Seelenlolly: Wer und wo bin ich?!

Ich habe zwei Füße, schwer wie Blei.
Sie haben verlernt zu tanzen.

Dreivierteltakte sind vorbei.
Da ziehen sie Bilanzen. 

Ich habe zwei Beine, störrisch und steif.
Stolpern, ohne weiter zu gehen.

Sind ohne, dass ich es begreif,
nicht mehr fähig gerade zu stehen.

Da ist mein Bauch, hohl wie ein Fass.
Ich vermag sein Gefühl nicht zu hören.

Nicht Liebe noch Freude, Schmerz und Hass,
können ihn betören.

Ich habe ein Herz, blutend und schwach.
Es quält sich durch einsame Stunden.

Es schlägt mir tapfer, wenn auch flach
und trotzt den triefenden Wunden.

Da sind zwei Arme, ganz ohne Kraft.
Sie wollen nicht mehr umarmen.

Sie wissen nicht mehr, wie man das schafft
und kennen kein Erbarmen.

Ich habe zwei Hände, kalt wie Eis.
Sie können nicht mehr streicheln.

Sie sind gelähmt und keiner weiß,
wird’s jemals wieder weichen?

Ich  habe zwei Ohren, verstopft und taub.
Kein Wort mag sie erschrecken.

Kein Lied, kein raschelnd Blätterlaub,
kein Ton kann sie erwecken.

Da sind zwei Augen, trübe und leer.
Durch Tränen wund gewaschen.

Die Sonne scheint für sie nicht mehr,
ihr Strahlen ist verloschen.

Da ist ein Mund, stumm ohne Wort.
Es fällt ihm schwer zu lachen.

Wut nahm die Stimme mit sich fort,
verschlossen ist der Rachen.

Ich habe einen Kopf, der mein Herz nicht versteht.
In trägen Gedanken gefangen.

Doch Erinnerung, die niemals verweht,
bringt Röte auf meine Wangen.

Bin ich eine Hülle, gefüllt mit Schmerz,
wie eine Puppe an Fäden dressiert?

Woher kommt all dieser quälende Terz,
wie ist das denn alles passiert?

Du bist es! Du fehlst mir, in Seele und Geist.
Ich brauch dich in meinem Leben.

Ohne deine Nähe ist mein Körper verwaist,
nur sie kann ihm Frieden geben.

Da helfen nicht Zeit, keine Pillen, nein nichts!
Ohne dich, bin ich nicht ich.

Und trotzdem hab ich den eisernen Willen,
mich wieder zu finden, auch ohne dich!

Polly

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21 Gedanken zu “Seelenlolly: Wer und wo bin ich?!

  1. ist es wirklich so schlimm? Spontan hatte ich zuerst die Assoziation zu einem Schlaganfall… aber dann am Ende das Du, das fehlt… da war ich erleichtert… es ist in jedem Fall die freundlichere Version…
    Nimm´s mir nicht übel, ich bin schon alt… die Irren und Wirren früherer Tage sind verblasst… so viel Schönes in jedem Augenblick… Vergangenheit entschwindet, wenn man den Augenblick trinkt…

    Gefällt 1 Person

    • Ich nehme dir nichts übel 🙂 und jetzt wo du es sagst…. es hätte auch einen Schlaganfall beschreiben können. Durchaus. Ich vermisse Mike sehr und oft fühle ich mich wie gelähmt. Es ist, als ob ich nicht mehr vollständig bin. Da gibt es schon Parallelen, was die Symptome betrifft. Aber deshalb schreibe ich ja diese Gefühle und Gedanken nieder, das ist manchmal wie Medizin. Liebe Grüße, Polly

      Gefällt 1 Person

Was sagst du dazu? Bin sehr gespannt :-)

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