Das Fest… oder, was für ein Zirkus (Teil 2)

Mike wollte mich ärgern, aber ich wollte ihm keine Chance dazu geben. Trotzdem gelang es mir nicht, meine Wut zu verbergen.

Zum Glück war der größte Ansturm schon vorbei. Die Schlange aus Durstigen war kurz, und es schien keinem aufzufallen, dass bei uns die Hütte brannte. „Halt die Klappe, und hol lieber noch Limonade aus dem Keller!“, knurrte ich und schupste Mike zur Seite. Ich konnte Bier zapfen. Und zwar perfekt. Schließlich machte ich das nicht zu ersten mal. 

Während ich die Leute weiter bediente, machte Mike keine Anstalten in den Keller zu gehen. Angelehnt an der Wand stand er da und  musterte neugierig jeden meiner Handgriffe. Seine Augen betrachteten mich vom Scheitel bis zur Sohle. Diese Tatsache machte mich nervös. Mein Atem ging schneller und Röte schoss mir ins Gesicht. Die Arte und Weise, wie er mich ansah brachte mein Blut in Wallung. Aber es war nicht nur Wollust , die mich erfasste, sondern auch Groll. Eine tolle Hilfe, dieser Kerl!

Ich drehte  mich zu ihm um und zischte ihn an: „Hast du nichts besseres zu tun, als Maulaffenfeil zu halten? Geh in den Keller!“
…Ruhig, Polly, ruhig…
„Bitte, was darf es sein?“, wandte ich mich um und kümmerte mich um einen alten Opa, der belustigt das ganze Drama mitverfolgt hatte. Während ich ihm ein Bier zapfte, spürte ich Mikes Blick immer noch brennend in meinem Rücken, als ob er sich an mir ergötzte. Wo schaute er hin?

Glotzte er etwa tatsächlich ungeniert auf meinen Po?! 

Heute trug ich eine knackig enge Jeans, die meine Kurven gut unterstrich. Das war ihm sicher nicht entgangen. Mike schlenderte an mir vorbei zum Wasserbecken. Dabei streifte seine Hüfte, auffällig langsam und fest, mein Hinterteil. „Ich spüle lieber Gläser.“, sagte er, als ob nichts geschehen war. „Limo ist doch genug da.“ 

Schon tauchte er seine Hände ins Wasser. Und Zack! Was war das? Hatte er mich absichtlich vollgespritzt? Meine rechte Seite war nass gesprenkelt. Ich drehte mich zum Becken, und funkelte Mike giftig an, der unberührt die Biergläser spülte. Vor dem Wagen hatten sich zwischenzeitlich wieder einige Menschen versammelt, und ich kam kaum mit dem Zapfen nach. Außerdem war es heute ziemlich heiß. Da kam ich zusätzlich ganz schön ins Schwitzen.

Als ich alle durstigen Münder versorgt hatte, stützte ich mich mit den Händen auf den Tresen, um etwas zu verschnaufen. „Abkühlung gefällig?“ Hörte ich nur, und merkte, wie meine ganze rechte Seite triefte. Ich kochte. „Super!“, keifte ich. „Hauptsache ist, du kannst Blödsinn machen. Nützlich machen kannst du dich nicht!“ „Ups, so wollte ich das nicht…“
„Mach den Rest ab jetzt alleine!“, und mit diesen Worten verließ ich schnaubend den Wagen.

Was sollte der Zirkus? Ich hatte Tränen in den Augen und ich war k.o. Die Zeit mit Mike im Wagen, er so nah an meiner Seite, das hatte mich all meine Nerven gekostet. Und er hatte nichts besseres zu tun als mich zu foppen. Ich nahm ein paar leere Kästen mit, die im Flur standen und ging in den Keller. Dort war es kühl und ich hatte meine Ruhe.

Das Fest neigte sich dem Ende zu, die Zeit zum Aufräumen war fast schon gekommen. Die ersten Besucher machten sich langsam auf den Heimweg, und es würde nicht lange dauern, bis sich auch die letzten verabschiedeten. Dann blieb nur noch eine Hand voll  Helfer zurück.

Mike musste sich also im Getränkewagen sicher nicht mehr überschlagen. Im Keller angekommen setzte ich mich auf den Limokasten und vergrub das Gesicht in meine Hände. Dann heulte ich los. Es lief einfach so aus mir heraus. Die ganze Anspannung, die ganze Unzufriedenheit, die ganze Sehnsucht. Diese beschissene Situation, mit der ich nicht richtig umzugehen wusste.

Ich schluchzte, was das Zeug hielt und konnte mich gar nicht mehr beruhigen, als ich hörte, wie jemand die Treppe herunter kam . „Mist! Auch das noch!“, fluchte ich leise und wischte mir mit meinem Shirt, hastig die Tränen ab. Dann sprang ich auf und tat so, als ob ich schon die ganze Zeit damit beschäftigt gewesen war, die Kästen ordentlich zu stapeln.

Eine Hand berührte zaghaft meine Schulter. „Hey“, hörte ich Mikes Stimme. „Ich wollte das nicht. Es tut mir leid. Da hab ich wohl ein bisschen übertrieben.“ Ich konnte mich nicht umdrehen, wollte nicht, dass Mike meine verheulten Augen sah. Daher sagte ich nur: „Ist schon gut.“ Aber mein Kummer war mit jedem Wort zu hören.

„Hast du geweint?“ erschrocken dreht Mike mich um und musterte mein Gesicht. „Polly, kleine Polly. Verzeih mir. Bitte. Ich bin ein Idiot. Ich weiß wie schwer das alles für dich ist. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist.“ Sanft streichelte er meine Schläfe. Ich spürte, dass er es ernst meinte. Es tat ihm leid. Und mit diesem Wissen, kamen meine Tränen zurück.

„Schhh, schhhh…“, versuchte er mich zu trösten. „Bitte, weine nicht mehr.“ Dann nahm er mich in den Arm und ich legte meinen Kopf auf seine Schulter. Es tat so gut, seine Nähe zu spüren!

So standen wir eine Weile da, bis ich mich langsam beruhigt hatte. Als ich  schließlich meinen Kopf hob, küsste mir Mike die letzten Tränen von den Wangen. Und, ohne dass wir nachdachten, berührten sich unsere Lippen. Mikes Griff wurde wie automatisch stärker, sein Mund war von einer plötzlichen Leidenschaft erfasst. Seine Hände wanderten zu meinem Po und drückten mein Becken an seinen Schritt. Ich stöhnte leise und bewegte meine Hüfte an seiner Hose. Mike atmete scharf ein.

Auf einmal wurden wir jäh unterbrochen.

„Mike, wo bist du?“, rief es von oben. Ruckartig ließen wir voneinander ab. Paula!

„Ich helfe Polly mit den Kästen!“, antwortete er laut,und griff sich mit der Hand in sein Haar.  „Gut, aber beeile dich bitte, ich möchte nach Hause!“

Verwirrt starrten wir uns an. Das war knapp. Was hatten wir uns nur dabei gedacht? Ich  flitzte nach oben und ließ Mike einfach stehen. Schnell raffte ich meine Sachen zusammen, verabschiedete mich, setzte mich ins Auto und brauste davon.

Eure Pollycircus-tent-248193_640

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