Das Fest… oder, was für ein Zirkus (Teil 1)

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Die nächste Zeit gingen wir uns aus dem Weg. Mike wartete wieder im Auto, wenn er Paula abholte. Und wenn sie ihn doch einmal mit hinein nahm, schaute ich zu, dass ich irgend etwas Wichtiges zu tun hatte. In der Küche, oder im Keller. Nur nicht in der Nähe von Mike. Wenn wir uns doch einmal über den Weg liefen, und waren es nur Sekunden, dann war die Luft mit einem Knistern durchzogen. Und dieser Anziehung, durften wir nicht nachgeben. Auf keinen Fall. 

Da half nur die Flucht. In den Materialraum, auf die Toilette, oder in den Garten. Irgendwo hin, nur weg von ihm.

„Was hast du mit Mike? Immer noch wegen der Matratze?“, fragte Paula eines Tages. „Man könnte denken, ihr reißt voreinander aus. Er hat das wirklich nicht mit Absicht gemacht und  immer wieder gefragt, ob auch wirklich alles wieder ok mit dir ist. Sei ihm nicht mehr böse.“

Was sollte ich darauf sagen? Ich war ja gar nicht böse! Ich konnte nur schlecht zugeben, dass wir tatsächlich voreinander auf der Flucht waren. Auf der Flucht vor unseren Gefühlen. Auf der Flucht vor der Vergangenheit, in der wir uns wie selbstverständlich nahe waren. Also tat ich unbeteiligt  „Wie kommst du darauf, das ich böse bin? Es ist alles in Ordnung. Ich flirte nur nicht gern mit Unfallverursachern.“, dabei kicherte ich, zauberte ein verschmitztes Lächeln auf mein Gesicht und klopfte Paula kumpelhaft auf die Schulter.

Sie grinste und hielt es offenbar für einen gelungenen Scherz. Zum Glück.

Die Wochen vergingen. Ich versuchte nicht an Mike zu denken, konzentrierte mich auf meine Arbeit und auf Robert. Die Hektik im Kindergarten war eine willkommene Ablenkung. Das Sommerfest stand an und es blieb kaum Zeit für meine Sehnsüchten, in denen Paulas Freund doch immer wieder eine zentrale Rolle spielte. Die Planungen, Vorbereitungen und Organisatorisches hielt meine sündigen Gedanken leider nicht immer vollkommen im Zaum.

Dann  war es soweit. „Zirkus Kunterbunt“, das Motto unseres Kindergartenfestes lockte viele Besucher an.  Eltern und Kinder, Omas und Opas und viele Menschen, die rund um die Kita wohnten. Das Wetter war herrlich. Das kleine Zirkuszelt, das wir aufgebaut hatten war schon von weitem zu sehen. Darin  führten die Kinder eine gelungene Zirkusvorstellung auf und ernteten begeisterten Beifall. Es gab Buden und Lose, ein kleines Karussell und eine Hüpfburg. Für das leibliche  Wohl war bestens gesorgt. Süßes und Herzhaftes, sowie eine gute Auswahl an Erfrischungsgetränken ließen keine Wünsch offen. 

Wir hatten einen echten Zauberer und einen Clown als Gäste, die Groß und Klein in ihren Bann zogen. Zudem konnten die Kinder Ponyreiten. Alles in allem war ein buntes Treiben, mit viel Liebe und Aufwand zustande gekommen.

Leider war es bei uns aber auch, wie wohl überall, wenn die Arbeit ruft. Bei einer so großen Veranstaltung, mangelt es immer an Helfern. Ich hatte den Getränkeverkauf übernommen, und war dort auf verlorenem Posten. Der erste Andrang war groß und ich musste tüchtig rödeln. Im Vorfeld hatte ich Robert um Hilfe gebeten, aber der hatte Spätdienst im Krankenhaus, und konnte mich nicht unterstützen. Alle anderen Kolleginnen hatten ebenfalls gut zu tun. Der Elternbeirat und einige Freiwillige hatten die Buden übernommen, und alle anderen waren eben nur zum Vergnügen da. So war es immer.

Also Augen zu und durch, irgendwann würde auch dieses Fest vorbei sein. Als ich etwas Luft hatte ,und gerade einen neuen Getränkekasten aus dem Keller die Treppe hoch schleppte, erblickte ich Mike. Wow. Er sah toll aus!

Sein braunes Haar war wieder kurz geschnitten, in seinem Gesicht stand ein verwegener Blick. Er trug ein enges Shirt, unter dem man seinen muskulösen Oberkörper erahnen konnte. Seine Hosen hatte er sportlich nach oben gekrempelt. Was für ein Mann!

Ich schluckte. Lässig stand er an einem Baum und lachte süffisant. Über mich.

Die kleine Polly, die mit dem Kasten beladen, kaum die Treppen schaffte. „Grins nicht so blöd, hilf mir lieber und mach dich nützlich!“, fauchte ich. „Das hatte ich vor. „, schnurrte Mike. „Paula hat mich angerufen. Ich soll sehen, wo ich gebraucht werde. Und weil ich sehe, dass du überfordert bist, komm ich zu dir.“ Bei diesen Worten stieg ihm ein spitzbübisches Grinsen ins Gesicht. Seine Grübchen kamen zum Vorschein und in mir der Groll.

Er wusste genau, dass ich es nicht mochte, wenn man sich über meine Größe lustig machte. Schon gar nicht er! Mike kam zu mir, nahm mir den Kasten ab und brachte ihn in den Schankwagen. Dann ging er in die Hocke und wollte die Flaschen in dem kleinen Kühlschrank deponieren, der sich zwischen uns, in der Wand befand.

Dummer Weise wollte ich das auch. Genau im selben Moment.

Rumms, stießen unsere Köpfe aneinander. „Au!“ Ich quiteschte. „Kannst du nicht aufpassen?!“ Mike rieb sich die Stirn und konterte: „Ich? Warum ich? Wer von uns beiden ist denn hier der zu kurz geratene Dussel?“ „Dussel? Pass auf, wenn ich dir zeige, dass der Dussel deinen Kopf auch mit der Faust treffen kann!“ Unsanft riss ich die Tür des Kühlschranks auf, und begann die Flaschen hektisch hinein zu räumen. Mike lachte, . „Lass mich an den Zapfhahn“, gluckste er und stand auf. „Bei dir wird das doch nichts.“  Dabei verzog er seinen Mund zu einem neckischen Lachen, bis über beide Ohren.

Fortsetzung folgt…

Eure Polly

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