. Ich hatte also keine Chance, mich für mein kindisches Verhalten zu entschuldigen. Das nagte an mir.

Die nächsten Monate würde ich ihn nicht mehr sehen, nicht mehr sprechen können. Bis ich die Kita wieder betreten würde, würde fast ein Jahr vergangen sein. Die Zwillinge würden dann in eine unserer Regelgruppen kommen.

Es gab mittlerweile vier davon…

Vielleicht ginge der Kelch nun doch an mir vorüber… vielleicht war ich ja zu kokett gewesen…

Polly

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32 Gedanken zu “Kokett…oder, Polly geht zu weit

  1. *schmunzel* Das war nicht fair, sagst du ja selbst, aber andererseits hätte er nur wegschauen müssen, das ist ganz einfach, WENN man es will. Dass du ihm gefällst, ihn offensichtlich anmachen kannst, sogar mit dem Kind eines anderen Mannes im Bauch, okay, das mag menschlich -männlich- sein, zeigt doch: auch bei ihm lief etwas fremdgesteuert.
    Du hast dich dafür geschämt danach, und gut ist es. Über das Waswärewenn nachzugrübeln bringt nichts mehr, allerdings kann mir das Gefühl nicht verwehren, dass du uns noch so manche Überraschung bieten wirst. 🙂

    Gefällt 3 Personen

    • Danke für dein Kommentieren! Ja, ich habe mich geschämt… ich bin eigentlich überhaupt nicht fies und gemein. Aber ich glaube, es hat mir auch gefallen, wie er mich mit den Blicken fast verschlungen hat… dass ich ihn so sehr in die Bredouille bringe, wollte ich nicht. Aber es nahm so seinen Lauf.
      Ja, es ist noch viel geschehen zwischen uns. Auch überraschendes. Ich bin ja gerade einmal kurz vor der Mitte meiner Erzählungen angelangt. Und es geht immer noch weiter…. Da ist noch viel Raum für neues. Trauriges und hoffentlich auch Schönes 🙂
      Liebe Wochenendgrüße, Polly 🙂

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  2. Liebe Polly, das war doch völlig ok, da gibt’s eigentlich nix zu schämen 😉 Die pure Lebensfreude brauchtest Du nicht verstecken. Warum solltest Du nicht mit anderen Menschen Spass haben? Und: sicher waren das auch die Hormone, aber die helfen ja nur, stimmungen auszudrücken, die sowieso da sind. Hab Mut zu Dir zu stehen!

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  3. Armer Mike!
    Selber schuld wenn man seine Gefühle nicht zeigen kann?
    Damals, noch vor Robert, hättet ihr ja zusammen kommen können. Nur ein wenig mehr Fähigkeit, Gefühle zu zeigen. Etwas weniger Macho-Prägung auf seiner oder etwas weniger Prinzessinnen-Prägung auf deiner Seite und er hätte sich später nicht eine andere kleine zierliche Frau nach deinem Vorbild suchen müssen. Und jetzt muss er dich immer wieder sehen. Ich bin damals in ein anderes Bundeland geflohen, um meine große Liebe nicht immer wieder zu sehen. Er kann nicht ausweichen und reißt seine und deine Wunden immer wieder auf. Und seine Klara weiß es auch. Seit sie damals erfahren hat, dass ihr euch kennt, weiß sie, dass sie nur der Ersatz für dich ist. Zumindest ahnt oder fürchtet sie es.
    Selber schuld? Egal.
    Armer Mike, arme Paula, arme Polly.

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