Polly und der Zeh

feet-717507_640

Eigentlich bin ich mit mir im Großen und Ganzen recht zufrieden. Auch mit meinem Körper. Es gibt kein Körperteil, das mich wirklich an mir stört. Jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne.

Mein Bauch ist flach, mein Po noch recht knackig und mein Busen für mein Alter auch noch recht passabel.

Ich finde meinen Mund ganz hübsch und meine Augen… gut. Meine Beine könnten ein wenig länger sein… insgesamt ein bisschen größer…aber sonst, alles in Butter.

Nur manchmal. Da stehe ich mit einem bestimmten Körperteil auf Kriegsfuß, welches mich schon so oft geärgert hat. Um nicht zu sagen, es bringt mich regelmäßig zur Weißglut. So unscheinbar und klein, ist es ein echter Störenfried.

Mein rechter kleiner Zeh!

Es ist nicht so, dass ich ihn überhaupt nicht mag. Nein. Vielmehr scheint er mich nicht zu mögen. Er hat ein seltsames Eigenleben. Ich weiß nicht, was ich ihm getan habe, aber sympathisch bin ich ihm anscheinend nicht. Egal wo ich mich bewege, ich laufe immer Gefahr, das er mir eines auswischt.

Seine größte Waffe hierbei scheint eine Art Magnetismus zu sein.

Er findet nämlich vieles äußerst anziehend. Türrahmen, Stuhlbeine, Treppenkanten, Schrankecken, Bettpfosten, ….alles was mir so richtig weh tut, wenn er dagegendonnert.

Ein Liedchen kann ich davon singen, im wahrsten Sinne des Wortes. Meistens treibt er sein übles Spiel noch auf die Spitze, in dem er kurze Zeit später noch ein weiteres mal die selbe Türkante küsst!

Es ist schier zum Verzweifeln mit ihm. Ich frage mich, gefällt es ihm etwa? Tut ihm das nicht selber weh? Bestimmt, denn ich merke es ja! Es tut weh wie Sau! Aber es scheint ihn nicht zu beeindrucken. Er lernt einfach nicht aus seinen Abenteuern. Ich habe ihm schon gesagt: „Hör auf damit! Du wirst nicht besser davon!“ Aber anscheinend ist er taub.

Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft er schon die Form und Farbe einer reifen Zwetschge angenommen hat. Wahrscheinlich scheint er sich in diesem Zustand noch besonders hübsch zu finden, obwohl Lila doch gar nicht mehr so in Mode ist…

Manchmal bin ich mir gar nicht sicher, ob er in seinem Inneren überhaupt noch Knochenmasse besitzt. Wenn er wie so oft, einfach dumm an meinem Fuß rumhängt. Da scheint er mir recht wabbelig zu sein.  Vielleicht hat sich der Knochen auch mittlerweile sicherheitshalber verabschiedet. Wer will schon dauernd brechen…

Ich habe mir schon überlegt, mich von meinem Zeh zu trennen, denn außer nutzlos und anziehend von meinem Fuß wegzusterzen, hat er keine besonderen Talente. Aber das bringe ich dann doch nicht übers Herz.

Nur wenn er weiter so macht, muss es Konsequenzen geben, das steht fest. Auf Dauer mach ich den Zirkus nämlich nicht mehr mit.

Neulich hat er sogar schon den linken kleinen Zeh, der sonst eigentlich immer recht artig war, zu Unfug angestiftet! Und das geht dann doch zu weit. Zwei von der Sorte ertrage ich nicht! Natürlich haben sich die beiden dezent ausgeschwiegen, als ich sie mir deswegen zur Brust nahm. Typisch. Die beiden halten zusammen, wie Pech und Schwefel.

Da hatte erst mein rechter kleiner Zeh nichts besseres zu tun, als bei schönstem Sommerwetter mit voller Wucht gegen das Trampolin meines Sohnes zu latschen. Nein! Nach exzessiver Kühlung im Gartenteich stolperte dann, auf dem Rückweg ins Haus, der linke kleine Zeh elegant über die etwas zu hohe Türschwelle. Er hat dabei ganz schön geknackst…

Nach meinem Veitstanz und lautem Gejohle konnte ich sekündlich die fortschreitende Metamorphose meiner Zehen in zwetschgenartige Gebilde beobachten. Ja, da sind sie schnell, im Schwellen! Und das Farbspektrum welches sie dabei entfalten ist bombastisch…da bringt auch ein eiskaltes Fußbad nicht mehr viel. Es klopft danach nur noch ein wenig mehr im Zeh als ohnehin…

Aber egal. Ich kann nicht sagen, welcher Zeh von beiden nun hübscher aussieht. Auf jeden Fall sind sie beide von knalligem Purpur, und einer knubbeliger als der andere. Wobei der Rechte, als Geübterer von beiden, nicht gar so unförmig geschwollen erscheint.

Vielleicht sollte ich einfach einmal auf meine Tochter hören, und ihren Ratschlag beherzigen, der da lautet: „Mensch Mama, zieh dir doch auch lieber immer deine Schuhe an!

Eure Polly, mit den zur Zeit bunten Zehen…. 😀

Advertisements

27 Gedanken zu “Polly und der Zeh

  1. Sehr witzig geschrieben, trotz der Schmerzen 🙂 Als mir das eine Zeitlang passiert ist, habe ich auch an die böse Eile und schlechtes Zeh-Karma geglaubt, aber …, nach dem Besuch eines Optikers hatte sich das Problem gelöst, denn nicht der Zeh war schuldhaft beladen, sondern Hirn und Auge hatten zu knapp kalkuliert, sagt jedenfalls die Brille 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Mein linker Zeh kann was, was der rechte nicht kann:
    Er kann sich nämlich abspreizen und winken kann er auch. Ich habe noch nie probiert, mit dem linken Fuß höchst damenhaft eine Tasse Tee zu halten. Mit abgespreiztem linken Zeh…
    Dieser winkt Dir nun freundlich zu und bittet um Nachsicht mit den kleinen Querulanten, die so oft in Schuhe gequält werden und auch ansonsten wegen ihrer Winzigkeit kaum Beachtung finden.
    Dein Beitrag lässt sie schwellen. Vielleicht vor Stolz? Dass sie auch mal erwähnt werden?
    Dein rechter kleiner Zeh scheint mir ein Revoluzzer zu sein.
    Kühle ihm mit einem Eisbeutel das Mütchen, dann ist er bald wieder dem Rest von Dir wohlgesonnen.😉

    Gefällt 3 Personen

Was sagst du dazu? Bin sehr gespannt :-)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s