In den Fängen des Wahnsinns

Westendstorie hat ein tolles Projekt ins Leben gerufen. Aus zehn vorgegebenen Wörtern etwas zu schreiben, zu basteln, zu komponieren….

Ich reiche meinen Beitrag hiermit nach, denn ich war ja nicht da 🙂 Aber die nachfolgenden Wörter haben mir doch noch eine skurrile Geschichte entlockt.  Lest selbst.

1. Kalender
2. Rückfahrkarte
3. Schnittlauch
4. Chromosomen
5. Schneckengift
6.Radkappe
7. Gefahr
8.Zärtlichkeit
9.Elend
10.Gewinn

Als Luke zu sich kam, lag er festgebunden auf der Pritsche. Gleißendes Licht blendete seine Augen und ätherischer Laborgeruch brannte in seiner Nase. Stimmengewirr kam an sein Ohr.

„Scheiße, jetzt haben sie dich.“ Luke witterte die Gefahr, aber mehr konnte er nicht realisieren.

Das Experiment würde beginnen. 

Wie konnte er nur in seine Fänge geraten? Zack, der verrückte Wissenschaftler, der sich in den Kopf gesetzt hatte, die Welt vom Elend der Kräuterlosigkeit zu befreien. Jetzt hatte er ihn erwischt.Ein durchgeknallter Bösewicht, der auch vor Mord nicht zurückschreckte um seine morbiden Pläne zu verwirklichen.

Seit die Menschen Herrscher auf diesem Planeten waren, hatten sie die Umwelt gnadenlos und gedankenlos verseucht. Um den enormen Bedarf der Gourmetrestaurants an Küchenkräutern zu decken, hatten sie den Einsatz von umstrittenem Schneckengift übertrieben großzügig gehandhabt. Jetzt waren die Plagegeister resistent geworden und fielen hordenweise in die Gärten ein. Die Schnecken hatten monströse Ausmaße angenommen, und schier endlosen Hunger. Rücksichtslos fraßen sie die Beete leer, kein Pflänzchen war vor ihnen sicher.

Darum hatte Zack die irrwitzige Idee entwickelt, die Kräuter mithilfe ausgeklügelter Gentechnologie auf die Köpfe der Menschen zu bringen.

Schnittlauch, statt Haarpracht.

Er fand jedoch keine Verbündeten für sein Vorhaben. Niemand wollte als lebendes Kräuterbeet zu Ruhm und Ehre kommen. Deshalb hatte Zack kurzerhand damit begonnen, unschuldige Menschen zu entführen, und ihnen in seinem Labor Chromosomen von Küchenkräutern einzupflanzen. Viele seiner Opfer waren aber dem Tode geweiht gewesen und an den Nebenwirkungen elendig zugrunde gegangen. 

Der erwünschte Erfolg blieb aus und der Schrecken nahm weiter seinen Lauf.

Genau hier kam Luke auf den Plan. Von der Regierung als Undercoveragent eingesetzt, sollte er dem Treiben ein jähes Ende bereiten. Aber er hatte versagt. Jetzt saß er hier fest. In den Fängen eines Wahnsinnigen. Hätte die Menschheit doch nur eher begriffen, was sie der Natur angetan hatte! Aber jetzt war es zu spät. 

Luke erinnerte sich dunkel an die spektakuläre Verfolgungsjagd, bei der er zuerst die Radkappe seines Bobbycars verloren hatte. Und schließlich war der Rennflitzer ganz in sich zusammen gebrochen.

Nur deshalb konnten sie ihn schnappen.

Mit einem Hauch von Zärtlichkeit zog irgendjemand seinen Ärmel hoch und setzte die Spritze mit dem grasgrünen Chromosomencocktail an Lukes Vene. Ein irres Lachen, gefolgt von unverständlichen Worten, mischte sich mit dem Gefühl der beißenden Flüssigkeit, die in seine Adern strömte.

„Hihihihiiii! Du bist ein echter Gewinn für die Forschung! Dein Kopf ist wie geschaffen für Schnittlauch und Basilikum! Diesmal wird es mir gelingen und ich werde in die Annalen der Supergärtner eingehen!“

Zack hatte also gewonnen. Für Luke würde es keine Rückfahrkarte aus diesem Wahnsinn mehr geben. Entweder würde er in Zukunft Schnittlauch auf dem Kopf tragen, oder sterben. Wie alle anderen.

Er fühlte, wie die Welt um ihn herum langsam verschwamm. Nur das schrille Gelächter schien immer lauter zu werden und verwandelte sich schließlich in dröhnendes Piepsen.

Der Wecker!

Luke schreckte hoch, und fasste sich instinktiv an seinen Kopf. Puuuuuh! Seine Haare waren noch da. Ein kurzer Blick auf den Kalender über dem Bett holte ihn in die Realität zurück.

Es war Montag und Zeit zur Arbeit zu gehen.

Luke war Gärtner. Ab heute würde er die unzähligen Nacktschnecken mühsam mit den Fingern absammeln. Die Zeit der chemischen Keule war ein für allemal vorbei.

Polly

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6 Gedanken zu “In den Fängen des Wahnsinns

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