Eine Fügung des Schicksals…oder, die Überraschung am Zaun

Es verging viel Zeit, in der ich nichts von Mike gehört hatte. Ich hatte mir eine Beziehung mit Robert aufgebaut. Wir renovierten uns eine kleine Wohnung in meinem Elternhaus, Robert ging noch einmal zur Schule und ich verdiente das Geld. Wir waren glücklich mit uns. Sicher auch, weil meine Tage ausgefüllt waren, mit Kindergarten, Haushalt, Ehrenamt und der Pflege meiner kranken Mutter.

Ich hatte kaum eine freie Minute, mir großartig Gedanken zu machen. Und so gelang es mir meistens auch Mike aus meinem Kopf zu verdrängen. Wenn ich an ihn zurück dachte, dann tat ich das zwar mit Sehnsucht, aber auch mit Fassung. Ich war glücklich, verdammt! Und Robert liebte mich. Er las mir jeden Wunsch von den Augen ab. Also, ich hatte keinen Grund unzufrieden zu sein.

Meine Arbeit gefiel mir. Die wenigen Wochen, die ich nun in diesem Kindergarten arbeitete, gaben mir das Gefühl, mein Leben würde nun endlich in geregelten Bahnen verlaufen. Meine Kolleginnen nahmen mich herzlich auf. Ich arbeitete in meiner Gruppe mit der Kindergartenleitung zusammen, und wir wurden noch durch eine Praktikantin namens Paula unterstützt.

Ich mochte Paula von Anfang an. Sie war so alt wie ich, ebenso klein gewachsen, hatte genauso kleine Füße und Hände, war ruhig, kreativ und richtig nett. Als Kinderpflegerin hatte sie leider momentan keinen festen Arbeitsplatz, weshalb sie bei uns ein Praktikum, von unbekannter Dauer absolvierte. Wir unterhielten uns über den Frust beim Schuhkauf in Größe 35, oder darüber, dass alle Hosen und Pullis immer zu lang waren. Ein echtes Problem für kleine Frauen. Ich erzählte ihr von Robert und sie erzählte mir, sie habe auch seit kurzem einen Freund, mit dem sie gerade zusammenzog. Wir versanden uns wirklich gut.

So kam der Sommer und wir gingen mit den Kindern jeden Tag im Garten. Für die Plätze, an denen wir besonders aufpassen mussten, teilten wir uns immer ein und wechselten uns ab. Heute hatte ich den Posten an der Schaukel, nahe des Gartenzaunes und Paula war an der Tunnelrutsche, etwas weiter hinten stationiert. Ich schob die Kinder an, schaukelte mit ihnen, half ihnen beim Auf- und Absteigen…ein ganz normaler Vormittag im Garten.

Als ich plötzlich ein lautes Geräusch wahrnahm, wie von einem Auto, das mit ziemlicher Geschwindigkeit in Richtung unseres Parkplatzes unterwegs war. Und tatsächlich, irgend ein Idiot in einem tiefergelegten VW mit Sportauspuff und lauter Metalmusik raste auf unseren Parkplatz und blieb dann stehen, dass die Reifen quietschten. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie gequalmt hätten.

So ein Volldepp! Dem würde ich die Leviten lesen, hier war schließlich ein Kindergarten und die Straße hoch war 20! Ich ging zum Zaun um dem Arsch den Marsch zu blasen, wenn er gleich aussteigen würde…

Aber als die Autotür aufging, traf mich fast der Schlag…“Äääääh….was macht der denn hier…“ , murmelte ich vor mich hin und mein Herz raste in meiner Brust. „Das ist meiner!“, flötete es aus Richtung Tunnelrutsche. „Aber er kann nicht Auto fahren!“ Paula hopste in Richtung Zaun und schlang dem Idioten die Arme um den Hals. Der Volldepp war Mike.

Ich stand wie angewurzelt da. Während Paula Mike einen Kuss auf den Mund drückte, bemerkte ich, dass auch er wie vom Donner gerührt war. Mit weit aufgerissenen Augen rührte er sich nicht und starrte mich an.

Da war er wieder, dieser Zufall. Unser Zufall. Verrückt, wir trafen uns an einem Ort wieder, an dem  keiner von uns beiden damit gerechnet hätte. In einer Konstellation, die mehr war, als eine Fügung des Schicksals…

Eure Polly

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