Bewegte Jahre…. und dennoch leer

Mit der Rückkehr von Frank, begann für mich ein Höllentrip. Ich nahm all meinen Mut zusammen und macht Nägel mit Köpfen. Ein paar Wochen vor seiner Rückkehr besuchte ich ihn zum letzten Mal im Knast um ihm das Unausweichliche beizubringen. Ich wollte diese Beziehung nicht mehr. Hinter Gittern schien es Frank gut und vernünftig aufzunehmen, das änderte sich allerdings schlagartig, als er wieder ein freier Mann war. Kaum in Freiheit stand er bei mir vor der Tür. Mit einem Strauß roter Rosen, tausend Versprechungen, Beteuerungen und einer Bierfahne die sich mir in meine Nase brannte.

Ich blieb standhaft, und Frank nahm mich nicht ernst. Er fühlte sich angestachelt, mich weiter zu umgarnen, ja zu bedrängen und als er endlich begriff, dass es keine Hoffnung mehr für ihn gab, schlug alles in Hass und Feindschaft um. Er begann mich zu stalken. Er rief mich hunderte Male am Tag an, lauerte mir auf, zerschlug meine Fensterscheiben, warf mir tote Mäuse in den Briefkasten. Er heuerte Kumpanen an, die mich einschüchtern sollten und ging sogar soweit, dass er mich unter einem Vorwand zu Bekannten lockte und mich dort drei Tage festhielt. Seiner Sauferei hatte ich es zu verdanken, dass ich davongekommen bin.

Aber all die langen Monate der Tyrannei hatten ihre Spuren hinterlassen. Ich war seelisch und körperlich ein Wrack. Bis zu Franks Prozess traute ich mich kaum vor die Tür. Ich konnte  nicht essen, nicht schlafen, schmiss die Schule, war in hohem Maße depressiv und labil. Die ganzen Monate hatte ich weder Kraft, noch Nerven an etwas anderes zu denken. Auch von Mike hatte ich die ganze Zeit nichts mehr gehört, und selbst war ich unfähig, in meiner Situation die Initiative zu ergreifen um ihn wiederzusehen.

Als Frank verurteilt worden war, kehrte allmählich wieder Leben in mich zurück. Ich versuchte in den Alltag zurückzufinden, so gut es ging. Versuchte wieder unter Menschen zu gehen, zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen, Freundschaften zu knüpfen. Und dabei traf ich meinen zukünftigen Mann. Robert. Verständnisvoll und gutaussehend. Er drängte mich zu nichts und bohrte nicht nach. Er nahm mich einfach an, mit all meinen Ängsten. Geduldig wartete er auf meine Rückkehr, als ich Monate lang auf Kuren und in Kliniken verbrachte, um mich wieder aufzupäppeln. Robert war da. Ohne Erwartungen ließ er sich auf mich ein.

Langsam entwickelte sich daraus eine zarte Liebe. Schließlich zogen wir zusammen. Ich wurde Erzieherin und wir hatten ein ruhiges Leben. Robert und ich. Es ging uns gut. Wir hatten vieles gemeinsam, verstanden uns blendend und hatten ein funktionierendes Sexleben.

Und trotzdem fehlte mir Mike. Seine Nähe. Die Art, wie wir uns verstanden, auch ohne Worte, oder mit ihm über alles zu reden und zu lachen. Ich ertappte mich dabei, dass ich mir seine Hände auf meiner Haut wünschte, seine Lippen an meinen. Ich träumte von einem Wiedersehen, auch wenn ich mit Robert lebte, und wie ich dachte, doch glücklich war.

Mike war immer ein Teil meiner Gedanken, auch wenn wir uns aus den Augen verloren hatten. Er war mir im Sinn, und es genügte mir soweit, als dass ich keine Abenteuer unternahm, um ihn wirklich zu sehen. Dafür genoss ich viel zu sehr die Sicherheit, die mir Robert bot. Nach allen Turbulenzen war er wie ein Hafen, an dem ich den Anker warf.

Doch aus der Ferne verklang nie dieses Rufen und Sehnen, nach den vertrauten Ufern, nach Mike.

Es waren bewegte Jahre, und dennoch waren sie auf bestimmte Art und Weise leer. Nach meiner Ausbildung begann ich meine Arbeit in einem dörflichen Kindergarten. Und das Schicksal meinte es gut mit mir, denn genau hier kreuzten sich unsere Wege erneut. Dort, wo ich es nie vermutet hätte traf ich ihn wieder. Nach viel zu langer Zeit. Die Liebe meines Lebens. Mike.

Wie es sich zugetragen hat? Fortsetzung folgt.

Eure Polly

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4 Gedanken zu “Bewegte Jahre…. und dennoch leer

  1. Was ich nicht verstehe, von Anfang an nicht und nach dieser Geschichte umso weniger, ist warum Mike sich nicht um dich – was ist das richtige Wort – gekümmert (?) hat. Ihr trefft euch und es mach „BÄMM“ und jedes Mal scheint ihr beide mehr zu wollen. Aber jedes Mal passiert danach nichts. Ihr scheint doch nicht weit voneinander weg gewohnt zu haben, Telefon gab es auch schon und selbst wenn ich damals eine Freundin gehabt hätte, selbst wenn ich vielleicht vor Frank Angst gehabt hätte, hätte ich irgendwie versucht mich um dich zu kümmern, für dich da zu sein und dich zu stärken. Einfach mal anrufen zum Beispiel. Mike tut das nicht, obwohl er weiß, dass deine Beziehung zu Frank und dein Elternhaus schwierig sind. Er tut es noch nicht mal als Du von Frank gestalkt, belästigt und schlimmeres wirst.
    Warum nicht?

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    • Ich denke wie es mit Frank tatsächlich war, hat Mike nicht wirklich mitbekommen. Während dieser Beziehung haben wir uns erst gesehen, als Frank im Knast war. Ich hatte Mike zuvor einen Korb gegeben, obwohl er sich ein Herz für mich gefasst hatte. Mike tut sich schwer seine Gefühle zu zeigen wenn es darauf ankommt. Das war schon immer so. Während ich mit Frank zusammenlebte, begann Mike auch eine neue Beziehung. Da war irgendwie der Wurm drin. Keiner von uns beiden wollte damals über seinen Schatten springen. Da waren wir auch noch nicht so gereift wie später. Telefoniert hatten wir nie. Ich weiß selbst nicht warum. Und Mike auch nicht. Denn jetzt tun wir es ja auch. Ich habe ihn auch nicht immer so an mich heran gelassen. Vieles heruntergespielt was zuhause war. Ich wollte auch nicht, dass es nicht mehr Ärger geben würde. Mike hätte mir geholfen, hätte ich ihn gelassen. Wir waren beide nicht die besten im Vorgehen. Und immer kam irgendetwas, was uns zögern ließ. Das klingt blöd. Ich weiß. Ich kann es selbst nicht genau beschreiben, wie das alles kam…. oder nicht kam.

      Gefällt 1 Person

Was sagst du dazu? Bin sehr gespannt :-)

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