Von 0 auf 100? Von der Ehefrau zur Geliebten…oder wie konnte es soweit kommen?

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Wenn ich in den Spiegel sehe, kann ich an mir nichts unnormales, wagemutiges oder verruchtes erkennen. Ich sehe die Frau und die Mutter, die ich immer war. Nicht übermäßig abenteuerlustig, keine Draufgängerin. Eher eine flippig Ruhige, wahrheitsliebend, aufopfernd, tolerant und gerecht. Kurz, ich friste eher ein etwas langweiliges, bürgerliches Dasein. Was mich aber nicht sonderlich grämt, denn ich bin wirklich dankbar, für alles was mir geschenkt ist.

Um so öfter stelle ich mir selbst die Frage, wie ich, die stinknormale Durchschnittsfrau, eines Tages zu einer Geliebten werden konnte? Zu so etwas geheimnisvoll Anrüchigem. Zu einer, die ihren Mann hintergeht, fast ohne schlechtes Gewissen, und die sich dabei mehr und mehr selbst verliert?

Nein, nie hätte ich das von mir gedacht. Niemals! Ich lebte doch ein ganz  normales Familienleben, in einem kleinen Vorort von Berlin. Ausgelastet durch Beruf, Haushalt und Kindererziehung, seit 20 Jahren an der Seite meines Mannes. 20 Jahre Ehe. Gut. Unsere Sturm- und Drangzeit lag schon länger hinter uns. Wir waren nicht mehr überschwänglich glücklich. Aber auch nicht totunglücklich! Zwei alte Ehe-Hasen eben…Es gab doch keinen Grund für eine Affäre!

Wir hatten in all den Jahren doch schon viele Höhen und Tiefen. Und immer hatten wir sie gemeinsam überstanden. Die Anfangszeiten voller Glück und Harmonie, ein erfülltes Liebesleben und viele romantische Momente. Aber natürlich auch Zeiten voller Trauer und Schmerz, mit Sorgen und Krankheit. Flauten im Bett und Migräneattacken…Ein ganz normaler Alltag. Ein stetes Auf und Ab, so wie es in so vielen langen Ehe vorkommt.

Ich frage mich, wann genau nun dieser Moment gewesen war, als aus unserer langen Ehe, still und leise eine Wohngemeinschaft wurde? Genau vermag ich es nicht zu sagen. Mein Mann hatte eine schwere Krankheit zu überstehen. Ich muss zugeben, in dieser Zeit verstand ich mich eher als „Fürsorgerin“, denn als Ehefrau. Später kamen unsere wundervollen Kinder zur Welt und wir verstrickten uns immer mehr im Alltag aus windelwechseln, Kindergarten, Krabbelgruppen. Dabei haben wir wohl, nach und nach, bei dem ganzen „gute-Eltern-sein-wollen“, das „Liebes-Ehe-Paar-sein“ vergessen.

Durch meinen Vollzeitjob in der Kita, war ich nervlich oft sehr belastet. Abends dann Haushalt, Hausaufgaben, Kochen, meine kranke Mutter….ich war einfach froh, wenn ich nach einem langen Tag endlich die Füße hoch legen, und einfach nur noch für mich sein konnte. Lesen, malen oder spazieren gehen, ganz für mich allein. Ich ging immer früher zu Bett, ohne meinen Mann. Und gewöhnte mich daran.

Mein Mann indessen machte es mir gleich. Nach seiner langen Krankheit, ging er völlig in seinem Job auf. Er kam spät abends erst nach hause. Geschafft von der Arbeit, kümmerte er sich immer weniger um die alltäglichen Familienangelegenheiten. Sein Abend daheim begann auf der Couch vor dem Fernseher und endete dort. Er ließ sich förmlich gehen. Zwischendrin ging er seinem Hobby nach, kreierte Lieder und Filme am PC, oder schnarchte. Damit hatte er genug zu tun. Ich glaube er war froh, dass ich zeitig zu Bett ging. Und ich war es immer öfter auch. Sein Umfang wurde immer mehr und wir fingen an, uns in  immer kürzeren Abständen zu streiten. Gemeinsame Situationen versuchten wir zu meiden und begannen, uns langsam aus dem Weg zu gehen.

