Nur von außen zu klein, ….oder mein täglicher Kampf mit Zentimetern

Jeder hat wohl etwas an sich, das er selbst nicht besonders mag. Andere wiederum würden aber sagen, genau dieses Etwas macht uns ein Stück unverwechselbar und passt zu uns, wie der Deckel auf den Topf. Derer Dinge habe ich viele… aber eines davon bringt mich öfters an den Rande der Verzweiflung, als mir lieb ist. Obwohl ich es an sich gar nicht anders haben wollte.

Es ist nämlich so, ich gehöre zu der Spezies der kleinen Frauen. Der ziemlich kleinen Frauen. Ich habe bis zum Erwachsenenalter gerade mal so die 1,50 Meter erreicht und sehe der Tatsache ins Auge, dass ich im Alter wieder einschrumpfen werde.

Nicht, dass ich größer sein will. Nein! Ich finde mich ganz nett so.  

Gut… nur manchmal…. da nicht. Da nervt mich das ganz schön.
Als Frau klein zu sein hat durchaus seine Vorteile. Das fing schon in der Schule an. Während meine kleinen männlichen Mitschüler doch (leider!) so manchen Spott der Größeren ertragen mussten, wurde mir indessen die schwere Schultasche getragen.

Zwar wurde ich beim Basketball immer als letzte einer Mannschaft zugesprochen (notgedrungen sozusagen), dafür hatte ich aber sehr sehr selten Tafeldienst. Mein Gewackel und Gehopse, mit dem ich versuchte, die gesamte Tafelfront zu erreichen, war den Lehrern dann doch zu gefährlich.

Auch später hat meine Größe, besonders bei den Männern, eher den Beschützerinstinkt geweckt. Schwerere Arbeiten musste ich selten verrichten und es fand sich immer jemand unter meinen Bekannten, der mich auch in den spätesten Nachtstunden fürsorglich nach Hause begleitete.
Klein und zierlich zu sein spricht meiner Erfahrung nach, die Männerherzen an. In ihren Augen wirkt man zerbrechlich und putzig, liebenswert und schützenswert.

Leider auch manchmal zu putzig, und man wird nicht immer für voll genommen. Diese Tatsache lässt sich aber meist durch ein kluges Gespräch, Wimpergeklimper, oder im schlimmsten Falle, auch durch Ignoranz oder gar einen schwungvollen und zielsicheren Boxhieb regeln.

Meine bescheide Größe bringt mich aber auch oft an den Rande der Verzweiflung.

Wirklich an meine Grenzen stoße ich zum Beispiel beim Einkaufen. Da brauche ich ein bestimmtes Gewürz, und wo steht es? Gaaaaaanz oben im Regal. Wenn ich Pech  habe, gibt es auch nur noch ein oder zwei Döschen davon, die ziiiiiiemlich weit hinten stehen.

Was macht Polly da?

Ich fahre galant meine trainierten Zehenspitzen aus und stemme mich nach oben. Gleichzeitig recke ich meinen Arm und meine Angelfinger versuchen das Gewürz zu erhaschen.
Doch ich muss noch etwas hööööher, deshalb stelle ich mich auf eine Zehenspitzenkuppe um mich nooooch ein bisschen größer zu machen.
Es ist ziemlich wackelig, aber meine Fingerspitzen erreichen gerade so das ersehnte Kurkuma..noch ein Stück….noch ein Stück….jaaaa…..und schieben es immer weiter nach hinten.

Toll!

Nicht genug, ich verliere das Gleichgewicht, falle unsanft ans Regal. Dabei stoße ich mir das Kinn, und etwas weiter unten fällt, wie in Zeitlupe, ein Fläschchen mit Chilliöl zu Boden. Rumms!
Die leuchtend rote Flüssigkeit breitet sich auf den weißen Fliesen aus. Eigentlich sieht es ja ganz hübsch aus….rot auf weiß….aber nur eigentlich.

Genauso habe ich auch schon mehrmals die Auslagen in Bekleidungsgeschäften geküsst. Wo hängen nämlich die Teile, die Polly unbedingt haben will?

Na? Wo?
Richtig!!!
Ganz oben. Klar.

Weit und breit kein Hocker und keine Teleskobstange zum Angeln… In diesem Fall wende ich immer gerne den Kleiderbügeltrick an. Ich schnappe mir also einen Bügel, gehe ganz nahe an das Objekt meiner Begierde und versuche durch Hüpfen und Schleudern, das Teil mit dem Kleiderbügel so in Schwingung zu versetzen, das es oben vom Haken rutscht.

Die Verkäuferinnen scheinen diese Technik immer gerne aus der Ferne zu studieren, denn außer mir zuzuschauen, tut sich meist nichts.
Manchmal klappt der Keiderbügelschwinger recht gut, dann landet  das Top zielsicher zu meinen Füßen.
Manchmal fliegt es auch ein Stückchen weiter. Und gaaanz selten lande ich dabei sogar in den Auslagen und nicht das Top…. Das finden die Verkäuferinnen dann wieder nicht so toll…Aber was tut man nicht alles für die Mode.

Auch das regelmäßige Kürzen von Hosen oder Ärmeln ist mir durchaus vertraut.

In Blazern sehe ich immer aus wie ein Pinguin, und Bolerojäckchen sind nie Bolero bei mir. Was solls. Heute sind sie eh out.
Aber damals, zu ihrer Blütezeit, hat es mich richtig geärgert.
Hosen in Größe 34 sind mir meist zu lang und zu weit. Stöbere ich in der Kinderabteilung, ist meine Hüfte aber zu breit, oder mein Busen zu groß. Dafür passen dann die Arme und  Beine wieder exakt!

