Lange Monate…oder, schwere Zeit der Enthaltsamkeit

Die folgenden Wochen und Monate tat sich nicht viel.

Anfangs hatte ich noch ein mulmiges Gefühl, wenn ich morgens zur Arbeit kam. Würde es heute soweit sein? Würde Paula mit Mike durch die Tür spazieren, um dem ersten Wortwechsel nach langer Zeit, zwischen zwei Bekannten, beizuwohnen? Nein. Nichts der gleichen geschah. Einerseits war ich froh und erleichtert, andererseits aber auch mehr und mehr enttäuscht.

Mike brachte Paula nicht mehr zur Arbeit, er holte sie nicht mehr ab. „Dauernd macht er Überstunden auf den Baustellen!“, beschwerte sie sich bei mir. „Wenn das so weiter geht, brauche ich ein eigenes Auto. Ich kann mir nicht dauernd den Wagen meiner Eltern borgen, und immer mit dem Fahrrad…Nein danke!“

Ich glaubte zu wissen, warum Mike nicht mehr mit kam. Er versuchte Zeit zu schinden und unserem Treffen aus dem Weg zu gehen.

Er wollte ausweichen. Mir.

Polly.

Diese Vermutung tat weh. Aber konnte ich es ihm verübeln? Hatte ich nicht genauso Angst davor? War es nicht auch beruhigend für mich, dass er sich ebenso zierte wie ich mich? Bis ich ihm gegenüberstehen würde, würden noch einige Tage ins Land gehen. Puuuh. Also, ruhig Blut und keine Panik…

Und so war es auch. Tag für Tag ging ich gelöster in den Kindergarten. Ich rechnete fast schon gar nicht mehr damit, dass heute der Countdown zu Ende sein könnte. Der Tag X war in sichere Entfernung gerückt.

Sprachlos war ich deshalb, als ich eines Morgens die Gruppentür öffnete, und Paula nicht alleine mit den ersten Kindern vorfand. In unserer Bauecke, mit dem Blick aus dem Fenster, stand Mike.

„Polly, Polly, Polly!“, jauchzte Paula und hopste mir entgegen. „Heut hab ich ihm die Pistole auf die Brust gesetzt. Mike, komm! Sie ist da!“ Bei diesen Worten zwinkerte sie mir verschmitzt zu und strahlte beinahe stolz über das ganze Gesicht.

Mike schlenderte auf uns zu. Mit betont lässiger Miene. „Hi du Kleine, lange nicht gesehen“, flötete er. Es klang, als hätte er für diesen Auftritt ordentlich geübt. Diese Flapsigkeit in seiner Stimme, keine Anzeichen von Nervosität. „Mike!“ sagte ich nur, und unsere Wangen berührten sich zum Gruß. Mehr brachte ich nicht heraus.

Ich war aufgeregt und gar nicht locker. Mein Blut kochte, ich musste mich förmlich zwingen, nicht zu hyperventilieren. Paula merkte wohl diese seltsame Stimmung in der Luft. Leicht irritiert wandte sie sich um. „Ich kümmere mich mal um die Spülmaschine.“ Und weg war sie.

Toll…. Jetzt waren wir allein.

Die wenigen Kinder, die schon da waren, spielten und beachteten uns nicht. Mike schaute mich an. Und wir taten, was wir gemeinsam so wunderbar konnten. Wir schwiegen. Alles was wir zu sagen hatten lag in der Luft. Freude, Unsicherheit, Sehnsucht, Verlangen… aber vor allem auch Vernunft und Zurückhaltung. Respekt vor den neuen Umständen. Voreinander und vor unseren Partnern.

Wir wussten beide, wir durften nicht an dem anknüpfen, wie wir aufgehört hatten. Nicht so, wie wir es gewohnt waren.

Als Paula aus der Küche kam, war die Anspannung verflogen. Sie stellte keine Fragen. Zum Glück.

Mike verabschiedete sich.Wir würden uns anstrengen müssen.

Wir würden es versuchen. Für uns alle.

Fortsetzung folgt. fairy-tales-537198_640

Eure Polly

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