Polly schiebt Panik…

So geschehen vor ein paar Wochen:

Der Wecker klingelt.

Ach nöööö! Bitte nicht…. Genüsslich bleibe ich noch einige Zeit unter der Decke, strecke und recke ich mich wie eine Katze. Über Nacht scheine ich Wurzeln geschlagen zu haben, eigentlich wie immer, wenn ich diese weiche ,warme und bequeme Mulde verlassen soll.

„Nützt aber nix Polly!“, ermahne ich mich und bereite mich seelisch und moralisch schon einmal auf die kalte Schlafzimmerluft vor. Dann schäle ich mich widerwillig aus dem Bett und schlüpfe schnell in meine dicken Filzpantoffel.

Verschlafen tapse ich in die Küche und werfe die Kaffeemaschine an. Noch ein paar Minuten, dann heißt es vorsichtig die Kinder wecken, und hoffen, dass ich von Morgenmuffelstimmung weitestgehend verschont bleibe. Ein ganz normaler Morgen also. Alles geht seinen gewohnten Gang. Die Kinder sind gerade zur Tür hinaus, da fällt mein Blick auf den großen Kalender, der hier prangt.

„Polly Zahnarzt 10.30“ steht fett und rot im heutigen Kästchen.

Oh nein! Meine Nackenhaare stellen sich auf, mein Puls beschleunigt etwas. „Nur die Ruhe, du hast es bis jetzt immer überlebt, er hat doch noch nie was Großes gemacht.“ Beruhigend murmle ich die Worte wie ein Mantra vor mich hin.

Oh was bin ich für ein Schisser! Ich habe eine absolute Zahnarztphobie. Ich weiß gar nicht, wie ich mir die eingefangen habe, ich kann mich auch nicht erinnern, dass es jemals anders war. Trotzdem bin ich jedes mal tapfer, ich weiß natürlich dass an den Vorsorgeterminen nichts zu rütteln ist. Denn noch gruseliger als der Mann im weißen Kittel ist eine meine Mundhöhle, die sonst irgendwann vielleicht einmal eher einem Steinbruch gleicht als einem gesunden Gebiss.

Deshalb gehe ich natürlich hin. Auch heute werde ich es tun.

Auch wenn ich Schiss habe.

Kurze Zeit später sitze ich am Tisch. Vor mir eine Schüssel frischer Joghurt mit Früchten. Er mag mir heute gar nicht schmecken. Leichte Übelkeit macht sich in der Magengegend breit.

Und höre ich da nicht ein schleifendes Geräusch? Rieche ich nicht schon diesen Geruch nach Mundwasser und Zahnpasta und Plombenmasse? Quatsch!

Da kann einem ja auch der Appetit vergehen. „Nur nicht panisch werden, du hast noch Zeit. Alles Einbildung.“, tröste ich  mich und schnappe mir die Zeitung. Auf der Lokalseite sticht mir sofort die Anzeige einer Praxisneueröffnung ins Auge. Kieferchirurg Blaschke wird nun den elitären Kreis der Weißkittel in unserer Stadt bereichern. Prima.

Ich blättere weiter und schaue auf einen Haufen grinsender Zahnlückengesichter: Die erste Klasse hat dem Dentisten in der Nachbarschaft einen Besuch abgestattet. Ich stöhne: „Steht denn heute nur Mist in der Zeitung?“ Frustriert spitze ich auf die Uhr. Zeit fürs Bad, gleich schon halb zehn. Also gut.

Unter der Dusche versuche ich übertrieben laut und fröhlich zu trällern. Das hilft mir oft, wenn ich aufgeregt bin, glaube ich zumindest. Das lenkt super ab. Meistens. Ich denke einfach gar nicht mehr daran und schlüpfe in meine Klamotten.

Ab zum Waschbecken und Zähne putzen . Ach ja…da war doch was….

„Putz Polly, putz. Heute extra superduper gründlich.“ halte ich mich an. Ich bilde mir immer ein, das hilft mir auch mich zu beruhigen und bei soooo sauberen Zähnen wird doch auf keinen Fall gebohrt….oder?

Ok. Kurz nach zehn. Ich glaub ich muss nochmal schnell aufs Klo, und Durst hab ich auch. So, alles erledigt.

„Komm schon Polly, sei kein Frosch! Schuhe an, Jacke an und auf geht’s!“ Ja, auf geht’s aber erst geh ich doch noch mal für kleine Mädchen. Nur zur Sicherheit….

Happy End oder Desaster…. ? Morgen geht’s weiter 🙂Zahnarzt, Zahnbürste, Zahnpflege, Hygiene, Zahnmedizin

Eure Polly

 

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16 Gedanken zu “Polly schiebt Panik…

  1. maidenincyberspace schreibt:

    Ich mache das auch alle 6 Monate mit….aber beim nächsten Mal weiß ich genau dass er was findet…sag ich ihm schon ganz lange..:(
    und das wird dann teuer…….

    Gefällt 1 Person

  2. Oha, das hört sich Wort für Wort nach mir an. Genau so geht es mir auch immer. Ich war letzte Woche, weil ein Stück Füllung weg war und beichtete der Assistentin, dass ich auch nach über zehn Jahren bei ihnen noch jedes mal Angst hätte. Sie sagte, ihr gehe es genauso. Na dann…
    Polly, wir sind nicht allein!

    Gefällt 2 Personen

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