Und auch wenn die Kinderklamotten manchmal wirklich wie angegossen sitzen, ich stehe doch insgeheim nicht unbedingt auf Hello Kitty und Co…

Genauso verhält es sich bei Schuhen.

Meine Füße sind, genau wie der Rest von mir, sehr klein und schmal. Größe 34-35 ist eine echte Herausforderung für jede modebewusste Frau. Schuhfetischistinnen würden sich die Haare raufen! Bei den „normalen“ Damenschuhen bin ich aufgeschmissen…

Entweder ich werde fündig in der Gesundheits- und Seniorenabteilung. Leider sagen mir dort diese Beige- und Grautöne nicht wirklich zu, und die dicken Sohlen sind klasse bequem, aber hässlich.

Wenn mich dann die Verzweiflung packt, schaue ich nochmal bei Biene Maja und Lightning McQueen.

Aber modisch geht anders.

Bleiben noch Onlinehandel und Deluxegeschäfte.
Da findet sich dann meistens schon etwas Hübsches, nur bekommt dies dann meinem Geldbeutel wiederum gar nicht gut.

Aber ich will nicht jammern. Wer schön sein will muss eben leiden. Das gilt auch im Bezug auf unser Verhältnis zu unserem Portemonnaie.

Als ich süße achtzehn war, und mir mein erstes Auto kaufte, war das auch nicht so leicht. Damals gab es tatsächlich nicht wenige Modelle, da kam ich mit den Füßen erst gar nicht an die Pedale. Die Sitze waren nicht ausreichend nach vorne zu verstellen. Besonders nicht bei denen meiner bescheidenen Preisklasse.

Zum Glück fand ich damals einen alten roten Fiat 126 Bis. Mit Joke und Heckantrieb. Der passte mir wie angegossen.

Ja, dies sind nur einige Anekdoten über meinen Kampf in einer „Welt von Großen“.
Ich möchte trotzdem nicht anders sein. Auch wenn ich mich manchmal darüber ärgere, kann ich im nachhinein doch so oft über mich selbst lachen. Zumal ich ja nur von außen klein bin. Innendrinnen, da glaube ich, bin ich ziemlich groß.

Und natürlich gibt es auch Positives zu berichten!

Für meinen Kuraufenthalt bestellte ich einen neuen Bademantel. Knielang mit dreiviertellangen Ärmeln.
Und? Was soll ich sagen?

Er passt! Supergut! 

Aus kurz wird bei mir nämlich lang! Er huschelt mich nicht nur bis zu den Knien ein, nein!
Er hält meinen ganzen (!) Körper kuschelig warm. Bis fast zu den Knöcheln 🙂
Und die Ärmel enden genau an meinen Händen!

Was für ein genialer Schachzug der Modeindustrie…oder von mir 😀

Eure Polly

Advertisements

14 Gedanken zu “Nur von außen zu klein, ….oder mein täglicher Kampf mit Zentimetern

  1. Ja. Meistens ist das so. Und sie stoßen sich selten den Kopf 😄
    Das ist auch von Vorteil. Ich bin zufrieden mit mir, so wie ich bin. Denn auch als „Riese“ hat man es sicher nicht immer leicht…. 😉
    Liebe Grüße, Polly ☺

    Gefällt 1 Person

  2. Die Vorteile wirst Du natürlich auch eher selten bemerken. In Bussen, Bahnen, Flugzeugen oder auch in Opern, Kino, Restaurants wirst Du sicher nur selten über zu wenig Platz oder Beinfreiheit klagen. Aber das nur am Rande. 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. Ja, die Welt ist nicht für uns Kleine gemacht. Mit meinen knapp 1, 60 (eigentlich ca. 1, 58) hab ichs noch ein Bisschen leichter als du, aber Vieles ist dennoch eine Herausforderung. In meiner eigenen Küche brauche ich regelmäßig einen Schemel, um bestimmte Dinge zu erreichen.

    Auch das Gefühl, im Supermarkt nicht an das Gewünschte ranzukommen, kenne ich gut, mach ich aber immer zu einer Extrovertierungsübung (sprich da wird dann die naheliegendste größere Person gefragt) und das schadet mir nicht, zumindest habe ich noch keinen Stunt hingelegt beim Einkaufen ^^.

    Aber es hat schon auch Vorteile, auch wenn es mich eher nervt, dass ich Beschützerinstinkt erweckend bin ist es manchmal von Vorteil, so kann ich mir aussuchen, ob ich nun zeigen will, wie toll ich schwere Dinge heben und tragen kann, oder ob ich das lieber die „großen, starken Männer“ erledigen lasse, und die brauchen das ja auch hin und wieder *gg*.

    Im Endeffekt denk ich mir, für mich persönlich: Lieber zu klein als zu groß. Wir Kleinen wandern halt beim Schlafen ein Bisschen im zu großen Bett herum, der zu Große kriegt kalte Füße, wir kürzen unsere zu langen Ärmel, der zu Große hat immer 3/4 Look oder muss maßschneidern lassen, und wir hauen uns definitiv seltener die Birne an.

    Gefällt 1 Person

  4. Liebe Polly, du bist tatsächlich eine ganz Große, finde ich! ♥ Vieles von deinem Geschriebenen kann ich gut nachvollziehen, obwohl ich fast 10 cm größer bin als du. Aber eben doch keine 1,60 m, die ich gerne wäre. Wir sind halt klein, aber oho! 🙂 Viele liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

  5. Ich hatte auch mal einen Fiat Panda mit Choke. Wenn ich auf der Autobahn schneller fahren wollte, musste ich nur den Choke ziehen. Allerdings spritzte dann hinten vermutlich noch unverbrannter Sprit aus dem Auspuff…

    Gefällt 1 Person

Was sagst du dazu? Bin sehr gespannt :-)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s