Pollymoment: Aus der Ferne

eye-609987_640Gestern habe ich dich gesehen, aus der Ferne.

Als ich Valentin zum Fußballtraining brachte. Ich hatte nicht damit gerechnet, dein Auto auf dem Parkplatz vorzufinden. Ich hätte auch nicht gedacht, dass du gestern als Trainer dabei sein würdest. Wo es dir doch immer schlechter geht.

Ich dachte, vielleicht bringst du deine Kinder, und ich laufe dir dabei hoffentlich nicht über den Weg. So dachte ich.

Als Valentin umgezogen war, begleitete ich ihn bis an die Hallentür. Das mache ich sonst nie. Valentin ist schon groß, er möchte das nicht. Aber ich wollte es wohl. Heute schon.

Wie automatisch trugen mich meine Füße durch den Gang. Ich weiß nicht, warum ich dann so erschrocken war, als ich dich in der Tür stehen sah, und du die Kinder begrüßt hast.
Du hast mich gesehen, mich angeschaut. Die Hand gehoben… Und ich?  Ich drehte mich blitzschnell um und flüchtete, ohne dich groß anzusehen. Ohne Gruß.

Wie dumm. Warum bin ich dann überhaupt erst bis zur Tür mitgegangen? Doch nur wegen dir. Um dich vielleicht doch zu sehen. Auch wenn ich es nie zugegeben hätte… Ich wollte in deiner Nähe sein. Bei dir. Wenn auch nur kurz.

Und dann das… Ich verstehe mich nicht. Ich kann manchmal gar nicht beschreiben, was die Liebe aus mir macht. Welch seltsame Reaktionen sie in mir auslöst. So widersprüchlich in sich, nicht voraussehbar oder planbar.

Die ganze Autofahrt über, zurück nach hause, heulte ich. Vor Trauer, Ärger und Wut. Wut über mich selbst.

Warum habe ich die Gelegenheit nicht genutzt, und dir einen verführerischen Blick zugeworfen, dem du nicht widerstehen kannst? Oder warum habe ich dir nicht wenigstens eine saftige Ohrfeige verpasst? Meinen ganzen Groll in einen Kinnhaken gepackt? Warum konnte ich nicht cool sein? Ich hätte auch lässig grüßen, und so tun können, als ob ich über all dem drüber stehe! Warum konnte ich nicht einfach das tun, was jede andere Mutter auch tut wenn sie ihr Kind zum Training bringt? Plauschen mit den anderen, lächeln, schwatzen, kurz an der Tür stehen bleiben, nochmal winken…? Warum???

Warum waren meine Beine schneller, als mein Kopf?

Wegen dir! Nur wegen dir!

Ja…

Ich weiß nicht genau wieso, aber ich war diesmal auch schon 20 Minuten früher zum Abholen an der Halle, als sonst. Zu früh. Was tun?

Zuerst habe ich noch ein wenig, von draußen durch das Fenster hinunter geschaut. Meine Augen suchten natürlich in erster Linie nach Valentin….und….nach…..dir.

Valentin, mein Fußballheld. Gerade am Ball….Schuss….und… Bravo!!!

Da warst du….in lässigen Sportklamotten. Sexy, so vertraut. Das Spiel ging weiter und ich starrte dich an.

Es war eisig kalt, aber ich merkte es gar nicht so. In meinen Gedanken, hieltest du mich im Arm. Diese Vorstellung brachte dich zu mir. Ich konnte dich riechen, und schmecken. Ich hörte deinen Herzschlag. Deinen Atem. Ich fühlte ein Kribbeln ich hörte ein Singen. Eine große Liebe drang  in mein Herz. Deine Wärme durchflutete mich. Ich wusste, ich träumte, aber es war so schön…

Dann riss mich ein vorbeifahrendes Auto von dir los.

Ich ging hinein, aber ich wartete nicht wie sonst im Gang, vor der Tür. Nein. Ich ging wirklich hinein. Durch die Tür, direkt in die Halle. Dort stellte ich mich an die Seite. Du solltest mich sehen, und ich wollte dich sehen. Ich weiß, dass du meine Nähe gespürt hast. Du warst so übertrieben locker und kumpelhaft mit den Kids, dabei hast du sehr genau darauf geachtet, dass dein Blick nicht zur Türe wandert.

Während ich wartete, habe ich dich, mit meinen Augen und Gedanken fast verschlungen. Wie gerne wäre ich auf dich zu gerannt, und hätte dir die Arme um den Hals geworfen. Hätte dich an mich gedrückt. Wie gerne wollte ich dich küssen, mit dir reden, lachen, und dir dabei direkt in deine wundervollen Augen sehen.

Wie gerne hätte ich dir von meinen Gefühlen erzählt, dir meine Gefühle gezeigt, deine Sorgen gehört und dich getröstet. Wie gerne hätte ich dich an meiner Seite. Egal, was uns die Zukunft für Steine in den Weg legen würde. Ich wäre so gerne für dich da. Ich glaube an dich, und daran, dass alles wieder gut werden kann. Es ist noch nichts verloren. Du hast noch nicht verloren. Ergebe dich nicht!

Und dann kam die Leere. Die Einsamkeit. Der Schmerz und die Tränen. Wir haben verloren, uns! Alles verschwamm. Mit einem mal, war die Welt um mich herum weg, außer du. Ich weiß nicht, ob jemand meinen Zustand bemerkt und meine Trauer gesehen hatte.

Es ist mir auch herzlich egal.

Der Schlusspfiff weckte mich. Ich spürte Valentins Arme, die mich stürmisch begrüßten. Und dann im Gehen, blicktest du mich direkt an.

Ich sah deinen Kummer. Konnte fühlen, wie schlecht es dir gerade geht. Dass du Angst hast. Dass du stur bist.

Kurz fanden wir uns.

Kurz.

Dann waren meine Beine wieder schneller als mein Kopf. Ich schob Valentin in die Umkleide und wartete draußen. Weit weg von dir.

Bevor wir ins Auto einstiegen, überlegte ich noch kurz, zu warten. Auf dich. Ich vermisse dich so. Ich brauche dich so. Aber nein. Nicht gestern.

Es lag wohl an meinen Beinen. Wie dumm von mir.

Sie gehorchen mir nicht immer.

Polly

Advertisements

Was sagst du dazu? Bin sehr gespannt :-)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s