Das darf nicht wahr sein… oder, bitte sprich mich nicht an

Von nun an sah ich Paula mit anderen Augen. Mein Verhältnis zu ihr war angespannt, aber ich ließ mir nichts anmerken und lächelte sie tapfer an, übte mich im Smalltalk. Sie war ja immerhin meine Arbeitskollegin und immer noch verdammt nett. Die Gleiche wie vor zwei Tagen, an der ich so viele Gemeinsamkeiten entdeckt hatte. Mit der ich mich so gut verstand.

Aber sie war eben auch die Freundin von Mike. Und darum war sie mir leider nicht mehr ganz so sympathisch. Wie konnte sie es auch sein?!

Ich stellte mir unweigerlich vor, wie sie sich an ihn warf, er seine Hände auf ihrer Haut hatte. Die beiden beim Frühstücken, in der Badewanne…es war zum Mäusemelken. Alles das,was ich auch begehrte, hatte jetzt sie! Ich war eifersüchtig. Aber ich sagte nichts. Ich wollte es nicht und konnte es trotzdem nicht abstellen.

Was war nur los mit mir, verdammt!? Ich hatte einen Freund, und er war toll! Warum musste Mike daherkommen und das alles in Frage stellen? Nein, ich würde standhaft bleiben, und cool. Ich würde versuchen ihm aus dem Weg zu gehen, das war das beste.

Mike war nach der gestrigen Begegnung auch sichtlich überrascht gewesen, mich hier im Kindergarten zu sehen. Und er war mindestens genauso überfordert, wie ich. Wir hatten keinen Ton gesprochen, als wir wie angewurzelt im Garten standen und uns anstarrten. Am liebsten wäre ich davongelaufen. Ich wollte weg aus dieser verrückten Situation! Also hatte ich mich schnell und intensiv wieder der pädagogischen Arbeit zugewandt, indem ich ein Kind aufs Klo begleitete. Puh…Weg vom Zaun! Als ich zurückkam, war er weg. 

Paula hatte Mikes abruptes Verschwinden knapp mit den Worten kommentiert: „Also manchmal ist er echt ein Stoffel…er hätte ja mal warten, und sich bei dir vorstellen können.“

„Wenn sie wüsste.“ Das war alles, was mir durch den Kopf schoss.

An diesem Tag war alles für mich gelaufen. Er war die Hölle gewesen. Ich war unfähig, noch einen klaren Gedanken zu fassen und  wollte nur noch heim. Kurzerhand hatten wir dann am Nachmittag eine stressig laute Kinderdisco aufgezogen, da gab es so viel Trubel, dass an Unterhaltungen oder Langeweile nicht mehr zu denken war. Es war die perfekte Ablenkung vom Zaun. Und die Kinder liebten es.

Die folgenden Wochen sah ich Mike durch das Fenster ein paarmal im Auto sitzen. Manchmal holte er Paula von der Arbeit ab, oder brachte sie. Er wartete auf dem Parkplatz und stieg nie aus, oder kam kurz mit in den Kiga, so wie es Robert manchmal machte, wenn er mich ab und zu brachte.

Die Arbeit war nun zu einer psychischen Herausforderung für mich geworden. Paula erzählte mir zwischen Frühstück und Morgenkreis ungezwungen von ihrem Alltag mit Mike. Auch ziemlich pikante Details, die ich niemals hören wollte und wohl auch nicht hören sollte. Sicher nicht, wenn es nach Mike gegangen wäre. Und es interessierte mich auch nicht, auf was er stand und wie sie ihn zur Ekstase brachte. Das wusste ich selbst, verdammt! Und ich wollte absolut nicht hören, wie toll es war, wenn er an ihren Ohren knabberte und welche Kosenamen er dabei flüsterte…

Aufgrund dieser offenherzigen Gesprächsführung war ich sicher, Mike hatte seiner Freundin nichts von unserer besonderen Beziehung erzählt. Und ich tat es auch nicht. Gott bewahre.

„Woher kennst du Mike überhaupt?“, fragte Paula eines Morgens. „Er hat nichts weiter erzählt, nur dass er glaubt, dich irgendwoher zu kennen.“ Ja, was sollte ich dazu sagen? „Ich kenne ihn flüchtig von früher, hatten kurz mal den selben Freundeskreis. Ich war mir nur nicht sicher, aus der Ferne am Zaun, ob er es war. Sonst hätte ich was gesagt.“, log ich.

„Oh, Toll! Dann sag ich ihm, dass er dich wirklich kennt! Er soll das nächste mal unbedingt mit reinkommen und nicht dauernd im Auto hocken bleiben. Er ist immer so verschlossen. Da könnt ihr quatschen!“  Ja, das stimmte, er war verschlossen. Es würde eine Katastrophe werden. Ich schob leichte Panik. Prima, das fehlte mir noch. Plaudereien mit Mike unter Beobachtung von Paula. Ohne den gewohnten Flirt. iIh brauchte dringend Haare auf den Zähnen…

Ich hatte Angst. Wie würde es werden, falls sie ihn wirklich mit ins Haus schleifte? Er und ich, nach so langer Zeit? Von Angesicht zu Angesicht? Er war mit Paula zusammen, ich mit Robert. Wie würden wir beide aufeinander reagieren? Ich schob Panik, und dennoch war ich auch aufgeregt und gespannt, wann es soweit sein würde. Ich war voller Vorfreude und hatte gleichzeitig das Herz in der Hose.

Als ich an diesem Abend in meinem Bett lag, und die Augen schloss, sah ich sein Bild. Mikes Blick am Zaun, er hatte sich in mein Gedächtnis gebrannt, und alles Singen und Klingen begann von Neuem. Und es war aufregend, dieser Musik zuzuhören.

Eure Polly

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2 Gedanken zu “Das darf nicht wahr sein… oder, bitte sprich mich nicht an

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