Wie beim ersten Mal

Nach unserem Abend im Freizeitpark, war die alte Vertrautheit wieder da. Das unsichtbare Band, das nie wirklich gerissen war. Wir verabschiedeten uns ohne viele Worte, in dem Wissen, dass es wieder eine Zeit dauern würde, bis wir uns wieder über den Weg liefen. Die Zeiten der ungezwungenen Treffen auf unserer Bank waren vorbei.

Mike war nicht nur vergeben, sondern auch beruflich viel beschäftigt auf dem Bau, und ich war ja offiziell noch mit Verbrecher-Frank liiert und hatte ziemlich mit der Schule zu kämpfen. Zu diesem Zeitpunkt war ich als schwarzes Schaf der Familie völlig aus der Bahn geraten, was weder mir, noch meiner Familie gut  bekam. Ich hatte also genug mit mir selbst zu tun, und für romantische Treffen fehlten mir die Kraft und die passenden Gelegenheiten.

So vergingen wieder Monate. Monate, in denen ich an Mike dachte, ohne ihn wiederzusehen. Oft lag ich nachts lange wach und rief mir diese unbeschreiblichen Gefühle in Erinnerung, die mich umfingen, immer dann, wenn er in meiner Nähe war. Und ich sehnte ihn zu mir herbei.

So war es wieder Bruder Zufall, der uns zusammenführte. An einem Samstag Nachmittag, als ich einen meiner Gedankenspaziergänge durch die Straßen machte, begegnete ich ihm. Er war mit seinem Fahrrad unterwegs gewesen und auf dem Weg nach Hause. Als er mich sah, stieg er gleich ab, und wir gingen ein Stück zusammen. Wir unterhielten uns über die Arbeit, seine Freundin, über meine Eltern und über dies und das. Ehe wir uns versahen, standen wir vor seiner Haustür. Ich hatte ihn noch nie besucht, kannte seinen Vater nicht, bei dem er noch wohnte. Unsicherheit machte sich breit, sollte ich mich jetzt nicht besser verabschieden? „Komm mit hoch, bitte“, raunte Mike mir ins Ohr. „Ich beiße nicht, versprochen.“

Bei diesen Worten stieg mir sogleich die Röte ins Gesicht, ich war aufgeregt, wie ein kleines Kind. Aber er nahm mich bei der Hand und zog mich mit sich. In der Wohnung begrüßte mich sein Vater, aber Mike bugsierte mich schnell an ihm vorbei, bevor er mich noch in ein Gespräch verwickeln, oder unangenehme Fragen stellen konnte.

Ich war erleichtert, als wir in seinem Zimmer auf seinem Bett saßen, und die Tür hinter uns verschlossen war. Mike hatte eine Freundin, und sie hieß nicht Polly. „Was wird dein Vater jetzt denken?“, fragte ich leise. „Dass ich dich mag“, antwortete er und zog mich an sich. Päng! Sofort war es wieder da, dieses unglaubliche Gefühl. Dieses Kribbeln, dieses Knistern! Er schaute mir direkt in die Augen, und ich spürte sein Verlangen. Ich las es in seinem Gesicht. Seine Lippen zitterten, als sie sich fordernd auf meine drückten.

In diesem Moment, war es um uns geschehen. Es gab nichts mehr außer uns beide. Keine Freundin, keinen Frank, keinen Vater, keine Angst… nichts. Nur uns.

Wir waren uns so nah, wie noch niemals zuvor. Er legte mich sanft auf sein Bett und begann mich überall mit seinen Küssen zu bedecken. Seine Finger waren so zart und vorsichtig auf meiner Haut, dass ich es beinahe nicht aushalten konnte. Ich wollte mehr. Ich wollte ihn, seinen Körper spüren. Ganz und gar. „Ich will dich, Mike. Bitte“, keuchte ich. Er sah mich kurz an, sein Blick funkelte, leidenschaftlich und zugleich voller Wärme. „Ich will dich auch Polly.“

Und dann liebten wir uns.

Es war, als ob wir noch nie zuvor geliebt hätten. Erst noch behutsam und fast scheu, dann intensiv und voller Kraft. Ich fühlte mich ganz und gar vollständig in seinen Armen. Er gab mir, was mir bei allen anderen immer gefehlt hatte. Wir waren wie Schlüssel und Schloss. Es passte und war mit Worten kaum zu beschreiben. Er machte mich glücklich. Und ich genoss jede Sekunde.

Wir lagen noch lange eng umschlungen, ohne zu reden. Wir fühlten uns, das war das Wichtigste.

Draußen war es schon dunkel geworden, als ich mich endlich von ihm löste. Wir knipsten das Licht an, damit ich meine Klamotten fand. Während ich mich anzog fiel mein Blick auf seinen Schreibtisch, seine Gitarre, seinen Schrank…überall stand mit Edding mein Name.

Mike brachte mich nach Hause. Den ganzen Weg gingen wir Arm in Arm. Vor meiner Haustüre gab er mir noch einmal einen Kuss. Dieser Tag hatte uns verändert. Unser Band noch fester geknüpft. Auch wenn die Realität immer noch eine andere war, wir blieben verbunden.

Eure Polly

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3 Gedanken zu “Wie beim ersten Mal

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