Endlich daheim!

Als ich wieder daheim angekommen war, machte ich  mich gleich an die Vorbereitungen für unseren Abend.

Ich wollte alles perfekt haben und versuchte mich ganz alleine auf mein Vorhaben zu konzentrieren. Bloß nicht an Mike denken! das war aber echt ein blöder Zufall, dass er mir gerade heute in die Quere kommen musste. Ich schnaufte durch die Nase und merkte, wie doch etwas Wut aus meinem Bauch nach oben kroch.

Wie konnte ich mich jetzt nur so gehen lassen! Es würde nicht mehr lange dauern, und Robert würde durch die Türe kommen! Ich wollte ihn überraschen! Da hatte ein anderer in meinem Kopf keinen Platz! Nein, nein, nein!

Entschlossen ging ich zum Waschbecken und packte die neue Unterwäsche aus. Bei der Vorstellung, wie sie uns heute den Abend versüßen sollte, musste ich grinsen. Ich freute mich auf Zärtlichkeiten. Robert war ein wunderbarer Liebhaber. Er kannte mich genau, wusste, was mir gefiel und war stets bemüht, mich zu verwöhnen. Natürlich war es anders als mit Mike…. er brachte mich in Wallung, ohne mich überhaupt schon berührt zu haben….

Huch! Schon wieder!

Langsam wurde ich sauer auf mich selbst. Was war ich nur für eine lausige Ehefrau! Ich freute mich auf Robert, und trotzdem hatte mich die Situation im Supermarkt aufgewühlt.

Ich betrachtete die schöne Spitze in meinen Händen. Ich hatte sie für Robert gekauft. Nur für ihn. Vorsichtig wusch ich das neue Spitzenhöschen und den zarten BH in handwarmem Wasser. Beides leuchtete in eisblau, Roberts Lieblingsfarbe. Mit leichten dunkelblauen Akzenten. Auf meiner leicht gebräunten Haut würde die Wäsche sicherlich toll zur Geltung kommen. Wieder lächelte ich.

Dann wrang ich alles ordentlich aus und hängte die Teile über die Heizung. Hoffentlich würden sie rechtzeitig trocken werden. Und hoffentlich würde ich auch Robert darin gefallen. Aber das würde ich sicherlich. Ich kannte meinen Mann, er liebte mich und sparte nicht mit Komplimenten.

Auf dem Weg in die Küche löschte ich alle Zweifel in meinem Kopf und machte mich ans Essen.

Dann deckte ich den Tisch, stellte Kerzen und Blumen auf. Zwischendrin noch schnell unter die Dusche gehüpft, dann schlüpfte ich in das getrocknete Dessert und in mein schwarzes Minikleid. Noch schnell alles weitere zu Ende bringen…. Geschafft!

Zum Glück, klappte alles so, wie ich es mir vorgenommen hatte. Das Essen war soweit fertig und duftete herrlich. Unter dem kleinen Schwarzen trug ich die neue Wäsche und halterlose Strümpfe, das Haar hatte ich hochgesteckt. Dezentes Make Up und mein Lieblingsparfüm rundeten alles ab. Dann noch die hochhackigen Schuhe…Perfekt!

Nachdem ich die Stereoanlage noch mit passender Musik gefüttert hatte, setzte ich mich auf das Sofa und wartete. Bald wäre Robert wieder bei mir.

Wie würde unser Leben weitergehen? Wie käme Robert mit der neuen Situation zurecht? Würde ich wirklich alles schaffen, und meinen Mann genügend unterstützen können?

Ich hatte schon bei den Besuchen in der Klinik gemerkt, dass er sich nicht nur körperlich verändert hatte. Auch im Wesen. Ungeduldiger, fahriger. Sein Kurzzeitgedächtnis war in Mitleidenschaft gezogen, und er konnte nicht mehr zielgerichtet planen. Vieles würde ich organisieren müssen, ihm sagen müssen, ihn „pflegen“. War ich dazu in der Lage? Ich, die selbst ein Hans Dampf in allen Gassen war, eine Chaotin?

Die Ärzte sprachen davon, dass Robert vieles trainieren könnte, aber es würde nicht wieder so werden wie früher. Die Entzündungen und die Medikamente hatten ihre Spuren hinterlassen. Aber es hätte viel schlimmer kommen können! Robert hatte verdammt großes Glück gehabt. Andere haben das nicht.

Wie ich so wartete und grübelte drehte sich der Schlüssel im Schloss und riss mich aus meinen Überlegungen. Robert war da!

Ich sprang auf, sauste zur Tür und fiel ihm um den Hals. Meinem Mann! Tränen der Erleichterung rannen aus meinen Augen. Eine ganze Weile standen wir so da. Halb im Treppenhaus, halb in der Wohnung. Robert hatte seinen Kopf an meinem Hals vergraben, und ich schluchzte vor mich hin. Robert streichelte meinen Rücken und drückte mich an sich. Wir waren einfach nur froh, dass der Albtraum ein Ende gefunden hatte.

Tausend Steine rollten von meinem Herzen und zerfielen zu Staub. Vor was hatte ich Angst gehabt? Es würde gut werden! Wir würden neu anfangen. Und ich freute mich darauf. Ich nahm Roberts Reisetasche und führte ihn ins Esszimmer an den Tisch. Seine Augen strahlten. „Meine Polly“, flüsterte er.

Dann verbrachten wir einen wunderschönen Abend miteinander.

Eure Polly

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6 Gedanken zu “Endlich daheim!

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