Ja, und irgendwann waren wir dann so, wie wir jetzt noch sind. Zwei Menschen, die sich achten und schätzen, die sich lieben, fast wie Bruder und Schwester. Wir funktionierten immer. Und tuen es noch. Als Familie, als Eltern, als Freunde, im Beruf, vielleicht als Partner…Aber nicht mehr als Paar. Trotzdem hielten wir immer unsere heile Welt nach außen aufrecht. Unsere Ehe war nie ein Gesprächsthema zwischen uns. So wie wir lebten, hatten wir uns mit der Zeit doch eingelebt. Wir lebten harmonisch, wenn auch nebeneinander. Für unsere Kinder, für unsere Familien. Es gab keinen akuten Anlass sich zu trennen. Obwohl jeder von uns weiß und wusste, dass dies nicht die Erfüllung unseres Daseins ist. Das ist wohl die eine Seite der Medallie.

Die andere liegt natürlich in meinem  Geliebten. In Mike. Er ist nicht einfach irgend ein Mann, den ich zwischendurch kennen lernte. Er ist etwas ganz Besonderes. Er ist meine Jugendliebe, meine Lebensliebe. Jetzt weiß ich es besser als früher. Wir kennen uns, seit dem wir zwölf Jahre alt sind. Und unsere „Beziehung“ zueinander begleitet mich schon durch fast alle Phasen meines Lebens. Und es war immer eine tiefe Nähe zwischen uns. Eine Art Seelenverwandtschaft, wenn man so will, auch wenn wir unterschiedlicher nicht sein könnten.

Warum ist er dann nicht der Mann an meiner Seite geworden? Ja, vielleicht aus Dummheit. Aber seid gespannt, wie es dazu in meinen Gedanken weiter geht.

Eure Polly

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6 Gedanken zu “Von 0 auf 100? Von der Ehefrau zur Geliebten…oder wie konnte es soweit kommen?

  1. Ich kenne eine Konstellation, da haben sich vier Menschen mit ihrer Situation zu viert arrangiert: Ehefrau mit Geliebtem, Ehemann mit Geliebter. Sie haben jahrelang zusammen Weihnachten gefeiert (zu viert) und sind miteinander in den Skiurlaub gefahren. Inzwischen wohnen die neuen Paare aber schon so lange zusammen, dass sie sich immer seltener zu viert treffen. Positiv für ihre (erwachsenen) Kinder: Man kann Mama und Papa völlig problemlos zu Familienfeiern einladen, mit Partnerin und Partner. Gut – so sind aus den ursprünglichen (damals verheimlichten) Affären sicherlich Beziehungen geworden. Spannendes Thema jedenfalls.

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    • Ja, ein spannendes Thema. So ist es natürlich „optimal“. Jeder weiß von jedem, und alle verstehen sich recht gut, oder kommen zumindest miteinander aus. Das hat so etwas beruhigendes, denn keiner bleibt auf der Strecke. Aber ich denke, das ist eher die Ausnahme. Sanft aus der einen Beziehung rauskommen und sanft in die andere einsteigen. Es ist immer wünschenswert, sich zu arrangieren, besonders auch für die Kinder. Leider ist das nicht immer so leicht, wie wir es gerne hätten. Viele Grüße, Polly

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    • Ja. Mein Mann und ich, wir verstehen uns und respektieren uns…. aber es ist eben mehr WG als ein Liebespaar. Wir habe eine Ehe. Nebeneinander her… miteinander für die Kinder….wir streiten kaum. Es ist wie unter Geschwistern. Nicht etwa unangenehm. Aber alles das was ich bei Mike zusätzlich fühle, das fehlt.

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Was sagst du dazu? Bin sehr gespannt :-)

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