Kindermund: Tinnitus…. der praktische Wecker für unterwegs

playschool-151938_640Diese Geschichte ist schon länger her. Aber heute habe ich  unweigerlich wieder daran gedacht. Ich leide schon länger unter Tinnitus. Seit ich psychisch noch angespannter bin als sonst, habe ich auch den Eindruck, dass es etwas schlimmer geworden ist. Besonders Nachts. Deshalb bin ich heute zum HNO-Arzt. Das Wartezimmer, wie immer brechend voll. Während ich so saß und die Kinder in der Spielecke beobachtete, fiel mir diese Begebenheit wieder ein.

Im Kindergarten, während der Freispielzeit:

Es ist kurz vor Weihnachten. Bei den Kindern ist die Luft raus. Sie wollen das Christkind, beladen mit Geschenken, und am besten noch heute als morgen.

Diese Anspannung und Aufgeregtheit spiegelt sich im Verhalten die Kinder wieder. Und nach Stunden der Besinnlichkeit, wollen sie einfach nur spielen. Toben, hausen, tollen…

Das wiederum schlägt sich im Geräuschpegel nieder. Es ist unwahrscheinlich laut. Die Kinder scheint es nicht zu stören, aber ich bin langsam aber sicher an der Grenze des Unerträglichen angelangt.

Ich schlage auf unsere Klangschale, unser Zeichen für Ruhe. Die Kinder verstummen, und schauen mich erwartungsvoll an, was ich zu sagen hätte. Ich komme gleich zur Sache: Es ist zu laut. Bitte etwas ruhiger spielen.

Ungläubige Blicke, die Kinder sind enttäuscht. Hinten in der Bauecke haben die Jungs doch gerade eine Straße mit dem Presslufthammer in Arbeit. Im Krankenhaus weint ein neugeborenes Baby, wahrscheinlich ist es krank! In der Puppenstube bellen die Hunde, weil sie ihre Mama verloren haben…. und an den Tischen ist das Hämmerchenspiel gerade heute ein Hit. Ebenso Halli Galli. Dazwischen Pferdegetrappel, Einhörner, Star Wars und wilde Tiger.

„Aber Polly! Wir können nicht leiser spielen!“, kommt prompt der Protest. Hm…. was tun? Vielleicht hilft der pädagogische Zeigefinger. So beginne ich geduldig zu erklären, wie das ist, mit der Lautstärke, und den Ohren. Die davon, erwiesener Weise, nicht besser werden. Es ist doch viel schöner ist, wenn man sein eigenes Wort noch versteht, und sich nicht anbrüllen muss. Wenn da jeder mitmacht… und und und…Die Kinder sind skeptisch.

Das wird nix, denke ich mir. Jetzt versuche ich es mit der Mitleidstour. „Ich habe schon Ohrenschmerzen“, sage ich. „Und außerdem habe ich Tinnitus. Das wird nur immer schlimmer.“

„Tinnitus? Was ist das?“, wollen die Kinder wissen. Ja! Jetzt habe ich ihre volle Aufmerksamkeit. Meine Ausführungen beginnen, die Kinder hören gespannt zu. Ich sage, dass es auch Ohrensausen heißt. Da hat man Geräusche im Ohr. Immerzu. Die Kinder sind total bei der Sache und wollen genau wissen, wie sich das anhört. Ich bin ein bisschen stolz auf mein spontanes Bildungsprogramm und führe weiter aus, dass es von Person zu Person unterschiedlich ist. Manchmal hört man ein Pfeifen. Manche ein Piepsen, ein Rauschen, ein Klingeln.

“ Cool…Echt? Was ist es bei dir?“, wollen die Kinder wissen. „So etwas wie klingeln und krähen, ähnlich wie ein Wecker im Ohr.“, antworte ich. Die platte Reaktion der Kinder: „Das ist doch toll! Da kannst du nicht mehr verschlafen. Da hast du immer einen Wecker….!“ „Oder einen Gockelhahn! Wie auf dem Bauernhof!“, kommt es aus einer anderen Ecke…

Äääähhh…Gut.

Ich greife zu meiner letzten Waffe. Raus in den Garten. Das zieht immer. Und leiser ist es dort auch.

Da sieht man es wieder, alles hat auch seine positiven Seiten 😉

Eure Polly

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2 Gedanken zu “Kindermund: Tinnitus…. der praktische Wecker für unterwegs

  1. Polly, darf ich fragen, was der Auslöser war?
    Und, gibt’s da keine Hilfe gegen?

    Ich frage, weil ein guter Freund seit 2 Wochen ein Geräusch hört. Erst dachte er, es läge an einer Erkältung. Aber er ist inzwischen wieder fit und hört das Geräusch ist noch da.
    Er bekam 3 Tage Kortison dagegen….. Ist doch Blödsinn, oder?

    Gefällt 1 Person

    • Ich denke bei mir war hauptsächlich der Stress daran schuld. Und auch ein bisschen der dauernde „Lärm“ im Kindergarten.
      Man kann lernen damit zu leben. Das Geräusch auszublenden.
      Medikamente helfen nicht. Ich bekam auch anfangs Kortison. Hat nichts gebracht.
      Einmal manifestiert bleibt der Tinnitus, wenn er keine „körperlichen“ Ursachen, wie Mittelohrentzündung ect. hatte.
      Ich habe mich einigermaßen damit arrangiert. Das Geräusch ist mal lauter, mal leiser. Kommt auch sehr auf meinen psychischen Zustand an. Entspannung hilft mir.

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Was sagst du dazu? Bin sehr gespannt :-)

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