Polly im Glück….der eisblaue Nachtisch

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Es machte mich glücklich zu sehen, wie sehr Robert meine Überraschung genoss. Es war mir gelungen, die Schatten der vergangenen Monate für einen Moment verblassen zu lassen. Während wir am Tisch saßen und aßen, flirteten wir miteinander, als ob es unser erstes Date gewesen wäre.

Ja, das war mein Mann. Aber er hatte sich verändert. Jetzt wo wir in Ruhe miteinander sprachen, wurde es mir erst richtig bewusst. Sein Gesicht war durch die Medikamente geschwollen, seine Augen hatten dunkle Ränder. Es fiel ihm schwer auszudrücken, was er sagen wollte, obgleich er fröhlich wie immer war. Er lobte mein Essen und das Ambiente, war ausgelassen und charmant.

Doch die Worte kamen nicht flüssig über seine Lippen, und er musste länger nach ihnen suchen. Manches wiederholte er oft, und seine Bewegungen wirkten langsamer als sonst. 

Und doch, es war und blieb mein Robert. Ich liebte ihn. So oder so.

Er zwinkerte mir aufmunternd zu, als er merkte, dass ich in Gedanken war.

„Hey, welcher Fremde hat sich in deinen Kopf geschlichen?“, scherzte er. „Soll ich ihn zum Duell herausfordern, Prinzessin?“

„Nein, Nein, nicht nötig. Du bist es doch selbst, der mich träumen lässt.“ Ich lächelte verschmitzt und lupfte ein wenig den schwarzen Stoff auf meiner Schulter, so dass die eisblaue Spitze zum Vorschein kam.

„Dessert gefällig?“, hauchte ich.

„Aber immer doch!“ Robert schmunzelte in sich hinein. Dann stand er auf, nahm meine Hand und führte mich zur Couch. Wir kuschelten uns aneinander und labten uns an dem eisblauen Nachtisch.

Er „schmeckte“ herrlich, nach Liebe, Erlösung, Begierde, Hoffnung, Zusammenhalt… und eine Portion war uns an diesem Abend noch lange nicht genug. Wir liebten uns ausgiebig. Ich hatte es vermisst. Ich hatte ihn vermisst.

Robert bebte unter meinen Händen und er hatte alle Mühe sich zurückzuhalten. Er wollte mich verwöhnen. Wie er es immer wollte. Ihm lag immer viel an meiner Erfüllung. Er wollte, dass ich auf meine Kosten komme. Aber heute fiel es ihm schwer. Nach langer Zeit der Enthaltsamkeit.

Mir war es gleich, wir brauchten nicht lange zu fackeln. Ich wollte ihn in Ekstase sehen. Ich drehte Robert auf den Rücken und setzte mich auf seine Hüfte. 

Auf dem Sofa war es etwas eng, aber das störte uns nicht. Ich bewegte mich rhythmisch auf seinem Schoß. Die eisblaue Wäsche hatte ich noch nicht abgelegt. Langsam öffnete ich meinen BH und nahm ihn ab. Noch bevor Robert meine Brüste liebkosen konnte legte ich den BH auf seine Augen.

„Fass mich nicht an.“ sagte ich nur. Dann zog ich mein Höschen zur Seite und ritt ihn bis seine Hände gierig nach mir griffen und mich fester auf ihn pressten. Dann zuckte er unter mir. Es war ein kurzer Auftakt, aber es war gut. Auch für mich. Und es war nur der Anfang… 

Was für ein süßes Dessert…eine Portion war uns an diesem Abend noch lange nicht genug.

Ausgiebig liebten wir uns, bis alle Sehnsucht verflogen war. Wir brauchten einander.

Erschöpft hielten wir uns im Arm.

Bevor wir zu Bett gingen, tranken wir noch ein Gläschen Wein. Wir lagen immer noch nackt zusammen und lauschten der Musik aus der Stereoanlage.

Ich stützte mich auf und betrachtete meinen Mann von Kopf bis Fuß. Seine Brust hob und senkte sich sacht. Seine Augen waren auf mich gerichtet. Sanft küssten meine Lippen  seine Nase. Ich hatte ihn wieder und das würde so bleiben, auch wenn manches anders sein würde. Ich würde mich um ihn kümmern, ihm helfen und nach und nach würde alles Schlimme vergessen sein. 

„Danke Polly.“, sagte er plötzlich. „Danke, dass du zu mir hältst. Als ich im Krankenhaus war, hatte ich große Angst, dich zu verlieren.“ Er wischte sich die Augen. „Ich merke selbst, dass ich anders geworden bin. Nicht nur körperlich. Es wird nicht leicht. Ich werde mich bemühen, Polly. Für uns beide. Ich verspreche es.“

„Psst, alles wird gut. Mach die keine Sorgen.“ Ich legte den Finger auf seinen Mund. Während ich diese Worte sprach, fühlte ich eine große Verantwortung in mir aufsteigen. Keine Frage, ich würde sie annehmen.

Als wir beide wenig später nebeneinander im Bett lagen, ließ ich diesen Tag noch einmal Revue passieren.

Der Einkauf, die Begegnung mit Paula und Mike, das Ankommen meines Mannes, und ich fühlte mich mit all dem zuhause. Hier neben Robert.

Mike und ich, wir hatten beide ein neues Kapitel im Leben aufgeschlagen. In unterschiedlichen Büchern. So war es. Und das war gut. Mit geschlossenen Augen horchte ich auf den Atem meines Mannes, dann betete ich zu Gott und dankte ihm für seine Güte. Dass er uns nicht im Stich gelassen hatte. Sondern bei uns war.

Als der Schlaf mich überkam, fühlte ich, dass dies mein Glück und meine Zukunft war.

Ich glaubte fest daran.

Eure Polly

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16 Gedanken zu “Polly im Glück….der eisblaue Nachtisch

  1. Liebe Polly,
    diese Geschichte (oder besser Kapitel?) ist wie alle deine anderen ganz wunderbar zu Lesen. Der flüssige Schreibstil wirft unmittelbar das Kopfkino an. Ich freue mich auf/über jede Fortsetzung 🙂
    <3liche Grüsse, Xaver

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  2. Ja Mike gibt es und wird es wohl immer geben in deinem Kopf und in deinem Herzen. Auch in diesem Beitrag kommt er vor, am Ende vor, obwohl er hier eigentlich zum blauen Dessert nicht dazugehört. Es zeigt schön deine innere Zerrissenheit und liebe und einerseits Verantwortung…allem willst du gerecht werden….. Ich freu mich immer dich zu lesen

    Gefällt 1 Person

Was sagst du dazu? Bin sehr gespannt :-)

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